Wenn andere Leute ihre Skiausrüstung langsam wieder in den Keller stellen und die Gartenmöbel putzen dann kommt meine Zeit, ich mag Ski fahren im Frühling, wenn die Tage länger sind, die Füsse nicht mehr zu Eiszapfen gefrieren und am Nachmittag die Liegestühle auf den Sonnenterrassen locken. Voraussetzung ist aber natürlich ein schneesicheres Skigebiet und da ist Zermatt definitiv eine gute Wahl.

So sehr ich Zermatt im Sommer liebe, mit der winterlichen Ausführung habe ich mich lange etwas schwer getan. Irgendwie hat es mir in den Bergen zuviel Schickimicki, Pelzmäntel und Champagner. Ich brauche keine Gourmet-Restaurants auf den Pisten und mag nicht für den Lunch in einer Skihütte einen Tisch reservieren müssen. Aber jedem das seine, anscheinend ist die Nachfrage dafür vorhanden und es gibt durchaus auch Hütten nach meinem Geschmack wie zum Beispiel die Chämi-Hitta.

Unbestritten ist das landschaftliche Erlebnis in Zermatt grandios, Ski fahren mit Blick auf den Berg der Berge hat schon etwas und die Aussicht vom Gornergrat, Rothorn oder vom Matterhorn glacier paradise (3883 MüM) ist an einem schönen Tag schlicht sensationell. Aktuell kann man die Bauarbeiten für die neue Gondelbahn beobachten. Abwechslung bietet die italienische Seite, die Abfahrt vom Kleinen Matterhorn bis hinunter nach Cervinia oder Valtournenche ist genial, anschliessend stärkt man sich mit einem italienischen Espresso und/oder einer hausgemachten Lasagne (unser Favorit ist das Igloo) und natürlich darf auch ein Bombardino (heisser Eierlikör mit Rahm) oder ein Grappa nicht fehlen.

20170320_110644.jpg20170320_11063320170324_093733

Interessant ist das internationale Publikum. In der Gondel üben wir uns in Smalltalk mit einem jungen amerikanischen Ehepaar. Sie verbringen ihre Flitterwochen in Europa  und besuchen Amsterdam, Zermatt und Florenz. In Zermatt ist natürlich alles „amazing“. Nett ist der japanische Verkäufer im Mont-Bell Laden (japanische Outdoormarke). Er kommt aus Tokyo, hat in Konstanz deutsch gelernt und ist nun seit zwei Jahren in Zermatt. Beim Mittagessen am letzten Tag kommen wir mit ein paar Deutschen ins Gespräch, sie wollen wissen warum die Eier in der Schweiz so teuer sind. Die Gruppe (7 Personen, eher ältere Semester) hat für den Urlaub 150 Flaschen Wein aus der Pfalz mitgebracht. Beim Mittagessen scheint ihnen aber auch der Walliser Wein gut zu schmecken.

Immer wieder staune ich wie Zermatt es schafft seinen Charme zu bewahren. Ein Spaziergang durch das alte Zermatt ist eine wunderschöne Abwechslung zur geschäftigen Bahnhofstrasse mit all den Souvenir- und Uhrengeschäften. Es gibt auch durchaus noch Restaurants wo man die Kellner kaum versteht weil sie so schön Walliser Deutsch reden und in unserem Lieblingsrestaurant arbeitet seit vielen Jahren das gleiche Personal.

20170325_090540.jpg20170324_11583720170325_090701

Es war wieder eine sehr schöne und zum Glück Unfall freie Skiwoche in Zermatt und sogar mit der passenden Lektüre. Und wie die Aufzeichnung auf unserem Skipass beweist, haben wir den Liegestühlen meistens widerstanden.

Screenshot_20170325-221937pic20170322175755pic20170323151754.jpg