Ein spezieller Geburtstag erfordert eine spezielle Reise, wenigstens bei mir ist das so. Wohin die Reise geht ist schon seit Jahren klar – die Osterinsel soll es sein! Manchmal werden Träume wahr.

Inmitten des grossen Ozeans, in einer Region, die keiner jemals passiert, gibt es eine geheimnisvolle einsame Insel. Kein Land ist in der Nähe und für mehr als achtundert Leugen in alle Richtungen ist sie von nichts als leerer, unermesslicher Weite umgeben. Sie ist bedeckt mit grossen, monströsen Statuen, das Werk eines verschwunden Volkes und ihre Vergangenheit bleibt bis heute ein Rätsel. 

Pierre Loti

Die Osterinsel gehört politisch zu Chile, geographisch zu Polynesien, ist 3526 km (knapp 5 Flugstunden) von der chilenischen Küste und 4251 km von Tahiti entfernt. 2017 lebten laut Volkszählung 7750 Menschen dort. Kaum bekannt ist wohl, dass der Flughafen Mataveri die längste Landebahn Südamerikas besitzt und zudem der abgelegenste Airport der Welt ist, er sollte ursprünglich als Notfall-Landebahn für US-amerikanische Space Shuttles dienen.

Herzlich willkommen

Beim ersten Schritt aus dem Flugzeug spüren wir das tropische Klima und es fühlt sich an wie auf Hawaii. Während man auf das Gepäck wartet kann man am Schalter der Nationalparkbehörde gleich das „Eintrittsticket“ lösen (US$ 80 pro Person, Gültigkeit 10 Tage). Praktisch die ganze Insel ist Teil vom Nationalpark Rapa Nui der 1995 zum UNESCO Welterbe erklärt wurde. 

Einmal raus aus dem Flughafen erwartet uns ein herzlicher Empfang. Hier ist es üblich, dass die Unterkunft ihre Gäste abholt und mit einem Blumenkranz begrüsst. Ivan dreht eine Runde durch das beschauliche Hanga Roa und zeigt uns gleich mal alles was wichtig ist und er besteht auf ein Willkommens-Foto mit Moai im Hintergrund. 

Herzlich willkommen auf der Osterinsel

Gemütlich wohnen

Die Cabañas Tokerau liegen etwas ausserhalb von Hanga Roa. Wir fühlen uns ausgesprochen wohl und geniessen jeweils den 20-minütigen Spaziergang entlang der Küste ins Zentrum. Abends empfiehlt sich eine Taschenlampe, Beleuchtung gibt es abgesehen vom Mondschein kaum.  Unsere Cabaña verfügt über drei Zimmer jeweils mit Bad/Balkon und einer Gemeinschaftsküche mit Terrasse wo das Frühstück serviert wird. Die ersten paar Tage teilen wir uns das Haus mit einer rumänischen Familie, die kochen uns am Morgen immer einen starken Kaffee. 

Cabanas Tokerau- Osterinsel
Cabanas Tokerau - Osterinsel

Die meisten Touristen bleiben 3-4 Tage auf der Insel was grundsätzlich auch ausreichend ist um die Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Mein Berater im Globetrotter Reisebüro hat zu mir gesagt „du bist wahrscheinlich einmal im Leben auf dieser Insel, nimm dir doch genügend Zeit“ und das ist ein weiser Rat. Wir bleiben eine volle Woche und obwohl die Insel nur etwa 24 km lang und 13 km breit ist kommt keinen Moment Langeweile auf. 

Hanga Roa – die einzige Stadt

Hanga Roa ist die einzige Stadt auf der Insel, hier lebt 95% der Inselbevölkerung. Alles ist ziemlich relaxed in Hanga Roa, die Insulaner sind oft auf dem Motorrad unterwegs, ohne Helm und ohne Schuhe dafür mit Surfbrett und man sieht auch schon mal ein Pferd vor dem Supermarkt auf seinen Besitzer warten. Auf der Post gibt es gegen Trinkgeld einen Osterinsel-Stempel in den Pass. Speziell schön gelegen ist der Friedhof.


Am späteren Nachmittag sitzen wir gerne eine Weile im Mikafé am Hafen, essen Kuchen oder Gelati und beobachten das Treiben. Das Meer ist der Spielplatz der Kinder, die Jugendlichen gehen nach der Schule Surfen oder Kayak fahren und in den Tauchschulen ist ein Kommen und Gehen.

