Ziemlich genau vor einem Jahr bin ich mit einer Freundin vom Bodensee nach München geradelt, hauptsächlich auf dem Bodensee-Königssee-Radweg. In Bad Tölz bogen wir ab um der Isar entlang in die bayerische Landeshauptstadt zu fahren. In diesem Moment war klar, wir kommen zurück, wir wollen an den Königssee.


Der Plan steht also, die Strecke Bad Tölz – Königssee wollen wir fahren. Die Umsetzung ist etwas schwieriger. Wie kommen wir an Ausgangs- und Zielort? Zudem wollen, was uns sehr freut, unsere Münchner Freunde (die wir letztes Jahr besucht haben) ebenfalls ein paar Tage mitfahren. Nach einigem überlegen, recherchieren und einem längeren Besuch im Reisebüro der Bahn ist alles geklärt und wir halten einen Stapel Tickets und Reservationen in den Händen.

Tipp: Fahrradplätze in der ÖBB (Österreichische Bundesbahn) unbedingt frühzeitig reservieren. Im Railjet hat es pro Zug nur 5 Fahrrad-Stellplätze.

  • Wir beginnen in Salzburg (Anreise mit der Bahn) und fahren mit dem Rad an den Königssee (Mozart Radweg).
  • Da nehmen wir den Bodensee-Königssee-Radweg (in umgekehrter Richtung) und fahren das fehlende Stück bis Bad Tölz. Bis hier begleiten uns die Münchner Freunde.
  • Zu zweit fahren wir weiter bis Innsbruck (Radweg München-Venedig), gönnen uns einen „Ruhetag“ und fahren mit dem Zug in die Schweiz zurück.
Quelle: google maps

Bleibt noch die Frage mit den Unterkünften. Letztes Jahr waren wir eher spontan unterwegs und haben von Tag zu Tag gebucht. Dieses Jahr sind wir zu viert, einige Etappenziele sind touristisch und es ist bereits Ferienzeit. Nach einigen Stunden auf „google maps“, „booking.com“ und diversem Mailverkehr wartet überall ein Bett auf uns.


Salzburg

Am späteren Nachmittag kommen wir in der Mozart-Stadt an und haben Zeit für eine kleine Rundfahrt. Zufällig ist gerade Stadt-Fest, da ist kein Durchkommen mit dem Fahrrad. Leider vermissen wir einen unserer beiden Velo-Schlüssel, somit muss ein Schloss her, doch was tun wenn alle Läden schon geschlossen sind. Die Rettung ist ein Asia-Shop, da gibt es einfach alles und der ist noch offen! Wir parkieren bei den „Hanf-Brüder“ und geniessen das erste kühle Bier. Dann spazieren wir ins Café Habakuk, da gibt es Salzburgs beste Mozartkugeln. Mit Verspätung trudeln auch die beiden Münchner ein und wir feiern unser Wiedersehen mit einem leckeren Essen im Hotel-Restaurant.


Salzburg – Schönau am Königssee (50 km, 230 Hm)

Unser offizieller Startpunkt ist der Mozartplatz, von da geht es rasch raus aus der Stadt, kilometerlang durch die schattige Hellbrunner Allee, es ist einfach toll wieder auf dem Tourenrad unterwegs zu sein. Ups, bei einem Griff in die Tasche meiner Radelhose finde ich den Zimmerschlüssel vom Hotel. Zum Glück ist es eine Chipkarte, dafür fahre ich nicht zurück. Wir folgen dem Mozart-Radweg und erreichen bald die Grenze zu Deutschland. In Berchtesgaden, wo die bayerischen Könige im Sommer im königlichen Schloss residierten, ist Zeit für Mittagessen, wir entscheiden uns für einen Eisbecher, nicht gesund aber erfrischend. Nun ist es es nicht mehr weit bis zu unserer Unterkunft in Schönau. Ein Volltreffer, super nett, ruhig und kühl. Ohne Gepäck radeln wir weiter an den Königssee, einer der schönst gelegenen Seen Bayerns mit seinem smaragdgrünen Wasser und von Bergen umgeben. Für eine Boots-Tour zum Wahrzeichen, der Halbinsel S. Bartholomä, sind wir zu spät dran, so begnügen wir uns mit einem Spaziergang zum Aussichtspunkt „Malerwinkel“ und kühlen die Füsse im Wasser. Später essen wir in einem Biergarten nahe der Unterkunft, probieren einen Schnaps aus Enzianwurzeln (über dem Königssee handgegraben und 7 Jahre in Eschenholzfässern gelagert), spazieren durch das Dorf und beobachten eine ganze Weile Glühwürmchen im Garten. Was für ein toller Tag und ein gelungener Auftakt für unsere Tour.


