Andere reisen wegen Michelangelo, Botticelli oder Da Vinci nach Florenz – ich wandle auf den Spuren von Clet, Blub und K. durch die schmalen malerischen Gassen und laufe mir fast die Füsse wund.  Bei dem tollen Wetter und nur 48 Stunden Zeit sind Museen und Anstehen definitiv keine Option für mich.


Bella Italia, es macht Spass sich einfach treiben zu lassen, an den Sehenswürdigkeiten kommt man automatisch irgendwann vorbei. Zwischendurch einen Kaffee zur Stärkung, wie überall in Italien trinkt man diesen im Stehen an der Theke. Natürlich ist die Stadt voller Touristen, aber irgendwie schieben sich alle durch die gleichen Gassen und oft reicht es schon eine  Parallelstrasse zu nehmen um den Massen zu entkommen. Nicht ganz so überlaufen ist Oltrarno, was so viel heisst wie „auf der anderen Seite vom Arno“, rund um die Piazza Santo Spirito zum Beispiel finden sich  viele nette kleine Restaurants. Da ich alleine unterwegs bin kommt der kulinarische Teil etwas zu kurz, einen Teller Nudeln mit frischen Steinpilzen und einem Glas Wein oder ein Antipasti-Plättli zum Apérol Spritz darf es aber schon sein. Immer wieder überraschen mich die tollen Strassenmusikanten, bei den „ragazzi Scimmia“ tanzen die Passanten spontan und ausgelassen unter dem nächtlichen Sternenhimmel mitten auf der Strasse.

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Zum Pflichtprogramm (auch für Kulturbanausen) gehört:

Duomo di Santa Maria del Fiore mit seiner weltberühmten Kuppel, eine Meisterleistung der Renaissance. Zusammen mit dem Campanile und dem Baptisterium zieht der Dom-Platz die Menschenmengen magisch an, will man etwas besichtigen empfiehlt es sich die  Tickets vorgängig online zu erwerben. Früh am Morgen hält sich der Andrang in Grenzen und der Anstieg sowohl auf den Campanile als auch auf die Domkuppel mit jeweils über 400 Treppenstufen lässt sich recht entspannt in Angriff nehmen. Beeindruckend die Balustrade im Innern der Kuppel, der Blick hinauf zu den Wandmalereien als auch hinunter in die Kathedrale ist gewaltig. Die Aussicht ist natürlich von beiden Gebäuden so ziemlich die gleiche.

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Piazza della Signoria, vielleicht der wichtigste zentrale Platz in Florenz. Hier kann man in der Loggia dei Lanzi zwischen beeindruckenden Statuen sitzen und die berühmte David-Statue von Michelangelo bestaunen, auch wenn es nicht das Original ist. Mir gefällt die Stimmung am Abend, wenn alles beleuchtet ist und die Tagestouristen abgereist sind.

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Piazzale Michelangelo, der Top-Foto-Spot mit herrlichem Panorama-Blick auf Florenz. Auf halbem Weg beim Aufstieg zum Aussichtspunkt liegt der Giardino delle Rose, von da hat man auch schon einen tollen Blick. Die Piazza ist ein beliebtes Ziel, besonders am Abend wenn sich die Sonne über der Stadt versenkt. Alleine ist man da oben nicht, die Atmosphäre ist aber toll. Die Leute sitzen friedlich auf der Treppe, Musik liegt in der Luft und wenn dann noch ein Hochzeitspaar aus einer Limousine steigt wird gejubelt und geklatscht. Nicht fehlen dürfen die Souvenirverkäufer, Selfie-Sticks scheinen immer noch gut zu laufen.

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Ponte Vecchio, wohl die berühmteste mittelalterliche Brücke über den Fluss Arno. Auf der Brücke gibt es viele Juweliere, Kunsthändler und Kitschläden. Von den beiden Brücken links und rechts hat man einen tollen Blick auf die Ponte Vecchio. In der Gelateria Santa Trinita (Nordseite der Ponte Santa Trinita) gibt es das vielleicht beste Eis der Stadt – zu einem stolzen Preis.

