Die Reise auf die Azoren beginnt mit einer Zwischenlandung in Lissabon. 5 Stunden Aufenthalt reichen für einen Abstecher in die Stadt und so vergeht die Zeit bis zum Weiterflug schnell.

azoren_2014_001.jpg

Furnas
Bei unserer Landung auf den Azoren ist es leider schon dunkel und wir sehen noch nichts von der Landschaft. Dafür ist das Hotel super schön und im Pub nebenan gibt es auch noch Bier und Pizza. Die Gruppe versteht sich auf Anhieb, eine bunte deutsch-schweizerische Mischung, einige kennen sich bereits von früheren Reisen.

Natürlich lässt auch das Frühstück im 4-Stern Hotel nichts zu wünschen übrig und gestärkt machen wir uns daran die Bikes zusammen zu bauen. Da gibt es leider eine böse Überraschung. Mein Bike hat einen Defekt (dabei kommt es direkt aus der Werkstatt!). Aber zum Glück hat der Veranstalter ein Ersatzvelo dabei. Die Insel São Miguel ist langgezogen und wie an einer Perlenschnur reiht sich ein Vulkan an den anderen. Die erste Etappe führt uns der Lagune Furnas entlang und von dort auf einem Trail hinunter ans Meer in ein abgelegenes Fischerdorf. Das Mittagessen ist ein erstes kulinarisches Highlight mit Fisch und allerlei Meeresgetier. Weiter geht es auf einem schmalen Küstentrail und dann auf einer Naturstrasse steil bergauf . Auf der letzten Abfahrt splittet sich irgendwie die Gruppe und einige finden das Hotel fast nicht mehr, das GPS meint immer nur „Kursabweichung“. Aber schlussendlich finden sich alle im Pub ein um den ersten Durst zu löschen.

Furnas ist ein Badeort mit stinkenden Schwefelquellen. Unser Hotel bietet einen riesigen Thermen-Badeteich in einem schönen Park. Für die müden Muskeln ist das warme Bad natürlich eine Wohltat, auch wenn die Badekleider anschliessend einen Gelbstich haben.

 Für die zweite Biketour bringt uns der Bus zum Startpunkt auf 800 Meter über Meer und dann pedalen wir weiter hinauf bis in die Nähe vom höchsten Punkt der Insel, dem Pico da Vara. Von da oben geht es auf einem Jeeptrail bis zur Nordküste und dann der Küstenstrasse entlang. Wunderschöne Landschaft und immer mal wieder versperren uns Kühe den Weg. Nach dem Mittagessen steht dann noch der Besuch der Teeplantage Terra Cha auf dem Programm. Auch heute lässt uns das Azorenhoch nicht im Stich, ein herrlicher Tag wenn auch wieder ziemlich anstrengend durch das stetige auf und ab. Beide Biketouren sind rund 40 Kilometer lang mit etwa 800 Höhenmeter.

Am Abend essen wir einen Eintopf. Verschiedenes Fleisch wird in einem Topf etwa 4 Stunden in der heissen Erde gegart. Interessant ist aber auch die typische Vorspeise, Blutwurst mit Ananas. Lecker auch immer das Brot mit Frischkäse. Inzwischen haben wir schon einige Weine und Liköre probiert und tagsüber ist die Maracuja-Limonade (Kima) sehr erfrischend. Ich falle abends todmüde ins Bett, das fehlende Training der letzten Monate rächt sich.

Azoren_2014_038Azoren_2014_012

Povoação
Der Inselosten ist wenig bekannt und abgelegen, doch wunderschön. Wir umrunden auf der kaum befahrenen alten Küstenstrasse das Massiv des Pico da Vara bis in den Ort Nordeste, dem nordöstlichsten Punkt der Insel. Nach einem Sandwich und einer Siesta auf dem Dorfplatz (ein lustiges Bild, auf jeder Bank schnarcht ein Biker) tauchen wir ein in einen „Märchenwald“ und überqueren einen Pass. Die Landschaft ist überwältigend und immer mal wieder wird angehalten zum fotografieren. Eine rassige Abfahrt bringt uns dann nach Povoação, wo wir die nächsten zwei Nächte in einem Hotel direkt am Meer verbringen. Das war eine lange aber sehr schöne Etappe mit ca 65 Kilometer und 1200 Höhenmeter.

azoren_2014_079-e1519203167885.jpg

Azoren_2014_043

Dann steht ein Ruhetag auf dem Programm. Einige können das biken aber natürlich nicht lassen (und kommen mit Brombeer-Dornen-Schrammen und nach Kuhdreck stinkenden Schuhen zurück), andere erkunden das Städtchen oder gehen wandern und ich geniesse den menschenleeren Strand und vertiefe mich in mein Buch.

Azoren_2014_056DSCN6102

Vila Franca
Wir lassen uns wieder ein Stück hochshuttlen und fahren dann durchs Hochland zum vergessenen Kratersee Congro. Dann bringt uns ein Aufstieg an die Flanke des Vulkans Fogo. Wir bestaunen die bezaubernde Aussicht und die Ziegen wundern sich wohl über die verrückten Biker.  Ein holpriger Downhilltrail führt uns in die Hafenstadt Vila Franca. Wie immer führt uns unser Guide direkt in die Kneipe, ein Magnum Glacé (ok, einige trinken lieber ein Bier) haben wir uns verdient. Auch hier wohnen wir direkt am Meer, was für ein Vergnügen nach 40 km und 800 Höhenmeter ins Meer zu hüpfen. Nach einem tollen Nachtessen im Fischrestaurant (der Thunfisch ist ein Gedicht und der grüne Wein mundet ausgezeichnet) besuchen einige die Fiesta im Dorf und andere bleiben in der Hafenbar beim Caipirinha hängen.

