Bahnhof Colombo, morgens um 5.30 Uhr. Mit unseren Rucksäcken suchen wir den richtigen Zug. Um uns ein geschäftiges Treiben, es erinnert an Indien, allerdings in einer abgeschwächten Version. Bald verlassen wir die Stadt und wir können erahnen wie wunderschön die Natur in Sri Lanka ist. Die Sonne brennt sich als glutroter Ball durch den Morgennebel, was für eine mystische Stimmung, was für ein Start in unser Abenteuer. Ein paar Stunden später stellen wir uns die Frage wo genau wir eigentlich aussteigen müssen. In Palugaswewa wie es im Reiseprogramm steht? In Habarana wo unser Hotel ist? Oder doch in Galoya wie es auf unserem Ticket steht? Wir entscheiden uns für die letzte Variante und das scheint richtig zu sein, unser Fahrer erwartet uns am Bahnhof und fährt uns ins Hotel. Zuerst sind wir entsetzt, die Unterkunft liegt weit weg vom Dorf mitten im Dschungel. Doch es dauert nicht lange und wir lieben diese Oase der Ruhe und wir geniessen auch den 30 minütigen Spaziergang ins Dorf. Gemäss Reisebuch ist Habarana ein ödes Nest und das trifft es ganz gut. Viel mehr als eine Kreuzung ist da nicht, immerhin gibt es einen Supermarkt und ein oder zwei kleine Restaurants. Bald kennt man uns im Dorf, alle winken uns zu und wir haben auch einen persönlichen Tuk-Tuk Fahrer, wie von Zauberhand ist er immer zur Stelle wenn wir ein Transportmittel brauchen. Ziemlich praktisch, so sparen wir uns die Preisverhandlungen.

P1010394Habarana ist ein idealer Ausgangspunkt um das kulturelle Dreieck zu besuchen. Hier ist das Herz Sri Lankas, in dem sich die meisten der früheren Hauptstädte befinden, dazu unzählige Tempel und sonstige Heiligtümer. Viele der Stätten wurden unter Schirmherrschaft der UNESCO restauriert. Mit unserem Fahrer machen wir Tagesausflüge zur Felsenfestung Sigirya mit den weltberühmten Wolkenmädchen-Fresken, in die alte Königsstadt Polonnaruwa,  zum weissen Buddha in Mihintale und zum heiligen Bodhi-Baum in Anuradhapura. Schön ist auch die Elefanten-Safari im Kaudulla Nationalpark. Die gewaltige Natur macht uns sprachlos. Lustig (meistens) sind die vielen Affen, ausser wenn diese in der Nacht auf dem Dach unseres Bungalows spielen oder den Touristen die Taschen klauen. Obwohl Sri Lanka ein Teeland ist findet man auf der Strasse eher einen Kiosk mit süssem Nescafé als einen Teestand. Bei den vielen Tempelbesuchen leiden unsere Füsse, ohne Schuhe ist der Boden oft ganz schön heiss. Wir gewöhnen uns rasch daran zweimal täglich „Rice and Curry“ zu essen. Unser Hotel bietet ein Sri Lankisches Frühstück an mit String Hopper (Reisteigfladen) und scharfen Chutneys… also ich bleibe lieber bei Toast… Am letzten Abend in Habarana offeriert uns der Chef ein Nachtessen, keine Ahnung wie wir zu der Ehre kommen aber natürlich nehmen wir das gerne an, wir sind allerdings auch die einzigen Gäste an diesem Tag.

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In Habarana sind wir verwirrt als wir im Hindutempel einen Buddha entdecken. Aber anscheinend wird dieser als eine Inkarnation des Gottes Vishnu betrachtet. Später sehen wir in allen Tempeln immer Abbildungen von Buddhismus und Hinduismus. Auch christliche Kirchen gibt es natürlich und in den Strassen hört man immer wieder den Ruf des Muezzin. Oft hängen in den Tuk-Tuks Symbole von allen Religionen, irgendwie scheint hier alles Platz zu haben.

