Eigentlich zieht es mich ja eher in den Süden und ich weiss jetzt auch wieder warum – Sommer im Tirol kann sehr nass sein. Allerdings meint es Petrus doch ganz gut mit uns, der tägliche Regen fällt hauptsächlich am Abend und in der Nacht. Tagsüber ist es meist schön, manchmal sogar sehr schön und durchaus mit sommerlichen Momenten. Camping freundlich ist das Wetter so natürlich nicht – aber egal, das Restaurant hat eine grosse gedeckte Terrasse und mehrmals pro Woche Live-Musik, der Grill lässt sich zum Tischgrill umfunktionieren und die Bar ist gemütlich, trocken und ideal um Gewitter abzusitzen.

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Natterersee
Der 5* Campingplatz am Natterersee liegt wunderschön mitten in der Natur und bietet alles was das Camperherz begehrt. Ab zwei Übernachtungen bekommt man die Welcome Card, diese berechtigt zur freien Fahrt auf einigen Buslinien und wenigen ausgewählten Bergbahnen. Bis nach Innsbruck sind es 7 km, allerdings liegt Natters rund 200 Höhenmeter über der Stadt. Mit dem Velo fährt man die Strecke wunderbar auf Forstwegen durch ein weitläufiges Waldgebiet. Wir schaffen es auf dem Rückweg tatsächlich mal uns zu verlieren und finden uns erst etwa eine halbe Stunde später im Dorf-Café wieder – beide sind wir völlig verschiedene Wege gefahren. Der öffentliche Bus fährt tagsüber stündlich, am Abend leider nicht mehr. Das Dorf Natters ist hübsch, ausser einem Supermarkt und ein paar lokalen Läden gibt es aber nicht viel zu sehen.

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Innsbruck
In der kleinen Altstadt findet man sich schnell zurecht. Einen guten Überblick bekommt man vom Stadtturm, mit direktem Blick hinunter aufs goldene Dachl. Weniger bekannt (und gratis) ist die Aussicht von der Terrasse im 7. Stock der Rathausgalerien (Einkaufszentrum in der Maria-Theresienstrasse), es gibt da auch eine Bar und ein Restaurant. Ebenfalls schön sitzt man in den Restaurants am Inn, zum Beispiel im Cammerlander neben der Markthalle oder auch das Café im Hofgarten ist nett für eine Ruhepause im Grünen.

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Hungerburgbahn / Nordkette
Auf dem Balkon Innsbrucks landen wir ziemlich spontan. Als wir am Morgen  mit dem Schirm durch die Stadt spazieren und am Mittag im Biergarten ein „Hendl“ essen reisst es plötzlich auf und ein strahlend blauer Himmel zieht uns geradezu auf den Berg. Mit der modernen Hungerburgbahn und der Nordketten-Kabinenbahn ist man in 20 Minuten vom Stadtzentrum auf 2000 Meter. Wer möchte, fährt noch 300 Höhenmeter weiter nach oben auf den Hafelekar und das lohnt sich, das Bergpanorama ist atemberaubend und auch der Blick auf die Stadt ist eindrücklich. Wir begnügen uns mit einer kleinen Wanderung zum Gipfelkreuz, das nächste Gewitter ist im Anmarsch und kaum sind wir zurück in der Stadt giesst es wie aus Kübeln.

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Muttereralm
Mutters ist das Nachbardorf von Natters und somit ein ideales Ziel mit dem Bike. Auf die Muttereralm könnten wir eigentlich gratis mit dem Bähnli hochfahren aber nein, so einfach machen wir es uns dann doch nicht, wir strampeln hoch. Zwischendurch verfluche ich zwar die Idee aber irgendwann bin ich oben und die Käsespätzle habe ich mir wirklich verdient. Nach einem kurzen Spaziergang zum Panoramasee machen wir uns via Raitiseralm auf den Rückweg. Verwirrt sind wir an einer Kreuzung mit der Beschriftung „PORR“, ich assoziiere das irgendwie mit Gemüse und wir folgen dem Wegweiser. Das ist keine gute Idee, plötzlich stehen wir vor einer Riesen-Baustelle und der Weg ist abgeschnitten. Uns bleibt nichts anderes übrig als über Felder und durch private Gärten zu radeln um irgendwie wieder auf eine Strasse zu gelangen – uns macht das Spass, zwei Kinder bei einem Haus sehen allerdings ziemlich erschrocken aus!

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Hall in Tirol
Wunderbar flanieren lässt es sich in der Altstadt in Hall. Allerdings muss man beachten dass die Läden hier noch Mittagspause machen und dementsprechend die Gassen in dieser Zeit ziemlich ausgestorben sind. Schön sitzt man im Garten der Geisterburg und der Apfelstrudel schmeckt gut.

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Swarovski Kristallwelten
Von Hall ist es nicht mehr weit bis Wattens zur Glitzerwunderwelt von Swarovski. Mir gefällt vor allem der Aussenbereich, die Wunderkammern im Reich des Riesen sind (bis auf eine Ausnahme) weniger mein Ding. Ob das Gesamterlebnis den hohen Eintrittspreis wert ist muss jeder selber entscheiden – da wir sowieso in der Nähe sind ist es für uns aber durchaus ein netter Ausflug. Meine Kreditkarte hat Glück, aus dem Souvenirshop ergreife ich die Flucht, bei dem ganzen Geglitzer und in dem Raum ohne Tageslicht wird mir ganz komisch und ich will da nur noch raus…das wird aber wohl eigentlich nicht bezweckt.

