Jeder Snowboarder und Skifahrer muss einmal im Leben in Whistler gewesen sein, hab ich irgendwo gelesen. Uns reicht einmal nicht, alle paar Jahre kehren wir zurück, dieses Jahr konnten wir einem Frühbucherangebot von Canusa einfach nicht widerstehen.

Vancouver
So fliegen wir also gespannt nach Vancouver (via Frankfurt). Lufthansa transportiert die Skiausrüstung gratis. Die Einreise in Kanada verläuft sehr freundlich, unkompliziert und vor allem ohne Warteschlange. Nach einer kurzen Taxifahrt sind wir am Mittag schon im Hotel The Burrard – und sind begeistert. Ein kleines Boutique Hotel, zentral, ruhig und im Innenhof stehen Palmen. Das erinnert eher an einen Karibikurlaub als an Skiferien. Nach dem langen Flug brauchen wir Bewegung und so erkunden wir die Stadt zu Fuss und trinken ein erstes Bier am Meer. Wir sind müde, beim Abendessen in der Spaghetti Factory fallen uns immer wieder die Augen zu. Früh liegen wir in unserem bequemen Hotelbett und träumen von den kommenden Abenteuer.

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Am nächsten Morgen sind wir voller Tatendrang. Wir gönnen uns ein amerikanisches Frühstück mit allem drum und dran, kaufen eine Tageskarte für den ÖV und schauen uns die Stadt an. Es steht Shopping auf dem Programm, am Mittag fahren wir mit dem Seabus nach North-Vancouver, essen in der Markthalle Sushi und Crepes und geniessen den Blick auf die Skyline. Allerdings regnet es immer wieder. Ist uns aber egal, Regen in Vancouver bedeutet Schnee in Whistler und dafür sind wir ja da.

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Whistler
Am dritten Tag soll es dann endlich in die Berge gehen. Allerdings geht irgendwie etwas schief mit dem Transfer, die vergessen uns abzuholen. Dabei hat das Hotel am Vorabend noch bei Whistler Connection angerufen um den genauen Treffpunkt abzuklären. Aber nach einem weiteren Telefon ist das Problem gelöst und eine Stunde später steht der Minibus vor der Tür. Die Fahrt nach Whistler verschlafe ich mehr oder weniger, aber bei dem Wetter verpasse ich auch nicht viel.

In der Crystal Lodge bekommen wir ein sehr schönes und ruhiges Zimmer. Hier erhalten wir auch unseren Skipass. Zum Glück ist dieser in unserem Package inbegriffen, eine Tageskarte kostet ca CHF 100. Das Zentrum von Whistler ist autofrei, gemütlich und alles ist nahe beieinander. Das Resort zählt ca 210 Shops, 140 Restaurants und Bars und bietet Platz für rund 35000 Gäste. Fast 20000 Betten sind weniger als 500 Meter von den Pisten entfernt. Ausser dem Village gibt es noch das kleinere Upper Village sowie die Creekside, auch diese beiden Ortsteile sind an die Skigebiete angebunden.

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Das Skigebiet besteht aus dem Whistler Mountain sowie dem Blackcomb Mountain, beide erreicht man mit einer Gondel vom Village und zudem sind sie seit ein paar Jahren mit der beeindruckenden Peak2Peak Gondola verbunden, diese schwebt über mehr als vier Kilometer Länge über den Fitzsimmons Creek. Die Fahrt ist ein Erlebnis für sich, zwei der Gondeln haben einen Glasboden.  Im ganzen Skigebiet gilt ein Rauchverbot.

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Whistler gilt als Mekka der Extremskifahrer und wir beobachten so einiges, auch viele Rettungsschlitten sind im Einsatz. Im Dorf sieht man immer viele Leute mit Krücken, Schienen und bandagierten Schultern. Die Rettung mit Helikopter scheint hier eher unüblich zu sein. Aber auch für normale Skifahrer wie uns bietet Whistler einige Herausforderungen. Einige der sagenhaften Bowls (natürlich unpräpariert und teilweise sehr steil) erreicht man nur mit einem kurzen Fussmarsch. Eindrücklich ist das Gelände, vor allem die Weite und die von Wächten überzogenen Grate beeindrucken uns. Es hat hier so unglaublich viel Platz. Beide Berge bieten auch zahlreiche Buckelpisten und Runs zwischen den Bäumen. Teilweise sind die Pisten als Doppel-Schwarz markiert. Dank dem weichen Schnee ist aber alles einfacher zu fahren als in Europa. Trotzdem geht das Tiefschnee fahren mit der Zeit in die Beine.