Hanga Roa - Hafen
Hanga Roa - Kirche
Hanga Roa - Shop
Hanga Roa - Friedhof

on the road

Um die Insel zu erkunden braucht man zwingend einen fahrbaren Untersatz, wir mieten  direkt in unserer Unterkunft für die ganze Woche einen Suzuki Jeep. Es ist kein grosses Problem als die Karre nach ein paar Tagen mitten im Dorf vor dem Bankautomaten streikt. Schnell sind ein paar Helfer zur Stelle zum Anschieben und zurück in der Cabaña wird das Fahrzeug unkompliziert ausgetauscht. Versicherung gibt es für die Autos nicht (!), die grösste Gefahr sind die vielen Pferde und Kühe die sich auf der Insel frei bewegen. Alternativen zum Auto sind Quads, Fahrräder, Motorräder oder organisierte Touren.

Osterinsel - Jeep
Osterinsel Pferde

Die Moai

Die Moai sind grosse, eindrückliche Statuen aus Stein und natürlich die touristische Hauptattraktion auf der Osterinsel. Bis heute ist nicht ganz klar, wann und warum sie erstellt und später umgeworfen wurden und genau das ist wohl auch so faszinierend. Experten gehen davon aus, dass sie rund 1500 Jahre alt sind und berühmte Häuptlinge oder Ahnen darstellen. Die Figuren sind Teil von Plattformen, auf denen Zeremonien abgehalten wurden.

Eduardo, unser Vermieter, empfiehlt uns das Buch „Die Osterinsel entdecken“ (in verschiedenen Sprachen in den Souvenirshops erhältlich), Autor ist James Grant-Peterkin. Ein Teil des Erlöses für dieses Buch wird an die Nationalparkbehörde gespendet um den Erhalt für zukünftige Generationen zu sichern. Das Buch ist sehr nützlich mit den vielen Informationen über „Lang-“ und „Kurzohren“, Geschichte, Sprache, Religion, Kultur, Sehenswürdigkeiten und die Osterinsel heute. 


Tahai

Diese Moai stehen nördlich am Ortsausgang von Honga Roa, auf dem Spazierweg zu unserer Unterkunft und sind besonders zum Sonnenuntergang gut besucht. Es ist ein allabendliches Spektakel mit dem üblichen Selfie-Wahnsinn aber gleichzeitig auch wunderschön. Hier ist mein Lieblings-Moai zu Hause, der einzige mit Augen.

Tahai - Osterinsel
Tahai -Osterinsel
Tahai - Osterinsel

Anakena Beach

Der Hauptstrand der Insel ist herrlich zum Schwimmen, das Wasser glasklar mit Temperaturen von 18 – 24 Grad je nach Jahreszeit. Es hat Picknickplätze und Snackbars. Als Zugabe gibt es ein paar hübsche Moai. Auf Postkarten ist diese Gruppe immer mit Augen abgebildet, in Wirklichkeit haben sie leider keine (mehr).

Anakena Beach - Osterinsel
Anakena - Osterinsel

Tongariki

Hier steht die grösste Plattform (220 Meter lang) mit 15 restaurierten Moai an einem wunderschönen Ort in einer Bucht, definitiv einer der Höhepunkte auf der Osterinsel. Das Restaurationsprojekt hat über 2 Millionen Dollar gekostet die die japanische Regierung und eine japanische Baufirma aufgebracht haben.  Früh morgens, wenn die Sonne hinter den Figuren aufgeht, ist der Parkplatz rappel voll, aus gutem Grund, das frühe Aufstehen lohnt sich.

Tongariki - Osterinsel
Tongariki - Osterinsel
Tongariki - Osterinsel

Ahu Akivi

Diese Moai stehen im Landesinnern und blicken aufs Meer was ungewöhnlich ist, an allen anderen Orten stehen sie genau andersrum. Hier findet man das bestimmt teuerste WC der Insel für US$ 2. Auch der Kaffee ist total überteuert, wir bestellen trotzdem einen. Der Verkäuferin ist es dann wohl selber peinlich und sie gibt uns einen Rabatt.

Ahu Akivi - Osterinsel
Ahu Akivi - Osterinsel

Rano Raraku

Der Steinbruch, in dem nahezu alle Moai angefertigt wurden und wo sich noch fast 400 unvollendete Moai befinden ist ein weiterer Höhenpunkt und ein „must see“, hier lohnt es sich, genügend Zeit mitzubringen. Es sieht aus, als ob die Arbeiter eines Tages einfach alles hätten liegen lassen und nie mehr zurückgekehrt sind. Die Herstellung eines Moai hat ungefähr zwei Jahre gedauert und viele sind anschliessend beim Transport an den Bestimmungsort leider zerbrochen. Speziell ist der „Moai Tukuturu“, der kniende Moai, der einzige mit Beinen und mit einer ungewöhnlichen Gesichtsform.