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P1010268Das Reisen mit Fahrer ist komfortabel, hat dafür den Nachteil dass man gerne an Orte gefahren wird wo Touristen viel Geld ausgeben können und Fahrer Provisionen bekommen. Wir sind da wohl nicht gerade die Wunschkundschaft für unseren Fahrer. Einmal besuchen wir einen Kräutergarten, die Führung ist ganz interessant. Dann kommen wir in den Genuss von einer kleinen Gratismassage für unseren verspannten Nacken die allerdings eher Schmerzen verursacht als wohltuend ist. Aufgrund der nicht gerade zarten Hände vermuten wir dass hier der Gärtner zum Masseur umfunktioniert wurde. Natürlich endet das Ganze in einem grossen Verkaufsraum mit Ayurvedaprodukten, selbst Empfehlungsschreiben in verschiedenen Sprachen werden uns vorgelegt. Ich könnte ja einen Hustensaft gebrauchen, doch der Preis von fast CHF 25 für eine Flasche finde ich dann schon etwas überrissen. Zudem gibt es nur grosse Familienpackungen. Sehr nett ist hingegen der Besuch einer kleinen Reisfabrik. Zwar macht alles einen etwas unhygienischen und unordentlichen Eindruck, aber ich habe mir noch nie überlegt wie der Reis eigentlich vom Feld in den Laden kommt. Der Besitzer kocht uns einen Kaffee und gibt uns Honig zum probieren. Hier gibt es auch nichts zu kaufen und nicht einmal eine Spendenbox steht bereit. Ausser Reis wird auch Pfeffer verarbeitet und wir wundern uns etwas,  dass ein Motorrad unbeirrt über die zum trocknen ausgelegten Pfefferkörner fährt und auch die Leute frisch fröhlich darüber laufen.

1481945253263Dann geht die Reise weiter nach Kandy, die viertgrösste Stadt des Landes und der Dreh- und Angelpunkt der Zentralregion. Nach dem beschaulichen Habarana ist Kandy zuerst ein kleiner Schock, die engen Bürgersteige überquellen vor lauter Menschen, es ist laut, abgasvernebelt und hektisch. Trotzdem finden wir auch hier bald unsere Lieblingsplätze und ruhigere Seitenstrassen. Die grösste Sehenswürdigkeit ist der Zahntempel am künstlich angelegten See. In einem Schrein wird (angeblich) ein rechter Backenzahn Buddhas aufbewahrt. In einem Tagesausflug besuchen wir den Botanischen Garten sowie zwei kleinere aber sehr hübsche Tempel etwas ausserhalb der Stadt. In Kandy nehmen wir uns auch Zeit für eine sehr gute Ayurveda-Massage, besuchen eine Show der Kandy-Dancer, plaudern mit einem Feuerwehrmann, probieren Sri Lankischen Fastfood, bummeln über den Markt und lassen uns im Einkaufszentrum mit Weihnachtsmusik berieseln. Wir lassen Wäsche waschen und diese geht mit einem Tuk-Tuk in die Wäscherei…. dann sehen wir die Sachen lange nicht mehr, erst zwei Tage später, 5 Minuten vor unserer Abreise und nach mehrmaliger Nachfrage taucht der Wäschesack wieder auf. In Kandy erleben wir eine lustige Tuk-Tuk Fahrt. Aus den Boxen dröhnt Bob Marley und wir grölen lauthals (und wohl auch falsch) „no woman no cry“.