Schönau – Siegsdorf (72 km, 550 Hm)

Nun sind wir, nach einem Jahr, wieder auf dem Bodensee-Königssee-Radweg. Zurück bis Berchtesgaden geht es wunderbar schattig entlang der Königsseer Ache, dann wird es heiss, heisser, zu heiss, an jedem Brunnen füllen wir unsere Trinkflaschen auf. Bekannt ist Bad Reichenhall, wunderschön gelegen in einem Flusstal. Die hübsche Altstadt mit mediterranem Ambiente wirkt am Sonntagmorgen wie ausgestorben. Weiter geht es auf und ab durchs Berchtesgadenerland, im Blick den Watzmann, einer der höchsten Berge in Deutschland. In Piding kommen uns plötzlich Pferde entgegen, da findet gerade ein Volksfest statt. Nach einem heftigen Anstieg zur Kirche in Anger lockt ein netter Biergarten, wir stärken uns mit Wurstsalat und Rhabarberschorle und geniessen den herrlichen Ausblick. Kurz darauf lädt der Högelwörthersee zu einem erfrischenden Bad. Anschliessend wird es so richtig brutal, in sengender Hitze auf glühendem Asphalt und ohne Schatten erklimmen wir Hügel um Hügel. Wir kommen an Teisendorf und Traunstein vorbei, die Hitzeschlacht bringt uns an unsere Grenzen. Das letzte Stück entlang der Traun ist zum Glück flach und meist schattig, trotzdem sind wir froh, in Siegsdorf unseren Gasthof zu erreichen. Wie könnte es anders sein, unsere Zimmer befinden sich im zweiten Stock, ohne Lift, zwei steile Treppen müssen wir uns hoch kämpfen. Nach dem Essen reicht meine Energie noch knapp zu einem Dorfspaziergang. Bekannt ist das Mammut-Museum, das aber am Abend natürlich geschlossen ist.


Siegsdorf – Bad Feilnbach (64 km und 300 Hm)

In der Nacht hat es kaum abgekühlt, erholt fühlt sich anders an. Doch es ist nicht mehr ganz so heiss wie gestern, ein paar Wolken kündigen Gewitter an. Es radelt sich gut, wir kommen flott voran, fahren durch Bergen und Grassau. Die tolle Routenführung begeistert uns immer wieder. Unterwegs kaufen wir in Aschau süsse Erdbeeren direkt am Feld und suchen ein Schattenplätzchen um diese zu verspeisen. Nun sind wir im Chiemgau, den Chiemsee sehen wir leider nicht. Langsam aber sicher verdunkelt sich der Himmel, wir geben Gas. Schweren Herzens verzichten wir auf eine Pause im hübschen Neubeuern, das 1982 zum schönsten Dorf Deutschlands gewählt wurde. Dank einer Abkürzung schaffen wir es buchstäblich in letzter Sekunde trocken nach Bad Feilnbach. Es ist noch früh und mit Bier und Kuchen aus dem Supermarkt sitzen wir gemütlich im Hotel auf dem Balkon. Eine Regenpause nutzen wir für einen Spaziergang in den Kurpark.


Bad Feilnbach – Bad Tölz (65km, 760 Hm)

Der Tag beginnt mit einem zünftigen Aufstieg, dann führt der Weg durch wunderbare Landschaft an den Schliersee. Zum Baden ist es zu windig, für einen Picknick-Stopp perfekt. Auf der Weiterfahrt Richtung Tegernsee kommt es zu einer lustigen Begegnung mit einem Burschen der gerade aus dem Schulbus steigt und die Münchner anquatscht. Er bietet ihnen an, ganz laut „aufi zu plärren“ damit wir beiden Nachzügler die Abzweigung auch sicher nicht verpassen. Als wir ankommen erklärt er uns wie blöd die Schule ist, holt sein Fahrrad aus dem Gebüsch und fährt nach Hause. Nach Gmund am Tegernsee kommt nochmals ein brutaler Aufstieg hoch nach Marienstein bis es zum Glück mehrheitlich runter geht, durch ein tolles Moorgebiet bis Bad Tölz. Zuerst haben wir Mühe den Bahnhof zu finden und dann hat es nicht einmal ein Restaurant. So trinken wir im EDEKA Supermarkt eine letzte Schorle, bevor die beiden Münchner den Heimweg antreten. Wir zwei fahren in unser Hotel und verbringen einen schönen Abend im Restaurant Einbachmühle in sehr netter Gesellschaft. Heute schliesst sich der Kreis zur letztjährigen Tour, wir sind nun die ganze Strecke zwischen Bodensee und Königssee geradelt, darauf stossen wir natürlich an.


