Reist man mit der Fähre über Nacht nach Sardinien, kann man die Ankunft unmöglich verschlafen. In aller Herrgottsfrühe brüllt es aus dem Lautsprecher, in mindestens vier Sprachen wird man unüberhörbar aufgefordert die Kabine frei zu machen. Doch für einen Cappuccio und ein süsses Brioche reicht die Zeit noch allemal. Gestärkt und gespannt beobachten wir auf dem obersten Deck die Einfahrt in den Hafen, pünktlich dazu geht die Sonne auf. Was für ein Ankommen.

Ziemlich genau vor drei Jahren waren wir schon mal auf Sardinien, auf einer tollen Biketour, einem Inselcross von Nord nach Süd. Die Tour hat uns vor allem das Landesinnere näher gebracht und mir war klar, ich muss nochmals zurück mit viel Zeit für die Küste und die tollen Strände.

Es gibt auf Sardinien fast so viele Campingplätze wie Sand am Meer, von einfach bis luxuriös, für jeden etwas. Wir mögen eher grosse Plätze mit viel Infrastruktur (Laden, Restaurants in der Nähe, saubere Sanitäranlagen), andere mögen es lieber einfach und Natur nahe. Klopapier gibt es selten bis nie, Klobrillen sind nicht selbstverständlich und oft findet man noch Stehklos.

Mitte bis Ende September ist die Insel erstaunlich voll, das Meer hat Badetemperatur und abgesehen von einem Gewitter geniessen wir herrliches Sommerwetter. Einzig der Wind ist manchmal etwas lästig, dafür vertreibt er die Mücken.

Bewusst bereisen wir nur einen sehr kleinen Teil der Insel, lassen uns Zeit und bleiben (mit einer Ausnahme) immer zwei Nächte auf einem Campingplatz. Wir nehmen mit was am Weg liegt und verzichten auf lange Fahrten und grössere Abstecher. Dabei haben wir unsere Brompton Falträder.

San Teodoro (Spiaggia La Cinta)

Eines der bekanntesten Sandparadiese Sardiniens ist unser erstes Ziel. Der Campingplatz liegt direkt am beliebten La Cinta Strand und gefällt uns super, irgendwie hat hier alles Charme. Zufällig treffen wir auf bekannte Gesichter aus der Heimat und wir trinken am Abend ein paar Ichnusa (Bier) und den einen oder anderen Mirto (Schnaps) zusammen.

Das hübsche San Teodoro ist problemlos zu Fuss erreichbar und lädt ein zum bummeln am Abend. Wer gerne lange Strandwanderungen macht kommt auf seine Kosten und wer früh wach ist sollte sich den Sonnenaufgang nicht entgehen lassen. San Teodoro und La Cinta – für uns der perfekte Einstieg.


Tempio Pausania

Weiter geht es von der Ost- an die Westküste, einmal quer über die Insel mit stiller Natur und ausgedehnten Wäldern. Wir finden in Tempio Pausania einen Parkplatz vor einer Kirche und machen Mittagspause im reizvollen Bergstädtchen das auch bei den Sarden beliebt ist als Sommerfrische. Mit den malerischen Gassen definitiv ein netter Ort um sich die Füsse zu vertreten und ein Panini zu essen.


Alghero

Die Westküste ist windig, wir finden im Camping Laguna Blu unser Traumplätzchen direkt am Rio Barca, der hier einen grossen Lagunensee bildet. Es ist nicht mehr viel Betrieb und wir geniessen die Ruhe unter schattigen Pinienbäumen mit toller Aussicht.

Der Campingplatz liegt am Ortsausgang von Alghero, nur ein paar Minuten zu Fuss sind es bis Fertilia, einem kleinen beschaulichen Ort mit ruhiger Atmospähre. Gemütliche Kneipen unter schattigen Arkaden laden ein zum Aperitivo und im „Il Paguro“ gibt es ausgezeichnetes Essen zum günstigen Preis.

Alghero erreicht man vom Campingplatz für EUR 1.00 problemlos mit dem öffentlichen Bus (oder mit dem Rad). Die Altstadt ist pittoresk und praktisch autofrei, mit verwinkelten schmalen Gassen gesäumt von zahlreichen Läden und Cafés mit hübschen Dekorationen, wie geschaffen zum flanieren. Die schmale Stadtmauer ist der Treffpunkt zum Sonnenuntergang, wunderbar für einen Spaziergang. In der Marina dümpeln Hunderte von Sportbooten jeder Klasse.


Stintino (Spiaggia la Pelosa)

Stintino ist ein kleiner Fischerort und ideal für eine Stärkung vor der Weiterfahrt und einen kleinen Bummel.

Einsam ist es nicht am Strand „la Pelosa„, einem der Lieblingsferienorte der Italiener, die Leute stehen bereits an der Parkuhr Schlange und die Strandtuchverkäufer sind zahlreich vertreten. Mit dem Torre Pelosa ist es allerdings wirklich ein fotogenes Plätzchen.

