Antigua
Prächtige Kolonialgebäude, gewaltige Klosterruinen und imposante Kirchenfassaden prägen das Stadtbild von Antigua (1530 m). Daneben bietet der Touristenort auch viele Sprachschulen, gemütliche Cafés und einladende Geschäfte, der ideale Einstieg also. Es ist auch etwas ein „Heimkommen“, ich entdecke viele Ähnlichkeiten zu Peru. Im Hotel treffe ich meine Kollegin die voraus gereist ist und ein paar Tage in Panama war. Unsere Posada ist ein Bijou mit einem wunderschönen grünen Innenhof, Dachterrasse und einem kleinen Museum. Die Temperaturen sind frühlingshaft, tagsüber schön warm und am Abend und in der Nacht empfindlich kühl.

Am ersten Tag lassen wir uns einfach treiben, bummeln durch die Gassen, besuchen Kirchen und Ruinen, essen Tacos und Tortillas. Wir trinken ein Bier in einem abgefahrenen Souvenirshop mit psychodelischer Live Musik und üben uns im Geld wechseln. Am Abend besuchen wir den Gottesdienst in der Kathedrale, ein Moment der Stille, Besinnung und Dankbarkeit für unser privilegiertes Leben.

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Für den nächsten Tag haben wir einen Ausflug gebucht zum 2552 m hohen Vulkan Pacaya. Das heisst 3,5 km bergauf wandern damit wir mit einem grandiosen Ausblick auf die Vulkankette Guatemalas belohnt werden. Wir spazieren über ein Lavafeld das erst vor elf Monaten durch eine Eruption entstanden ist und unser Guide röstet für uns Marshmellows auf den heissen Steinen. Es geht ein kühler Wind aber das Naturerlebnis ist wunderschön.

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Unterkunft: Posada de Don Rodrigo

Atitlán See
Für die Weiterfahrt haben wir einen Kollektivshuttle gebucht, das sind Mini Busse die einem vom Hotel in einer Stadt ins Hotel in einer anderen Stadt bringen – unser kommt mit 45 Minuten Verspätung. Die Fahrt nach Panajachel (1562 m) zieht sich, es hat viel Verkehr aber die Strassen sind gut und die Fahrt angenehm. Panajachel wird auch „Gringotenango“ genannt und ist dementsprechend touristisch und hat anscheinend auch ein Drogenproblem. Die Attraktion ist der See.

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Azurblau schimmernd und umrahmt von drei majestätischen Vulkanen, so wird der Atitlán See beschrieben. Bei unsere Ankunft ist es leider ziemlich bewölkt, trotzdem setzen wir uns ins Sunset Café und werden mit einer schönen Abendstimmung belohnt. Gemäss Menuekarte ist Happy Hour aber die Kellnerin schaut uns mit grossen Augen an als wir danach fragen und weiss von nichts. Vor lauter Schreck vergisst sie wohl auch den Rum in unserem Cuba Libre.

Am Sonntag fahren wir bei schönem Wetter nach Chichicastenango und besuchen den buntesten und wohl bekanntesten Markt des Hochlandes. Es herrscht ein geschäftiges Treiben aber alles läuft ruhig ab ohne grossen Lärm. Der Markt ist riesig und bietet alles was das Herz begehrt. In der Kirche Santo Tomás verschmelzen Kerzenrauch, katholischer Glauben und Maya Zeremonien zu einem einmaligen Synkretismus. Am Abend erfahren wir aus der Schweiz vom Ausbruch des Vulkans Fuego, hier haben wir absolut nichts mitbekommen. Ein Gewitter zieht am Abend über den See und wenigstens habe ich meine Regenjacke nicht vergeblich mitgenommen.

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Am nächsten Tag wollen wir das öffentliche Boot nach Santiago Atitlán nehmen, verhandeln dann aber mit einem privaten Boot. Wir fahren über den ganzen See auf die Südseite, wieder bei Sonnenschein. Santiago ist sehr traditionell, hier tragen auch viele Männer noch Trachten. Wir machen uns auf die Suche nach Maximón, dem komischen Heiligen, und werden in einem unscheinbaren Hinterhof fündig. In keinem Reiseführer gibt es eine Wegbeschreibung, der Maya Gott will gefunden werden und wechselt jedes Jahr seinen Standort. Gegen Bezahlung darf man Fotos machen und bewacht wird die Puppe von zwei grimmig blickenden Männern. In dem kleinen Raum steht auch noch ein Sarg, es ist eine ziemlich spezielle Atmosphäre.