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Gut 110 Kilometer Pisten entfallen auf die Kategorie mittelschwer, ein Paradies. Die Pisten sind so breit dass oft nur ein Teil präpariert wird. So lässt sich wunderbar abwechseln zwischen Tiefschnee und Piste fahren. Natürlich gibt es auch einfache Pisten und Slow-Zonen. Diese Pisten sind eher voll, oft tummeln sich hier die Skischulen. Ebenfalls vertreten ist in Whistler natürlich die Freeride und Snowboard-Szene.

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Jeden Morgen konsultieren wir noch im Bett zuerst die Whistler-App und schauen wie viel Neuschnee liegt und ob es sich lohnt schon aufzustehen – es lohnt sich immer! In Whistler sind in dieser Saison schon über 12 Meter Schnee gefallen. Während unserem Aufenthalt (9 Skitage) fallen über 150 cm Neuschnee, einfach Wahnsinn. Die Nähe zum Pazifik bedingt wenig Sonnenschein und der Schnee ist nicht ganz so leicht wie in anderen Regionen – dafür ist Whistler sehr einfach erreichbar. Auf die Kosten kommen also weniger die „Schönwetter-Skifahrer“ sondern eher die „Allwetter-Skifahrer“, was auf uns zutrifft. Wir haben aber immer gute Sicht und praktisch jeden Tag drückt auch mal die Sonne durch.

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Das Skigebiet verfügt hauptsächlich über 4er Sessel und diese sind (mit einer Ausnahme) nicht mit Hauben ausgerüstet. Aus mir unerklärlichen Gründen schliessen die Nordamerikaner teilweise nicht einmal den Sicherheitsbügel. Toll ist der Service bei den Gondeln, hier stehen oben und unten „Lifties“ bereit um die Ski ein- und auszuladen. Auch der Skikeller im Hotel verfügt über einen Angestellten. Praktisch ist, dass die Skischuhe mit aufs Zimmer genommen und da an- und ausgezogen werden – das ist doch viel angenehmer als in einem muffigen Skikeller. Angeboten werden täglich auf beiden Bergen (gratis) Orientierungstouren mit den Mountain-Hosts. Trotz grossem Vorsatz haben wir leider nie teilgenommen, irgendwie hat es zeitlich nie gepasst. Natürlich lassen sich in Whistler auch alle erdenklichen Touren (Heli, Cat, Schneeschuh, Hundeschlitten usw) buchen. Wir haben uns auf Skifahren beschränkt. Interessant ist das Verhalten am Lift. Da gibt es kein Gedränge, niemand fährt einem über die Ski, da ordnet man sich im Reissverschluss-System ein. Es gibt Single-Lines und Skischulen haben Vortritt. Sniffle-Stations (zum Nase putzen) sind Standard.

Eines unserer Highlights (ausser den Tiefschnee-Gletscherabfahrten) ist „Peak to creek“. An einem Nachmittag erleben wir diese 11 km lange Abfahrt unpräpariert und mit ca 30 cm Neuschnee. Ich brauche anschliessend einen Energy-Drink, so anstrengend ist das! Viel Zeit verbringen wir am „7th heaven Lift“. Zwar erlebe ich hier einen Schockmoment als eine Windböe plötzlich alles in Nebel hüllt und ich mich für einen Moment völlig verloren fühle. Aber die unzähligen Abfahrtsmöglichkeiten im Tiefschnee sind schlicht unglaublich und lösen schon mal einen Jauchzer aus.