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Giardino di Boboli verbindet Kunst und Kultur. In der weitläufigen Anlage, hinter dem Palazzo Pitti, lässt sich wunderbar spazieren. Überall entdeckt man Skulpturen, Gartentempel und Brunnen. Vom höchsten Punkt offenbart sich ein weiterer grandioser Blick auf Stadt und Umgebung.

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Das wahre Florenz zeigt sich da wo die Touristengruppen nicht hinkommen. Hier meine Highlights:

In S. Ambrogio fühlt sich Florenz so richtig italienisch an. Da treffen sich die Florentiner vor der Kirche auf einen Schwatz, das Gemüse wird direkt auf der Strasse verkauft (oder in der kleinen Markthalle) und in den Gassen sieht man in den kleinen Läden Handwerker bei der Arbeit.

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Warum nicht mal zum Mittagessen mit dem Bus  nach Fiesole (Nr. 7 ab San Marco) Keine halbe Stunde dauert die Fahrt und schon ist man den engen Gassen und der drückenden Hitze der Stadt entflohen. Der Bus hält an der Piazza Mino, von da lohnt sich der kurze aber steile Anstieg zum Convento di San Francesco. Von der Aussichtsterrasse unterhalb des Klosters bietet sich der wohl beste Blick über Florenz, hinweg über Olivenbäume und Zypressen, ein lohnenswerter Ausflug.

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Nur ein paar Schritte vom Dom entfernt ist die Biblioteca delle Oblate, da kann man sich einfach mal ein paar Minuten in den kleinen Garten setzen und durchatmen oder noch besser, die Cafeteria im zweiten Stock besuchen und in aller Ruhe einen Kaffee trinken – den Blick auf den Dom gibt es gratis dazu.

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Wer streetart mag und mit offenen Augen durch die Gassen läuft,  dem wird Florenz ein Dauergrinsen ins Gesicht zaubern.

Mein absoluter Liebling ist Blub, „l’arte sa nuotare“ (Die Kunst kann schwimmen), so die Streetart-Kampagne des anonymen Künstlers. Seine Porträts auf kleinen quadratischen Plakaten sind auf Gas- und Elektrokästen an den Hauswänden zu finden. Allen gezeigten Personen (oft berühmte Persönlichkeiten) „steht das Wasser bis zum Hals“ und der Künstler hat ihnen Taucherbrillen gegeben. Blub sieht die Kunst und Kultur in der heutigen Zeit gefährdet, im Zeitalter des Massentourismus bleibt wenig Zeit zum Verweilen. Wie oft vergessen wir,  Dinge wirklich zu Betrachten und nicht einfach rasch ein Foto zu machen um gleich weiterzuziehen.

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Anders der französische Maler und Bildhauer Clet Abraham, kurz CLET. Er verändert die Straßenschilder der Stadt und macht sie zu seinen Kunstwerken, wohl nicht ganz legal aber ausgesprochen witzig. Im Stadtteil San Niccolo betreibt der Künstler einen kleinen Shop.

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Klein aber fein die Werke des anonymen Künstlers K. Er malt kleine schwarze Strichmännchen auf die Wände mit Luftballons, Herzen oder Blumen und mit kurzen Botschaften. Sein Projektname EXIT ENTER, die beiden meist benutzen Wörter neben seinen Zeichnungen, verweisen auf das Verlassen der einen Realität und gleichzeitige Eintreten in eine andere.

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Ich wohne im Hotel Cardinal of Florence und fühle mich ausgesprochen wohl. Das Hotel ist im dritten Stock (ohne Lift!), ein paar Gehminuten vom Dom entfernt in einer unscheinbaren Seitengasse. Das Personal ist auf eine angenehme Art sehr liebenswürdig und aufmerksam.  Von der Dachterrasse geniesst man einen tollen Blick über die Dächer der Stadt und auf die Domkuppel.

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Angereist bin ich bequem mit dem Zug. Ab Zürich ist man in 5 Stunden und 30 Minuten mitten in Florenz. Ab Mailand (umsteigen) brettert der Frecciarossa mit knapp 300 km/h durch die Landschaft.