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Unterkunft: Posada de Don Rodrigo, Panajachel

Quetzaltenango
Der Transfer nach Xela (Quetzaltenango) ist für 6.30 Uhr geplant. In aller Eile verschlingen wir unser Frühstück. Allerdings hätten wir uns nicht zu beeilen brauchen, der Shuttle kommt erst um 7.15 Uhr. Unterwegs müssen wir zweimal das Fahrzeug wechseln, aber alles ist super organisiert und kurz nach neun sind wir bereits am Ziel.

Xela ist die zweitgrösste Stadt, liegt auf 2333 m und versprüht einen eher spröden, konservativ-provinziellen Charme. Trotz wachsender Touristenzahlen ist hier alles noch etwas authentischer als in Antigua und Pana. Rund um den Parque Centroamérica stehen mächtige Gebäude aus grauem Lavastein die mit ihren Säulen an den europäischen Einfluss vergangener Zeiten erinnern. Wir spüren die Höhe und sind etwas schlapp.

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Am Nachmittag machen wir einen Ausflug zu den Fuentes Georgines, deren heisses Schwefelwasser der Flanke des Vulkans Zunil entspringt. Es ist fast etwas unheimlich und mystisch, die Quellen sind von dichtem Nebel umhüllt und dann beginnt es auch noch zu regnen. Aber das Bad ist herrlich.

Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Chickenbus (öffentlicher Bus) nach Zunil. Auf jedem freien Zentimeter Erde sieht man kleine, terrassierte Parzellen, auf denen Obst und Gemüse wachsen. Sehenswert ist der Friedhof oberhalb des Dorfes mit einer schönen Aussicht. Dann gibt es einen weiteren Maximón, eine Holzpuppe die raucht, Schnaps trinkt und verehrt wird. Hier heisst Maximón allerdings San Simón. Es ist etwas wie Foxtrail, man fragt an jeder Strassenecke nach dem Weg und irgendwann findet man ihn, bewacht von der Bruderschaft. Gegen Bezahlung darf man eintreten und für eine extra Gebühr auch ein Foto machen, in Zunil ist die Puppe gestylt wie Michael Jackson, eine ziemlich schräge Angelegenheit, aber irgendwie fasziniert uns das Ganze.

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Am späteren Nachmittag fahren wir zurück nach Antigua für eine weitere Übernachtung bevor es dann in den Norden geht.

Unterkunft: Pension Bonifaz

Aguateca
Heute geht es früh los, bereits um 4 Uhr werden wir in Antigua abgeholt und an den Flughafen in Guatemala Stadt gefahren. Mit einer guten Stunde Verspätung fliegt die kleine Propellermaschine nach Flores. Eine Sicherheitskontrolle gibt es nicht, ausser nach der Landung, da wird unser Handgepäck durchsucht.

Wir werden von Elder in Empfang genommen, er ist unser Guide für zwei Tage. Wir fahren mit dem Auto nach Sayaxché am Rio de le Pasión. Von hier geht es mit einem kleinen Boot den Petexbatun Fluss hinauf bis zur gleichnamigen Lagune. Unser Ziel ist Aguateca, eine Ruinenstätte auf einem Kalkplateau rund 80m über dem Lagunen Pegel. Der Rundgang ist eher eine anstrengende Wanderung, auf und ab mit einer 30m tiefen Schlucht die wir durchlaufen. Es ist ein fantastisches Naturerlebnis mit der reichen Pflanzenwelt und den brüllenden Affen. Unsere Lodge liegt mitten im Dschungel und es gibt keinen Strom. Es ist total friedlich und ich schlafe wunderbar in the middle of nowhere. Zu unserer Überraschung ist es etwas kühl im Dschungel, anscheinend zieht gerade eine Kaltfront über uns.

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Am Morgen bleibt noch Zeit um die Gegend um die Lodge zu erkunden, nach Affen Ausschau zu halten und uns von den Moskitos auffressen zu lassen. Nach dem Mittagessen bringt uns Elder zurück in die Zivilisation. Auf der Bootsfahrt sehen wir einige Krokodile, Schildkröten und Vögel.

Unterkunft: Chiminos Island Lodge

Flores (Tikal)
Endlich fühlt es sich wie Sommer an! Flores liegt auf einer kleinen Insel im Petén Itzá See. Sie misst nur wenige hundert Meter im Durchmesser, so dass wir alles gut zu Fuss erkunden können. Flores ähnelt mit seinen engen, gepflasterten Strassen und bunt bemalten Häusern einem südeuropäischen Dorf. An der Uferpromenade gibt es hübsche kleine Bars mit Happy Hour, Grill Restaurants und „Fressstände“ mit Tacos, Burritos, Tostadas und Kuchen in allen Variationen.

