Bienvenidos en Colombia mi amor! Was für eine Begrüssung von einem wildfremden Taxifahrer an der Grenze in Kolumbien. Nach Peru und Ecuador das dritte Land auf meiner Südamerika Reise und irgendwie die grosse Unbekannte – ich weiss nicht so recht auf was ich  mich da einlasse. Gewöhnen muss ich mich an die Währung, der kolumbianische Peso hat ganz schön viele Nullen.

Ipiales
Die erste Stadt nach der Grenze (aus Ecuador kommend) ist Ipiales und die einzige Sehenswürdigkeit da ist die Kirche „Las Lajas“ etwas ausserhalb. Das Gebäude wurde auf einer Brücke über einer Schlucht errichtet. Pilger aus dem ganzen Land kommen hierher und glauben fest an die Wunder, die die Jungfrau vollbringen soll. Definitiv sehenswert.

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Popayán
Die Busfahrt vom kühlen Ipiales (2900 M) ins warme Popayán (1769 M) ist sehr schön aber lang (angekündigt sind 7 Stunden, mein Bus braucht 9), kurvenreich mit viel Verkehr und Baustellen. Das Hostel bietet einen besonderen Service, man darf sich den Hund ausleihen als Beschützer für Wanderungen, davon mache ich jedoch nicht Gebrauch.

Ich nehme mir einen Tag Zeit um die Stadt anzuschauen und das lohnt sich. Schon auf den ersten Blick bin ich begeistert von den schneeweissen Kolonialhäuser, alten Villen und der grossen Plaza. Es macht Spass durch die Gassen zu laufen, auf Hügel zu klettern um die Aussicht zu geniessen, auf den verschiedenen Plätzen zu sitzen und Leute zu beobachten, Kaffee und frisch gepresste Limonade zu trinken, Empenadas mit Erdnusssauce zu probieren, Kirchen und Museen anzuschauen und mit einem Lama zu knutschen. Die Kolumbianer sind freundlich und zudem hilfsbereit. Ich werde zwar angequatscht, aber bisher wollen alle nur plaudern (nicht gleich heiraten) und verabschieden sich nach fünf Minuten Small Talk höflich.

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Cali
Mit einem Minibus fahre ich in knapp drei Stunden nach Cali. Die Stadt ist nicht schön aber bekannt als Salsa City und da lässt sich schon ein Wochenende verbringen. Mein Hostel liegt im Barrio San Antonio und dieser Stadtteil entpuppt sich als sehr hübsch und ruhig. Kolonialhäuser, kleine Shops und viele Cafés säumen die Gassen. Es gibt einen Pool mit bequemen Liegestühlen und Hängematten im Schatten zudem gratis Salsastunden und am Samstag eine Party die auch viele „locals“ anlockt. Hier treffe ich einen Türken mit einer faszinierenden Lebensgeschichte und weiss noch nicht dass sich unsere Wege nochmals kreuzen werden.

Ich brauche Geld aber das ist gar nicht so einfach, entweder spucken die Automaten nichts aus oder sind am Sonntag abgesperrt – dafür komme ich mit einem Polizisten ins Gespräch und er gibt mir gleich seine Telefonnummer. Am Abend scheint sich ganz San Antonio im Park auf dem Hügel zu versammeln. Die Leute lassen Drachen steigen, es hat Strassenkünstler, man kann alles mögliche kaufen und die Kinder rutschen in Bierharassen eine Strasse runter.

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Salento (zona cafetera)
Dieser Ort ist Balsam für die Seele. Eine spektakuläre Landschaft und warmherziges Kleinstadtflair, da muss man sich einfach wohl fühlen.  Das Hostel ist klasse, am Abend zeigt der Besitzer spontan wie Patacones hergestellt werden (Chips aus Kochbananen und hier eine übliche Beilage zum essen oder auch ein Snack) und ich finde rasch Anschluss.

Pflichtprogramm ist das Valle de Cocora, eine vegetativ üppigere Version der Schweiz und ein Paradies zum wandern. Man trifft auf Hügel die mit palmas de cera (Wachspalmen) bewachsen sind. Die Bäume ragen 60 Meter hoch und damit über die Nebelwälder hinaus, der Anblick ist wunderschön. Die 5-stündige Wanderung führt über einige abenteuerliche Hängebrücken zum Reserva Natural Acaime, ein Kolibrireservat. Im Eintritt enthalten ist ein Stück Käse und ein Aguapanela, eine Art heisses Zuckerwasser. Nach einem steilen Aufstieg erreicht man eine Finca auf 2860 Meter und es fühlt sich an wie in einer Alphütte in der Schweiz. Auf dem Rückweg hat man die wunderbaren Palmen immer im Blickfeld.

