Die besten Dinge passieren oft unverhofft, so geht es uns mit San Pedro. Eigentlich wollen wir in Chiles Süden wandern, doch irgendwie fehlt uns die Lust dazu und unsere verschnupften Nasen sehnen sich nach Wärme und anderem Klima. Da hilft nur eines, ab in die Wüste. Wir buchen spontan einen Flug nach Calama und einen Transfer nach San Pedro.

San Pedro de Atacama liegt in der Atacama Wüste, auf 2440 Meter, 
umgeben von Fünf- und Sechstausendern und hat etwa 5000 Einwohner. Es ist eine der trockensten Regionen der Welt, zuletzt geregnet hat es vor vier Monaten und das war auch nur ein Gewitter. 

Es ist ein ganz besonderer Ort, gebaut im Adobe-Stil, nur einstöckige Gebäude, staubige Strassen und völlig flach. Mittelpunkt ist die entspannte Plaza mit den vielen Hunden. Der Ort wird deshalb gerne scherzhaft „San Perro“ (perro = Hund) genannt. Man spürt die Nähe zu Bolivien, endlich mal wieder Inka-Feeling. Am liebsten schlendern wir am Morgen durch die Gassen und die Shops, dann sind die meisten Touristen auf Ausflügen und es ist ruhig und friedlich. Abends sind die Gassen voller Menschen, dann ist ganz schön was los und auch das hat seinen Reiz.

Es ist gar nicht so einfach, kurzfristig eine geeignete Unterkunft zu finden, hier ist wohl das ganze Jahr Hochsaison. Schlussendlich entscheiden wir uns für das Incahuasi, nicht ganz zentral aber eine gute Wahl, zu Fuss ist man in 10-15 Minuten auf der Plaza. Fernando ist ein toller Gastgeber und setzt sich gerne zu uns auf die Terrasse zum plaudern. Wie so oft ist der Küchentisch Begegnungszone und wenn die Europäer ins Bett gehen, beginnen die Brasilianer zu kochen.


Sandboarding im Valle de la Muerte

Am späten Nachmittag fahren wir ins nahe gelegene „Todestal“. Schuhe anziehen, Helm auf und dann geht es los. Skilift? Fehlanzeige, wir müssen erst einmal die Düne zu Fuss erklimmen. Die Jungs von sandboardsanpedro sind cool und haben Erfahrung mit Anfängern wie uns. Es macht total Spass aber ich bleibe wohl doch lieber bei Schnee und Ski. Zum Abschluss wird uns ein Pisco Sour mit Sonnenuntergang serviert. 

Um die weiter entfernten Naturwunder zu erkunden wäre ein Mietauto ideal, es geht aber auch ohne, wir buchen ein paar Touren. Anbieter gibt es wie Sand am Meer (oder hier eher Sand in der Wüste), seriöse und wohl auch andere. Wir halten uns an eine Empfehlung aus dem Reiseführer und schauen bei „Basecamp“ vorbei. Robin macht einen guten Eindruck und der Preis ist auch ok. Bucht man mehrere Touren gleichzeitig und zahlt bar gibt es beachtlichen Rabatt.


Tour Termas de Puritama

Nach dem Sport folgt die Entspannung, wir lassen uns auf 3400 Meter in die Thermalquelle fahren. Malerisch in einer Schlucht gelegen und von viel Pampagras umgeben planschen wir gemütlich im 34 Grad warmen Wasser. 


Tour Lagunas Altiplánicas und Piedra Roja

Inzwischen fühlen wir uns genügend akklimatisiert für eine Tour auf über 4000 Meter. Bei den Bergseen Miscanti und Miñiques zaubern unser Guide und der Chauffeur ein erstaunliches Frühstück aus dem Auto, inklusive Rührei – damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet. Schon verrückt, wir sind mit dem Auto auf 4200 Meter über Meer, da gibt es in der Schweiz nur noch Eis und Schnee. Doch die Höhe spürt man schon, bei der kleinsten Anstrengung geht der Puls hoch und man schnappt nach Luft.

Ich kann mir nicht merken wie all die Orte, Lagunen und Salzseen heissen die heute auf dem Programm stehen, ich bin einfach nur hin und weg von der unglaublichen Natur und zwischendurch echt überwältigt. 


Tour Lagunas Cejar

Dank dem hohen Salzgehalt erlebt man den gleichen Effekt wie im Toten Meer, das Wasser trägt einem. Leider scheint hier der Tourismus langsam etwas Überhand zu nehmen, auf dem Parkplatz stehen sicher 20-30 Busse und vor den sanitären Anlagen bilden sich lange Schlangen. Wir fragen uns warum alle Agenturen zur gleichen Zeit an den gleichen Ort fahren. Fast vergeht uns die Lust auf ein Bad, doch natürlich will ich wissen wie sich das Salzwasser anfühlt und hüpfe auch rasch in den See.

Zum guten Glück fahren wir anschliessend weiter an einen anderen Ort um den Sonnenuntergang bei einem Drink und Snacks zu geniessen. Da bin ich wieder versöhnt, es ist so unglaublich schön hier. Bei unserem Spaziergang zaubert die hinter uns langsam untergehende Sonne eine magische Stimmung und taucht die Landschaft in ein wunderbares Licht.


Pucará de Quitor

Zu Fuss (oder mit Velo) aus San Pedro erreichbar ist die ehemalige Festungsanlage. Eigentlich ist der Ausflug nur so als Zeitvertrieb gedacht, in meinem Reiseführer findet die Sehenswürdigkeit kaum Erwähnung. Doch was sich bietet ist schlicht grandios. Ein Wanderweg führt zu einem Aussichtspunkt mit einem tollen Blick auf San Pedro und die Umgebung. 


Wandern macht hungrig. Restaurants gibt es mehr als genug in San Pedro. Günstig und lecker ist das Menü im  „tierra todo natural„.

Wir erleben auch seltsame Sachen in San Pedro’s Restaurants. Wein in Teegläsern weil die Alkohollizenz (noch) fehlt und ein Gesetz das den Kellner angeblich zwingt die leeren Teller nach dem Essen stehen zu lassen wenn wir noch ein Bier (Alkohol) trinken wollen. 

Einen Besuch wert ist der Imbisswagen beim Fussballplatz vor dem Friedhof. Da gibt es leckere Fruchtsäfte und Snacks mit netter Bedienung.


Nervenaufreibend ist unsere Abreise aus San Pedro. Der Flughafentransfer kommt mit über einer Stunde Verspätung und natürlich machen wir noch eine kleine Rundfahrt um weitere Passagiere aufzuladen. Viel Reserve bleibt nicht, aber wir erwischen den Flieger nach Santiago. Die staubigen Turnschuhe erinnern uns noch ein paar Tage an unser Abenteuer Atacamawüste.

Chile 2018Santiago/Valparaíso – Pucon/Chiloe – San Pedro – Osterinsel