Beim Parkplatz findet man eines der wenigen Restaurants ausserhalb von Hanga Roa, ideal also für eine Mittagspause.

Rano Raraku - Osterinsel
Rano Raraku - Osterinsel
Rano Raraku - Osterinsel

Orongo

Eigentlich ist das Zeremonien-Dorf, oder das was davon noch übrig ist, die Attraktion. Hier hat früher der „Vogelmann-Wettbewerb“ stattgefunden. Für mich ist der wunderschöne Krater das eigentliche Highlight. Unser Spaziergang auf dem Kraterrand wird von einem scharfen Pfiff gestoppt, ein Ranger auf Pferd erklärt uns, dass an dieser Stelle nur mit Führer gewandert werden darf. 

Orongo - Osterinsel
Orongo - Osterinsel

Was gibt es sonst noch – ausser Moai

Auf der Insel verteilt stehen weitere restaurierte Moai die leider nicht alle in diesem Blog Platz haben. Man findet unzählige Plätze mit nicht restaurierten Überresten von Moai, Dörfern und Zeremonienplätzen. Ausserdem gibt es viele Felszeichnungen und ein paar Höhlen. Bekannt ist ein Stein der als „Nabel der Welt“ bezeichnet wird und spirituelle Kräfte besitzen soll. 

Osterinsel
Nabel der Welt - Osterinsel
Osterinsel

Die Insel ist landschaftlich ein Traum, dunkles Lavagestein und ein Meer wie ich es noch selten so blau gesehen habe. Ich kann mich kaum satt sehen und wir halten immer mal wieder irgendwo am Strassenrand um einfach nur die Aussicht zu geniessen. Dank dem tropischen Klima gibt es praktisch täglich Regenbogen zu bestaunen.

Osterinsel
Osterinsel Regenbogen

Wanderung Maunga Terevaka

Wer Zeit hat, wie wir, kann auf den höchsten Punkt der Insel wandern, den Maunga Terevaka auf 507 m über Meer. Möglich sind auch geführte Touren mit Pferden. Schön ist der erste Teil durch einen duftenden Eukalyptus Wald. Es stimmt also nicht, dass es auf der Osterinsel keine Bäume hat, auch wenn die Abholzung in der Vergangenheit viel Zerstörung angerichtet hat. Anscheinend soll aber auch eine Ratte nicht ganz unschuldig sein, dass sich die Palmen nicht mehr fortpflanzen konnten.

Wanderung Maunga Terevaka - Osterinsel
Maunga Terevaka - Osterinsel
Maunga Terevaka - Osterinsel
Maunga Terevaka - Osterinsel

Ana Kakenga (Höhle)

Ebenfalls mit einer kleinen Wanderung verbunden ist der Besuch dieser Lavahöhle. Ich muss mich schon sehr überwinden durch das enge Loch (Eingang) zu kriechen. Nach ein paar Meter weitet sich die Höhle und durch zwei Öffnungen (Fenster) blickt man hinaus aufs Meer, es lohnt sich.

Ana Kakenga - Osterinsel
Ana Kakenga - Osterinsel

Abendunterhaltung

Für meinen Geburtstag buchen wir eine Tanzvorführung mit Essen. Was sich nach Touristen-Abzocke anhört kommt hier noch authentisch rüber und beschert uns einen schönen und unterhaltsamen Abend mit leckerem Essen aus dem Erdofen.

Osterinsel - Tanzshow

Fisch, Fisch und noch mehr Fisch

Auf der Osterinsel essen wir die ganze Woche eigentlich nur Fisch, egal ob roh als Ceviche oder Carpaccio, als Füllung im Empanada oder vom Grill. Es schmeckt in allen Variationen. Viele Restaurants haben Tische mit direktem Blick aufs Meer und so gibt es als Dessert meist den Sonnenuntergang gratis dazu. Natürlich ist das Preisniveau höher als auf dem Festland aber es gibt viele gute Restaurants die nicht gleich das Reisebudget sprengen.

Ostereinsel - Essen
Osterinsel - Cocktails
Tataku Vave - Osterinsel

Geheimnisvolle Energie

Ein Chilene auf dem Festland hat mal zu mir gesagt Rapa Nui hat ganz viel Energie und irgend so etwas empfinde ich tatsächlich auch. Diese kleine geheimnisvolle Insel mitten im Pazifik ist ein ganz spezieller Fleck auf unserer Erde. Ich könnte mir keinen besseren Ort vorstellen um meinen 50. Geburtstag zu feiern.

Latam Osterinsel
Flug SCL - IPC

Chile 2018Santiago/Valparaíso – Pucon/Chiloe – San Pedro – Osterinsel