Das Hostal vermietet Mountain Bikes und damit mache ich mich am nächsten Tag auf den Weg zu Don Elias und seiner Kaffeplantage, auch das ein toller Ausflug.

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Medellín
Der Freund eines Freundes kennt jemanden der jemanden kennt oder so ähnlich kommt die Einladung in Medellin zustande. Ich verbringe das Wochenende bei einem kolumbianischen Ehepaar und ihren zwei Katzen. Am Sonntag machen wir einen tollen Ausflug nach Guatapé und zu El Peñol, einem gigantischern Granitmonolith auf den rund 700 Treppenstufen führen. Wir besuchen auch die reizende Mutter meines Gastgebers. Unglaublich schön diese Gastfreundschaft.

In Medellin komme ich erstmals in Kontakt mit Botero und bin begeistert von seinen Skulpturen.

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San Andrés
Beach time! Ich gönne mir einen Flug nach San Andrés, einer Insel im karibischen Meer. Diese gehört zu Kolumbien liegt aber 800 km nordwestlich vor der Küste Nicaraguas. Leider hat der Anschlussflug in Bogota ziemlich Verspätung und ich lande erst um Mitternacht in San Andrés. Da stellt sich dann heraus das ich in Bogota eine Touristenkarte hätte kaufen sollen – nur habe ich das irgendwie nicht mitbekommen. Natürlich kann man die Karte auch vor Ort kaufen – aber das dauert seine Zeit. Ich komme als Letzte aus dem Flughafen und da steht noch genau ein Taxi – logisch zockt der mich ab, ich habe ja keine Wahl und will auch einfach nur noch ein Bett. Ich mutiere zur Hardcore Backpackerin und übernachte in einem 8-Bettzimmer. Aber für CHF 15 mit Frühstück und Blick aufs Meer kann man schon mal auf Privatsphäre verzichten und als ich da ankomme mitten in der Nacht steht sogar ein Israeli auf und bezieht mein Bett.

San Andrés ist Reggae, Rum, Sonne und Sand. Ein „Muss“ ist der Ausflug in den Johnny Cay Park (Insel) und das ist absolut paradiesisch, genau so hab ich mir die Karibik vorgestellt. Ich treffe eine nette Deutsche und wir verabreden uns am nächsten Tag zu einer Velotour. Zwar hat die Insel nur eine Fläche von 26 km2 aber wir brauchen den ganzen Tag um diese zu umrunden. Immer wieder halten wir an zum baden, fotografieren, essen und trinken, mit Rastafaris zu plaudern und die Aussicht zu geniessen. Leider trennen sich am Abend unsere Wege – nicht ahnend das wir bald wieder zusammen unterwegs sein werden.

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Santa Marta
Auf meinem Flug von San Andrés nach Santa Marta hab ich in Bogota genau 30 Minuten Zeit zum umsteigen. Ich lege einen Sprint hin durchs Terminal und die Sicherheitskontrolle um dann wieder ins gleiche Flugzeug zu steigen und von der gleichen Crew begrüsst zu werden. Anscheinend dreht auch mein Gepäck eine Runde durch den Flughafen, schafft es aber im Gegensatz zu mir nicht pünktlich zurück in den Flieger. Hab ich irgendwie befürchtet, Pyjama und Zahnbürste sind im Handgepäck. Avianca bringt den Rucksack am nächsten Morgen ins Hostel, toller Service.

Ich mache einen Ausflug an die Bahía Concha, ein wunderschöner Strand umgeben von grünen Hügeln. Man kann da nicht viel mehr machen als an der Sonne liegen, im warmen glasklaren Wasser plantschen und am Mittag frischen Fisch essen – aber ja, es gibt Schlimmeres. Auf der Rückfahrt ins Hostel sind die Sitze in unserem Minivan mit Plastik abgedeckt, wahrscheinlich hat der Fahrer Angst das seine Passagiere klatschnass direkt vom Meer ins Auto steigen. Bei der Hitze ist es nicht gerade angenehm auf Plastik zu sitzen.

Dann folgt der Ausflug in den Tayrona Nationalpark der sich in einer fast übernatürlich schönen Gegend befindet. Seine palmengesäumten Strände sind mit Felsblöcken übersät. Allerdings gibt es hier hinterhältige Strömungen, baden ist nicht überall erlaubt. Vom Parkeingang in El Zaíno geht es zu Fuss durch den Dschungel. Man kann im Park übernachten und ich entscheide mich für die Variante Hängematte. Am Abend zieht ein heftiges Gewitter über den Strand und bald ist alles unter Wasser, dreckig und die Hängematte feucht. Nicht wirklich gemütlich, zudem sind die Hängematten sehr nahe beieinander, man berührt praktisch den Nachbar – aber ein Erlebnis ist es allemal. Am zweiten Tag wandere ich durch den Dschungel hoch nach Pueblito und weiter zum Parkausgang in Calabazo. Es ist anstrengend, heiss und ich komme ziemlich erschöpft zurück nach Santa Marta. Gut habe ich mir dieses Mal ein Einzelzimmer sichern können, ich schlafe 12 Stunden durch.