Azoren_2014_067Azoren_2014_069Azoren_2014_074

Capelas
Der Bus fährt uns hoch auf knapp 1000 Höhenmeter zur Lagune Fogo und nach einem kurzen Downhill erreichen wir schon die Thermalbäder Calderas Velhas. Wir geniessen ein warmes Bad in der hübschen kleinen Anlage und dann geht es weiter hinunter bis an die Nordküste. Heute mache auch ich nähere Bekanntschaft mit einem Brombeerstrauch – und muss einige Dornen aus den Händen entfernen. Nach dem Mittagessen werden wir so richtig verregnet, die Traumstrände haben so natürlich leider gar keinen Reiz (so ein Pech, einige haben sich sehr auf die knackigen Surfer-Boys gefreut). Aber bald haben wir die Regenfront hinter uns und in Capelas trinken wir schon wieder Kaffee am Meer bevor wir die letzte Rampe hoch ins Hotel in Angriff nehmen. Das war ein eher gemütlicher Tag mit 45 km und 600 Höhenmeter. Am Abend feiern wir einen Geburtstag und einen Hochzeitstag. Unser Guide hat eine Torte organisiert, nur leider fällt ihm das erst wieder ein als schon alle ein Dessert gegessen haben – Also abnehmen kann man in Bike-Adventure-Ferien definitiv nicht.

Auch am nächsten Tag werden wir auf 700 Meter hoch gefahren. Einige toben sich auf Singletrails aus und die anderen beginnen den Tag gemütlich bei einem wunderschönen Aussichtspunkt. Zuerst verdeckt noch Nebel die Sicht doch innerhalb von 5 Minuten ist der Blick frei auf die sagenhafte Landschaft. Auf der Abfahrt verpasse ich mit zwei anderen eine Abzweigung und so entgeht uns der wohl schönste Teil der heutigen Etappe, die Fahrt auf der Krete, hoch über der Laguna Azul. Wir landen auf der anderen Seite der Insel und – moderner Kommunikationsmittel sei Dank –  können wir das Begleitfahrzeug rufen und uns zurück zur Gruppe und zum Mittagessen fahren lassen. Am Nachmittag folgt dann wieder das übliche auf und ab und es kommen 45 km und 800 Höhenmeter zusammen. Seit heute bin ich auch mit meinem eigenen Velo unterwegs, für 20 Euro konnte der Defekt behoben werden. Zur Abwechslung fahren wir auch am Abend noch Rad, ins Restaurant zum essen. Wie immer sind die Portionen (zu) gross und das Essen hervorragend. Auf der kurzen Heimfahrt werden wir nochmals verregnet aber es ist zum Glück nicht weit. Die Herren schaffen es mit viel Charme die Kellnerin zu überreden die Hotelbar etwas später zu schliessen als geplant.

Azoren_2014_085Azoren_2014_087DSCN6178

Ponta Delgada
Der letzte Biketag beginnt gemütlich. Wir werden nochmals hochgefahren und sausen dann hinunter nach Sete Cidades, dem pittoresken Städtchen eingebettet im Krater. Wir schauen uns um, trinken Kaffee, machen Fotos, drehen eine gemütliche Runde um den See und schon ist Zeit für Mittagessen. Auch für ein Nickerchen auf der Wiese am See bleibt heute Zeit. Dann müssen wir wieder hoch zum Kraterrand, 350 Höhenmeter sind mit vollem Bauch zu bewältigen. Eine letzte Abfahrt bringt uns nach Ferraria, einem kleinen Seebad am schwarzen Vulkanstrand. Mit einem Bad im warmen Wasser schliessen wir die Biketour ab (jetzt wo ich langsam fit werde) und der Bus fährt uns in die Hauptstadt, wir wohnen im besten Hotel der Stadt. Den Abend verbringen wir in einem tollen Restaurant am Hafen, Sushi zur Vorspeise und Spaghetti als Hauptgericht ist mal eine etwas andere Kombination. Hier gibt es auch so etwas wie Nachtleben und unser Guide weiss natürlich wo es die besten Caipis gibt.

Azoren_2014_092Azoren_2014_101Azoren_2014_109

Am Samstag machen wir mal normales Touristenprogramm, Stadtführung am Morgen und Whale Watching am Nachmittag. Ein Wal lässt sich zwar nicht blicken aber dafür tummeln sich viele Delfine im Meer. Natürlich müssen auch noch die Bikes verpackt werden und dann lassen wir den Abend ausklingen mit einem super leckeren Steak und ein paar Drinks. Am Sonntag Morgen heisst es dann Abschied nehmen von Portugal und via Lissabon fliegen wir zurück nach Zürich.

Azoren_2014_121

Das war eine weitere tolle Bike Adventure Reise und das Azorenhoch hat uns nicht im Stich gelassen.