Noch selten habe ich mich so wenig auf eine Städtereise vorbereitet wie dieses Mal. Etwas Recherche im Internet und etwas herum fragen im Bekanntenkreis muss reichen. Allerdings zweifle ich gleich bei der Ankunft an meiner Strategie, es ist mir (und auch meinen beiden Begleiterinnen) völlig entgangen dass wir am spanischen Nationalfeiertag anreisen – etwas peinlich ist das schon. Die Kamera bleibt zu Hause, Schnappschüsse mit dem Smartphone genügen für einmal auch.

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Altstadt
Das centro histórico ist klein und übersichtlich, alles ist zu Fuss erreichbar. Am besten lässt man sich einfach treiben, an den Sehenswürdigkeiten kommt man automatisch irgendwann vorbei. Prunk neben Bauruinen und überall Graffitis an den Fassaden, die Stadt hat einen speziellen Charme der mir sehr gut gefällt. Nicht verpassen sollte man den Mercat Central, die Markthalle ist wirklich sehenswert – von innen und aussen. Mir gefällt auch die Lonja de la Seda (Seidenbörse), die Säulenhalle fasziniert mich. Überall in der Stadt laden zudem kleine Cafés ein zum draussen sitzen und Leute beobachten. Die Stadt lebt, auch am Abend herrscht ein buntes Treiben in den Gassen und auf den Plätzen, wie in Spanien üblich füllen sich die Restaurants erst spät am Abend. Nur vom Nationalfeiertag merken wir absolut nichts.

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Jardines del Turia (Turia-Park)
In unserer Unterkunft leihen wir Fahrräder aus. Der riesige Garten erhebt sich auf dem ehemaligen Flussbett des Turia, welcher umgeleitet wurde, um die kontinuierlichen Überschwemmungen der Stadt zu vermeiden. Diverse Städtebauer und Landschaftsplaner haben einen einzigartigen Raum mit Palmen und Orangenbäumen, Brunnen, Pinien und Teichen geschaffen. Ein Paradies für Jogger, Radfahrer, Familien und Naturfreunde.

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In Richtung Hafen geht es zu der futuristischen Stadt der Künste und Wissenschaften, in deren Gebäuden ein Aquarium, ein Wissenschaftsmuseum und ein Konzerthaus untergebracht sind, wir schauen allerdings nur von aussen. Die Architektur, ein Werk des Architekten Santiago Calatrava, macht mich sprachlos, ich könnte stundenlang einfach da sitzen und staunen. Der blaue Himmel als Kontrast zu den weissen Gebäuden macht das Erlebnis perfekt.

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Schlussendlich sind wir am Meer, die Playa Malvarrosa ist ein einladender kilometerlanger breiter Sandstrand und selbst Mitte Oktober ist das Meer noch wunderbar warm. Entlang der Promenade locken zahlreiche Restaurants mit Paella Valenciana. Allerdings hätten wir uns wohl lieber an Empfehlungen gehalten und nicht ein x-beliebiges Restaurant gewählt, das Essen ist richtig schlecht.

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El Saler
Auch am Samstag zieht es uns nochmals raus in die Natur. Zuerst bummeln wir jedoch nochmals durch die Stadt und bewundern die prachtvollen Gebäude an der Plaza Ayuntamiento, den Bahnhof und die Stierkampfarena. Im Mercato Colon gönnen wir uns eine Pause und probieren ein Glas Horchata (Mandelmilch) mit Fartons (valenzianisches Hefe-Gebäck). Mir schmeckt es, die beiden anderen Mädels rümpfen die Nase.

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Dann suchen wir den Bus nach El Saler. Wir fragen nach dem Weg und schon sind zwei Frauen heftig am diskutieren und gestikulieren. Eine meint wir müssen nach rechts die andere sagt geradeaus, schlussendlich setzt sich aber eine durch und tatsächlich schickt sie uns in die korrekte Richtung, die Bushaltestelle ist etwas versteckt in einer Seitenstrasse. El Saler liegt mitten im Naturpark Albufera, 2600 Meter Strand, durch die Dünen und einen ausgedehnten Pinienwald geschützt vor den Westwinden, zu Recht einer der beliebtesten Strände Valencias. Auch hier ist das Meer wunderbar zum baden und der Strand schön zum spazieren. Heute wollen wir uns an eine Restaurant Empfehlung halten – aber wieder haben wir Pech, wegen einer Hochzeit ist das Duna für die Öffentlichkeit geschlossen. Dann halt doch wieder auf gut Glück, abgesehen vom katastrophalen Service schmeckt es dieses Mal richtig gut.

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Tapas
Wir sind in Spanien, dem Land der Tapas. Gut gefällt uns das Almudin, wir ergattern einen der wenigen Tische draussen und wie immer ist der Tisch viel zu klein für all die vielen Schälchen. Man sitzt sehr gemütlich abseits vom Trubel und doch zentral in der Nähe der Kathedrale. Das Essen schmeckt und der Service ist ausgesprochen freundlich.

Im Mercato Colon landen wir zufällig im Biocafe suc de lluna, ideal um ungezwungen eine Kleinigkeit zu essen und ein Karaffe Agua de Valencia zu trinken. Das ist nicht so harmlos wie man denken könnte, der Cocktail auf der Basis von Sekt, Wodka, Gin und Orangensaft ist die elegante Schwester des Sangria und schmeckt sehr erfrischend.

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Unterkunft
Zu dritt ist es immer etwas schwierig ein gutes Hotelzimmer zu finden. Darum entscheiden wir uns auf dieser Reise für ein Appartement. Eine gute Idee, das Edificio Palomar liegt sehr zentral, um die Ecke beim Torres de Quart (die Aussicht vom Turm ist toll) und unsere Unterkunft ist sehr modern und geräumig. Das Gebäude ist etwas ringhörig aber wer einen einigermassen guten Schlaf hat (oder Ohropax) wird sich daran nicht gross stören. Für das Frühstück bekommt man einen Voucher den man in vier Cafés in der Umgebung einlösen kann. Natürlich kein kulinarischer Höhenflug, man hat die Wahl zwischen spanischer Omelette, Tomatenbrot, Sandwich oder einem Croissant und dazu Kaffee/Tee und Orangensaft. Mir gefällt das Konzept, ich beginne den Tag definitiv lieber in einem Strassencafé als in einem klimatisierten unpersönlichen Frühstücksraum. Auch der für uns organisierte Flughafentransfer klappt einwandfrei.

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Danke Valencia für das tolle Weekend, wir müssen leider zurück in den Herbstnebel.

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