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Am Samstag besuchen wir Tikal. Die Mayastätte ist ein Erlebnis, hoch aufragende Tempel und andere Gebäude liegen in dichtem Regenwald versteckt. Rund 70% der Ruinenstätte sind immer noch vom Regenwald überwuchert. Wir sehen zudem Brüllaffen, Nasenbären und Truthäne. Die Anlage ist weitläufig und wir legen einige Kilometer zu Fuss zurück. Dazu kommen unzählige Treppenstufen um auf die Tempelpyramiden zu kraxeln. Zwei der Original Türstürze sind im Museum für Völkerkunde in Basel zu sehen. Schade dass anscheinend ein grosser Teil der Eintrittsgelder der Bürokratie und Korruption zum Opfer fällt und bereits diverse Tempel wegen dem Verfall für die Touristen gesperrt werden mussten. Aber trotzdem ist der Komplex mehr als sehenswert.

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Unterkunft: Hotel Santana

Livingston
Es heisst mal wieder früh aufstehen, der Bus soll um 5.45 Uhr abfahren. Um 6.15 geht es dann los, dieses Mal mit einem 1. Klasse Bus, es fühlt sich an wie in einem Eisschrank, zum Glück habe ich Faserpelz und Schal griffbereit. Nach knapp 4 Stunden erreichen wir Rio Dulce und genehmigen uns gleich mal ein Frühstück. Im Restaurant findet uns der Kapitän für die private Bootsfahrt auf dem Rio Dulce, es ist eine abwechslungsreiche Fahrt durch eine schöne Tropenlandschaft.

Da wo der Fluss ins Meer mündet liegt Livingston. Das Dorf ist anders als der Rest des Landes, eine Mischung aus Karibik und Afrika, nur mit dem Boot erreichbar. Reggae Klänge dringen durch die wenigen Strassen des Ortes. Alte Holzhäuser, an denen teilweise die Farbe abgeblättert ist, versprühen einen tropisch kolonialen Charme. Hier ist alles etwas gemütlicher, langsamer und gelassener – ein Stück Karibik in Guatemala.

Als ich am Morgen die Augen öffne blicke ich in einen roten Himmel und vom Balkon sehe ich einen traumhaften Sonnenaufgang, was für ein Start in den Tag. Im Hotel buchen wir einen Ausflug mit dem Boot an die Playa Blanca und geniessen ein paar Stunden nichts tun am Strand.

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Wir essen im Bunga Mama ein leckeres Thai Curry. Das Personal besteht aus jungen Kekchi Indigenas, die hier den praktischen Teil einer Tourismusausbildung absolvieren.

Unterkunft: Villa Caribe

Copán (Honduras)
Es ist fast beängstigend, das öffentliche Boot fährt pünktlich um neun und der Chauffeur in Puerto Barrios kommt sogar zu früh. Unterwegs besuchen wir die Ruinen von Quiriguá. Die steinernen Bildsäulen gehören zu den grössten der gesamten Maya Welt und sie sind umgeben von riesigen Bananen Plantagen. Interessant ist auch das kleine Jade Museum. Die Weiterfahrt nach Honduras kommt uns ewig lang vor, es ist heiss und hat unzählige Lastwagen auf der Strasse. Der Grenzübertritt ist schnell erledigt und um fünf Uhr erreichen wir endlich Copán. Unser Chauffeur muss nun die ganze Strecke wieder zurückfahren.

Das ehemalige Tabakdorf liegt 12 km von der Grenze entfernt und inzwischen dreht sich fast alles um den Tourismus. Dennoch hat sich Copán mit seinen gepflasterten Strassen und den roten Ziegeldächern seine beschauliche koloniale Atmosphäre bewahren können. Wir beschaffen uns erstmal Lempiras (Geld) und dann stürzen wir uns in die Happy Hour. Nach einer erfrischenden Dusche gehen wir ins Carnitas Nia Loloa, da werden Essen und Getränke auf dem Kopf zum Gast getragen. Schade sind die Kellnerinnen so völlig lustlos. Mein Spanischlehrer würde laut rufen „con motivación por favor“.

Die Ruinen von Copán beeindrucken durch eine Fülle von bildhauerischen Kostbarkeiten und sind sehr sehenswert. Zusätzlich begeistern uns die farbigen Papageien. Es bleibt auch Zeit für einen gemütlichen Bummel durch das Städtchen und natürlich probieren wir die lokalen Spezialitäten. Der Abstecher nach Honduras hat sich definitiv gelohnt.

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Mit dem Bus geht es zurück nach Guatemala City für eine letzte Übernachtung bevor wir Abschied nehmen und via Miami heim fliegen.

Unterkunft: Hotel Don Udos

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