Kurz vor unserem nächsten Ziel passieren wir den „Roccia dell’Elefante„, eine Felsverwitterung mit den Umrissen eines Elefanten.


Valledoria

Auf dem Camping International werden wir zuerst mit einem Golfwagen über den Platz gefahren und man zeigt uns die freien Stellplätze. Die paar Premiumplätze in den Dünen sind alle besetzt, aber wir sind auch so zufrieden. Am späteren Nachmittag hören wir Donnergrollen und bald regnet es. Wir essen daher im Camping-Restaurant und verquatschen uns mit einem netten deutschen Ehepaar.

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne wieder um die Wette, wir packen unsere Brompton Räder aus um die Gegend zu erkunden und in Valledoria Kaffee zu trinken. Besonders schön ist die Dünenlandschaft bei San Pietro a Mare. Beim Pilgerkirchlein sollen sich am Abend die Jugendlichen treffen zum Knutschen, überprüft haben wir das nicht.


Capo Testa / Santa Teresa

Das weit ins Meer vorgeschobene Kap aus Granit ist so etwas wie das Nordkap Sardiniens und unbeschreiblich schön. Stundenlang könnte man durch diese Steinwelt streifen. Für Wohnmobile ist die Zufahrt auf der Stichstrasse gesperrt. Auch hier ist es ziemlich voll, man braucht Glück im Kampf um einen der wenigen Parkplätze.

In Santa Teresa treibt uns der Hunger in eine Pizzeria, die Terrasse ist gut besetzt. Anscheinend verbringen sämtliche Handwerker ihre Mittagspause in diesem Restaurant, alle anderen Lokale sind leer.

Porto Pollo

Hier liegt Sardiniens absolutes Surfermekka. Im Kanal zwischen Korsika und Sardinien hat es fast immer Wind. Der lange Damm teilt das Wasser in eine windgeschützte und eine dem Wind ausgesetzte Seite, so dass sowohl Anfänger als auch Profis auf ihre Kosten kommen. Es macht Spass, mit wehenden Haaren ein Gelati zu essen und Windsurfer zu beobachten.


Capo d’Orso

Der Campingplatz ist etwas abgelegen, wir bleiben daher ausnahmsweise nur eine Nacht. Die Dame an der Reception empfiehlt uns als Nachmittagsprogramm eine kleine Wanderung zum Bärenfelsen, einer weiteren fantastischen Felslandschaft. Der Ausflug ist ein Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes, die Aussicht von oben auf Palau, das Meer und das Maddalena-Archipel bis hinüber nach Korsika ist schlicht grandios.


Palau

In den Sommermonaten platzt Palau aus allen Nähten, kein Wunder bei dieser atemberaubenden Kulisse. Der Norden von Sardinien ist landschaftlich echt ein Traum.

La Maddalena

Mit der Fähre erreicht man ab Palau die Inselwelt des Maddalena Archipels, dieses gilt als Nationalpark. Geplant war eine Rundfahrt mit dem Fahrrad, doch uns bläst der Wind schon zu Fuss fast weg, so beschränken wir uns auf einen Bummel durch die hübschen Gassen der Altstadt.


Cannigione

Zum Abschluss bleiben wir zwei Nächte auf dem Isuledda Campingplatz. Dieser bietet viele Stellplätze mit Meerblick und die Badebuchten sind traumhaft schön. Zum ersten Mal kommen die Sturmleinen zum Einsatz, ohne Befestigung würde unsere Markise davon fliegen. Dafür trocknet die Wäsche schnell.

In das nahe gelegene Cannigione führt praktisch ein Veloweg. Der quirlige Ort war früher anscheinend ein verschlafenes Nest und hat heute ein paar nette Ecken, hübsche Cafés und Shops.

Beim Schaufensterbummel fällt uns auf, dass die sardische Flagge auf den Souvenirs gar nicht immer gleich aussieht. Mal schauen die Köpfe nach rechts und mal nach links. Mal tragen sie Augenbinden und mal Stirnbänder. Man findet dazu verschiedene Legenden. Sicher ist, dass 1999 das Design gesetzlich geregelt wurde und die Köpfe nun Stirnband tragen und vom Fahnenmast weg schauen.

Gleich um die Ecke, in der nächsten Bucht, entdecken wir einen weiteren wunderschönen Strand, Tanca Manna, mit einer kleinen Bar. Hier ist die Saison offensichtlich vorbei und der ältere Signore freut sich über jeden Kunden.


San Pantaleo

Auf dem Weg zur Fähre stoppen wir kurz in San Pantaleo. Das charmante Bergdorf entwickelt sich zum Künstlerdorf und wäre durchaus einen längeren Aufenthalt wert. Der Blick auf die gezackten Felsen der Gallura ist grandios.


Leider heisst es nach 10 Tagen wieder Abschied nehmen von Sardinien, die Insel ist zauberhaft und es gäbe noch so viel mehr (Meer) zu entdecken.