Bad Tölz – Maurach (65 km, 600 Hm)

Weiter geht es zu zweit, zuerst wunderbar entlang der Isar. Nun folgen wir den Schildern vom Radweg München-Venezia. Wir halten ein Schwätzchen mit zwei lustigen älteren Damen, auf einem Tagesausflug unterwegs, unzufrieden mit ihren schweren Mieträdern (ohne Motor) und im Kampf mit dem Navi. Der Aufstieg zum Sylvensteinsee, auch Sylvensteinspeicher genannt, ist sanft, es macht richtig Spass. Dann wird es hügelig mit viel Schotter und anstrengend. Irgendwo am Achenpass überqueren wir die Grenze und sind zurück in Österreich. Nach Achenkirch erreichen wir den See und gönnen uns eine Kaffeepause. Die letzten 11 km bis Maurach, am See entlang, sind ein Schmankerl. Unsere Unterkunft liegt mitten im Zentrum und nach einem herzhaften „Gröstl-Znacht“ brauchen wir einen Verdauungsspaziergang an den See. Ein Tag ganz nach unserem Geschmack, wir sind beide wahnsinnig gern am Wasser und davon gab es heute jede Menge.


Maurach – Innsbruck (53 km, 150 Hm)

Die letzte Etappe unserer diesjährigen Tour verspricht gemütlich zu werden, so lassen wir uns am Morgen ausnahmsweise Zeit. Von 1100 m ü. M. geht es vom Achensee hinunter auf 600 m ü. M. an den Inn. Wir erwarten einen langweiligen Radweg entlang der Strasse und werden überrascht mit einem wunderschönen Schotterweg durch den Wald. Es ist ein einziger Genuss, wir haben uns diese Abfahrt die letzten Tage hart verdienen müssen. Nun fehlen noch rund 40 km bis zu unserem Ziel, ohne viel Motivation strampeln wir die Kilometer entlang dem Inn ab, viel Sehenswertes gibt es da nicht mehr, wir haben auch langsam etwas genug. Auf einer schattigen Bank im Eingangsbereich von Swarovskis Kristallwelten in Wattens essen wir unsere Brötchen und gönnen uns ein leckeres Gelati. Irgendwann ist es geschafft, wir stehen mit unseren Rädern mitten in Innsbruck, klatschen uns ab und sind unglaublich stolz auf uns. Dann checken wir im Grand Hotel Europa ein, die Fahrräder stellen wir in den Gepäckraum, die wollen wir die nächsten 36 Stunden nicht mehr sehen. In der Skybar der Rathaus Galerien gönnen wir uns ein Radler mit Aussicht.


Ausflug Region „Wilder Kaiser“

An unserem „Ruhetag“ plündern wir Punkt sieben das Frühstücksbuffet und machen uns mit Bahn, Bus und einem Tirol-Tagesticket bewaffnet auf den Weg in die Ferienregion am Wilden Kaiser. Die Gegend ist vor allem bekannt aus der Fernsehserie „Der Bergdoktor“. Ganz zufällig kann man heute in Ellmau die Praxis besichtigen und da wir beide eine kleine Schwäche für den Doktor Gruber haben, lassen wir uns das natürlich nicht entgehen. Spannend, wie TV und Wirklichkeit sich unterscheiden. Was in der Serie alles am gleichen Ort spielt, ist in Tat und Wahrheit weit auseinander, verteilt auf verschiedene Ortschaften. Nicht einmal die Innen- und Aussenaufnahmen im Restaurant „Wilder Kaiser“ finden am gleichen Ort statt. Wir haben unseren Spass und geniessen die tolle Landschaft.


Zufrieden fahren wir zurück nach Innsbruck und lassen den Abend ausklingen in der Rooftopbar im Hotel Adler und einem Nachtessen in der Flanierzone der Maria-Theresien-Strasse.


  • Schlussendlich sind wir in sechs Etappen 370 km geradelt und haben 2600 Höhenmeter überwunden, alles ohne Motor und mit Gepäck.
  • Bewährt hat sich, die Strecke vorgängig aufs Smartphone zu laden, nicht überall sind die Schilder gut zu erkennen.
  • Es sind unzählige Schweisstropfen geflossen und wir waren froh um jeden Brunnen auf dem Weg. Es war eine anstrengende Tour und die Hitzetage haben zusätzlich Energie gefordert.
  • Von Pannen und Unfällen sind wir wiederum verschont geblieben, die Regenkleider haben wir vergebens eingepackt.
  • Es hat unglaublich Spass gemacht, wir zwei harmonieren wunderbar. Jaaaa…. es gibt bereits Ideen für eine nächste Tour. Lasst euch überraschen!

Hier geht es zum Bericht der letztjährigen Tour: München, wir sind mit dem Radl da


Das Roadbuch zum Radweg


In Bayern sagt man „Grüss Gott“, und zwar zu jedem, ob man ihn nun kennt oder nicht. Wenn man sich gut kennt, sat man „Grüss dich!, Pardon, „Griasdi“… Und man sagt „Servus“ und nicht „Tschüss. Und wenn Sie Semmeln kaufen wollen beim Bäcker, dann sagen Sie auch besser Semmeln, Brötchen hat er nämlich keine.

Kurverwaltung Bad Feilnbach