 

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Bergisel
Die Sprungschanze gehört natürlich zu Innsbruck und ist definitiv sehenswert. Das Bauwerk hat den österreichischen Staatspreis für Architektur gewonnen und vom Restaurant geniesst man eine tolle Aussicht auf die Stadt. Etwas makaber finde ich den direkten Blick vom Absprung auf den Friedhof. Cool ist, dass jeden Tag Show-Jumper im Einsatz sind denen man beim fliegen zuschauen kann. Seit Ende 2014 existiert am Bergisel ein 2,2 km langer Panoramarundweg mit immer wieder tollen Aussichten. Highlight ist die verglaste Plattform  „Drachenfelsen“ hoch über der Sillschlucht. Leider hat sich hier 2015 ein Todesdrama abgespielt, eine Ex-Miss Austria ist abgestürzt, soweit ich weiss ist die Ursache bisher nicht geklärt worden.

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Kühtai
Nach Kühtai wollte ich vor allem wegen dem lustigen Namen. Von Innsbruck fährt man eine gute Stunde mit dem Bus ins Sellraintal und es wird immer abgelegener und abgelegener bis man schliesslich auf 2000 Meter das Touristendorf erreicht. Die Landschaft ist wunderschön und die Abgeschiedenheit irgendwie faszinierend. Wir sind froh hat der Sessellift eine Haube, das vorhergesagte schöne Wetter lässt auf sich warten und wir sind nicht ganz passend angezogen. Oben verziehen wir uns in die topmoderne DreiSeenHütte und geniessen ein hervorragendes Mittagessen. Um wieder ein paar Kalorien zu verbrennen wandern wir  hoch zum Stausee und beschliessen dann spontan den früheren Bus zu nehmen (die Busse fahren nur alle zwei Stunden), müssen uns aber ziemlich sputen und schlussendlich sind wir dank einem Endspurt mit Hindernislauf über Wiesen, Felsblöcke und mit Bachüberquerungen pünktlich auf die Minute an der Bushaltestelle. Sowohl für Bus als auch für den Sessellift gilt die Welcome Card. Ah ja, Kühe haben wir in Kühtai natürlich auch gesehen.

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Zirbenweg
Das zur Stadt Innsbruck gehörende Dorf Igls hat während der Olympischen Spiele Bekanntheit erlangt, hier steht auch die Bobbahn. Uns interessiert jedoch die Seilbahn auf den Patscherkofel, den Hausberg der Innsbrucker und Ausgangspunkt vom Zirbenweg. Wir statten aber zuerst dem Tourismusbüro einen Besuch ab, checken den aktuellen Regenradar, plaudern mit dem Angestellten, lassen uns ein Alternativprogramm empfehlen und entscheiden uns dann doch für die Wanderung. Berühmt, beliebt und viel begangen verläuft der Höhenweg von der Bergstation des Patscherkofel bis zur Tulfeinalm (Tulfes) auf einer Höhe von 2000 Meter und einer Länge von 7 km. Der Weg führt durch den ältesten Zirbenbestand der Alpen und das Panorama, das sich bietet, ist einmalig: Zu  Füssen breitet sich das Inntal aus, gegenüber reckt sich die Nordkette über Innsbruck. Das mit dem viel begangen hält sich heute in Grenzen, die nächste Regenfront ist wie erwartet im Anmarsch und wir werden nass. Zum Glück erwischen wir nach dem Einkehren in der Almhütte (es gibt Apfelstrudel, was sonst?) eine Regenpause, der nostalgische 1er-Sessellift ist nicht gerade schnell. Am Abend trinken wir selbstverständlich in der Bar noch einen Zirbenschnaps.

Die Zirbelkiefer  gehört zur Familie der Kieferngewächse und wird auch Arve, Zirbe oder Zirbel genannt, in Fachkreisen Pinus cembra. Beheimatet ist der Zirbenbaum in den Alpen und den Karpaten. Man findet sie in Höhenlagen zwischen 1500 und 2500 Metern. Die Zirbelkiefer kann bis zu 25 Meter oder höher werden und ein Alter von bis zu 1000 Jahre erreichen. Die kurzen, nadeligen Triebe der Zirbe tragen viele Büschel mit jeweils fünf Nadeln, die zwischen 5 und 11 Zentimeter lang werden. Die Samen der Zirbelkiefer werden irreführend Zirbelnüsse genannt und befinden sich in den rundlichen Zapfen der Zirbe. Die frisch heranreifenden Zapfen werden gerne zur Herstellung eines gut schmeckenden und sehr bekömmlichen Zirben-Schnapses verwendet. »

 

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Eine Freundin aus Deutschland hat mich in einem WhatsApp gefragt ob die Berge in Österreich anders sind als in der Schweiz und hat mich damit etwas zum Nachdenken gebracht. Nein, landschaftlich ist es natürlich nicht viel anders – aber es fühlt sich drum herum anders an mit der Sprache, dem anderen Essen, anderen Gepflogenheiten etc. Das alles macht es für mich spannend und erlebnisreich und ist eine tolle Abwechslung zur heimatlichen Bergwelt – die ich ebenfalls über alles liebe und wo es auch noch so viel zu entdecken gibt.

Viele weiterer Informationen zur Region findet man auf Tirol.at

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