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Die Pistenverpflegung ist  wohl der einzige Minuspunkt bei einem Skiurlaub in Nordamerika. Unsere gemütlichen Skihütten mit Röschti, Kaffi-Schnaps und Liegestühlen auf der Sonnenterrasse vermisse ich schon etwas. Die kanadischen Bergrestaurants sind (mit ganz wenigen Ausnahmen) gesichtslose Kantinen und zur Mittagszeit unvorstellbar voll, laut und dreckig. Für einen Kaffestop eignen sie sich aber hervorragend. Zudem gibt es überall gratis Trinkwasser. Unser Favorit ist der Crystal Hut, mit den besten Waffeln der Welt und zudem ist dies eine wirklich schöne Hütte. Für das Mittagessen fahren wir immer hinunter ins Village und meistens essen wir im Longhorn Saloon. Auf der geheizten Terrasse finden wir immer einen Platz, das Essen ist gut, der Service rasch und freundlich und da ist immer was los. Der Saloon ist auch „the place to be“ für Après Ski oder einen Drink am Abend, oft auch mit Live Musik. Im Saloon lassen sich zudem auf unzähligen Bildschirmen sämtliche Sport-Events verfolgen.

In unserem Package ist ein „Fresh-Track-Ticket“ inbegriffen. Das bedeutet man besteigt um 7.15 Uhr die Gondel und bekommt in der Rendezvous Lodge ein Frühstück. Um 8.00 gibt die Ski Patrol in der Regel die Pisten frei und man hat so die Möglichkeit vor dem Ansturm die Pisten zu geniessen. Das einzige Problem ist, man kann keinen Platz reservieren, die ersten 650 Personen die bei der Gondel die Schranke passieren werden durchgelassen. So stehen also auch wir an einem Morgen um 6.45 in der Schlange und gehören zu den Glücklichen. Das Frühstück ist sehr lecker und das Erlebnis ist das frühe Aufstehen wert. An normalen Skitagen sind wir um 8.15 Uhr in der Gondel und fahren meistens bis ca 15.30 Uhr. Die Lifte schliessen zwischen 3 und 4 Uhr. Im Schnitt machen wir 15 Abfahrten mit 7500 Höhenmeter und legen 65 km zurück. An Tag 3 hören wir am Mittag auf, das Wetter ist schlecht und viele Lifte sind wegen dem starken Wind geschlossen. Wir regenerieren unsere Muskeln im Hotel-Jacuzzi (open air). An Tag 7 gönne ich mir dann nochmals einen freien Nachmittag. Wir schlafen früh, viel, tief und fest und hören nicht einmal den Feueralarm und den Einsatz der Feuerwehr – zum Glück ist es ein Fehlalarm.

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Unser Lieblingsgetränk ist das „Chestnut Ale“, ein Marroni-Bier. Das schmeckt sogar mir, obwohl ich sonst im Winter kaum Bier trinke. Am liebsten geniessen wir dieses im Beacon, in diesem Pub ist auch das Essen hervorragend und bietet eine erfreuliche Abwechslung zu Hamburger und Pommes. Gut gefällt uns das Brew House. Gerne sind wir für ein Steak im KEG und im Mongolie Grill erzählt uns ein Mitarbeiter dass er ein „girlfriend“ in Zug hat. Angenehm sind die Ladenöffnungszeiten. Shoppen geht bis 21.00 Uhr und der Supermarkt hat sogar bis 23.00 Uhr geöffnet.

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Vancouver

Nach neun fantastischen Skitagen geht es zurück nach Vancouver. Dieses Mal klappt der Transfer einwandfrei und der strahlend blaue Himmel lässt die Fahrt zum Erlebnis werden. Unser Chauffeur macht sogar zwei Foto-Stopps.

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Zum Abschluss verbringen wir nochmals eine Nacht im Burrard in Vancouver, dieses Mal bei schönstem Frühlingswetter. Wir nehmen zwei Hotel-Velos und fahren in den Stanley Park. Allerdings sind viele Asiaten unterwegs und wohl zum ersten Mal auf einem Fahrrad. Die sind unberechenbar, plötzliche Schwenker, unkontrollierte Bremsmanöver usw. Aber die Tour ist ein schöner Abschluss unserer Kanadareise.

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Unser Fazit zu einem Skiurlaub in Whistler:

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