P10104801481509976177P1010475Die Menschen in Sri Lanka sind sehr freundlich und hilfsbereit, praktisch jedes Lächeln wird erwidert, oft leider zahnlos. Wie immer in Asien weiss man nie so recht ob nun ein Kopfschütteln ja oder nein bedeutet. Einmal fragen wir an einem kleinen Kiosk nach Keksen. Der Verkäufer meint dann nein, das haben sie nicht wir sollen doch in den Supermarkt. Beim genaueren Hinschauen sehen wir aber genau im Regal hinter ihm eine grosse Auswahl an Cookies.P1010500P1010496P1010432Weiter geht es in die Berge, Nuwara Eliya liegt auf knapp 2000 Meter Höhe inmitten von Teeplantagen, und ist die höchstgelegene Stadt Sri Lankas. Entsprechend ist es vorallem am Abend etwas kühl. Natürlich besuchen wir auch eine Teefabrik. Nureliya ist eine nette Kleinstadt mit britischem Flair. Es gibt sogar eine Pferderennbahn und einen Golfplatz. Nureliya wird auch „little England“ genannt. Wir lassen uns treiben und fahren spontan mit dem Bus nach Shantipura, das höchstegelegene Dorf Sri Lankas. Der Busfahrer wundert sich etwas, ein wirkliches Dorf gibt es da nicht und gewöhnlich verirren sich wohl kaum Touristen an diesen Ort. Doch wir geniessen unseren Spaziergang durch die Teeplantagen und Gemüsefelder. Am Abend essen wir in einem kleinen lokalen Restaurant und haben keine Ahnung was wir bestellen. Auf den Tischen stehen grosse Currytöpfe und es schmeckt wie immer super lecker. Am Abend heulen wir den Vollmond an und die halbe Nacht hören wir in der Ferne laute Musik von einem Fest. 1481945311605Das nächste Ziel erreichen wir mit dem Zug. Ella ist malerisch von Hügeln und dichter Vegetation umgeben und liegt am Ende der Ella-Schlucht. Die Gegend lädt richtiggehend ein zum wandern, nur leider fehlt uns dazu die Zeit. Ich erwache früh und setzte mich am Morgen auf die Terrasse und geniesse einfach nur die unglaubliche Stimmung und die Ausblicke. Definitiv ein Ort an dem ich gerne länger verweilen würde.

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P1010607Die Fahrt nach Galle ist lang und unglaublich kurvig. Die Strassen sind schmal und die Überholmanöver teilweise ziemlich gewagt. Dazu kommen unzählige Hunde die mitten auf der Strasse liegen und sich kaum bewegen. Bei unserer Ankunft sind wir ziemlich gerädert und einfach nur froh angekommen zu sein. Galle steht unter holländischem Einfluss und innerhalb vom Dutch Fort fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Mehr als 400 koloniale Gebäude bilden eine wunderbare Kulisse. Schön auch der Leuchtturm. Auf den alten Mauern kann man prima spazieren und sich anschliessend durch die engen Gassen treiben lassen. Ausserhalb vom Fort das gewohnte Sri Lankische Chaos. Wir finden ein Kino und schauen uns einen schnulzigen singhalesischen Film an (ohne Untertitel) in furchtbarer schlechter Ton- und Bildqualität und stopfen uns Taschentücher in die Ohren. Trotzdem ein schönes Erlebnis. Mit dem Tuk-Tuk fahren wir nach Unawatuna an den Strand, nehmen ein Bad im warmen Meer, sitzen in einer Strandbar und finden einen wunderschönen Buddha mit fantastischem Ausblick.

P1010639P1010689P10106911481851034045Nun müssen wir zurück nach Colombo und am Bahnschalter kaufen wir die Tickets. Der Zug fährt ein und ist schon sehr voll. Da Galle ein Sackbahnhof ist gehen wir davon aus dass die Leute alle aussteigen aber natürlich ist dem nicht so, alle bleiben sitzen. Zuerst finde ich noch ein Plätzchen am Boden aber bei der nächsten Station muss ich dieses aufgeben, nun geht wirklich nur noch stehen, dichtgedrängt und das bei über 30 Grad. Trotzdem schlängeln sich die Verkäufer irgendwie noch durch und bieten ihre Waren an. Zum Glück steht neben mir ein Deutscher und so ergibt sich ein nettes Gespräch und die zweistündige Fahrt ist einigermassen erträglich und kurzweilig. In Colombo schwatzten wir mit dem älteren Mann in der Tourist-Information und schlussendlich bietet er uns an die Rucksäcke für ein paar Stunden in Gewahrsam zu nehmen. Dafür darf er uns einen Taxitransfer an den Flughafen organisieren. In der grössten Mittagshitze schlendern wir noch etwas durch die Gegend, essen zum letzten Mal Reis und Curry, trinken noch einen Nescafé und fahren dann völlig verschwitzt an den Flughafen. Also ich möchte nicht neben mir sitzen im Flieger….

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Zwei Wochen waren definitiv zu kurz für das tropische Eiland im indischen Ozean mit unglaublich schöner Natur, geheimnisvollen alten Königsstätten, Teeplantagen, Stränden, Tempeln und lächelnden freundlichen und hilfsbereiten Menschen.

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