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Cartagena
Ein Minivan holt mich im Hostal in Santa Marta ab und knapp vier Stunden später werde ich im Hotel in Cartagena ausgeladen – ganz schön komfortabel. Cartagena ist super schön, besonders die Altstadt mit den gepflasterten Gässchen, den alten Mauern, den mit Blumen übersäten Balkonen, den mächtigen Kirchen und grünen Plazas.

Aber die Hitze lähmt mich, ich bin lustlos, ein Treffen mit einer Kollegin aus dem Spanischkurs fällt ins Wasser, ich kann mich nicht entscheiden wie es weitergeht und vielleicht bin ich auch etwas reise müde. Ich klage mein Leid per WhatsApp meiner deutschen Bekanntschaft aus San Andrés und ihr geht es gerade ähnlich, Strassenblockaden werfen ihre Pläne über den Haufen. Wir beschliessen uns in Bogota zu treffen uns sie organisiert unser nächstes Abenteuer.

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Caño cristales
Vom Busterminal in Bogotá fahren wir 4 Stunden bis nach Villavicencio. Die Stadt ist lebhaft, irgendwie anders und wir fressen uns durch das ganze Angebot der Strassenstände. Um den gebuchten Trip zu bezahlen brauchen wir beide je eine Million in Bargeld, wir plündern sämtliche Bancomaten.

Am nächsten Morgen müssen wir um 6.30 Uhr am Flughafen sein – um 11.30 sind wir immer noch da, heftiger Regen! Irgendwann am Nachmittag kommt die Starterlaubnis und nach knapp einer Stunde landen wir in Macarena. Da nimmt uns Uber, unser Guide in Empfang. Der caño cristales gehört zum Parque Nacional Natural Sierra de la Macarena und wird auch Fluss der fünf Farben genannt. Zwischen Juli und November ist der Wasserstand so, dass die farbigen Algenteppiche unter der Waseroberfläche ein faszinierendes Farbenspiel verursachen. Die Gegend ist noch ziemlich unberührt, nicht viele Touristen kommen hier hin. Die Landschaft ist überwältigend, einfach unglaublich schön.

Am Abend braucht Camila unsere Hilfe mit der Übersetzung eines Werbetextes und dann landen wir in der kleinen Disco, tanzen bis Mitternacht und es wird ein feuchtfröhlicher Abend. Beim Frühstück am nächsten Morgen um sechs Uhr sehen wir beide nicht wirklich frisch aus! Wir wandern den ganzen Tag dem Fluss entlang und bald finden wir keine Worte mehr um zu beschreiben wie schön die Landschaft hier ist. Es gibt auch immer wieder Gelegenheit zum baden und am Mittag packt Uber aus seinem Rucksack ein komplettes Menü aus, eingewickelt in ein Bananenblatt.

Unser Rückflug am nächsten Tag ist für 10 Uhr angesagt, wird dann auf 13.00 verschoben und schlussendlich fliegen wir um 14.00 Uhr. Dieses Mal müssen wir aber nicht am Flughafen warten, wir können uns im Dorf herumtreiben und bekommen noch ein Mittagessen. So plaudern wir mit einem Polizisten und trinken Kaffee mit dem Chef der Feuerwehr. Zurück in Villavicencio nehmen wir gleich den Bus nach Bogotá. Dieser hat dann noch eine Panne, zum Glück sind wir aber schon in der Stadt und können das letzte Stück mit dem Taxi fahren.

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Bogotá 
In die Hauptstadt wollte ich eigentlich gar nicht und schlussendlich bin ich gleich zweimal hier – vor und nach dem Trip in den caño cristales. Beide Male treffe ich im Hostel den Türken aus Cali an.  Er ist krank und auch seine  Reisepläne sind durch die Strassenblockaden beeinträchtigt. Wir machen einen Spaziergang durch den Stadtteil Candelaria, essen Empanadas und chillen am Abend zusammen mit der Katze auf dem gemütlichen Hostelsofa. Ich bin auf 2600 Meter und am Abend kommen wieder die wärmeren Kleider zum Einsatz.

Bogotá ist keine schöne Stadt, aber irgendwie faszinierend, voller Leben und voller Graffiti. Die Citytour absolviere ich dieses Mal mit dem Velo und das macht Spass. Viele Sachen wären mir ohne Guide gar nie aufgefallen wie zum Beispiel dass die Anhäufung gut gekleideter Herren in einer Strasse der Smaragdhandel ist. Toll das Botero Museum dessen Sammlung auch Werke anderer namhafter Künstler umfasst und zudem gratis ist.

Beeindruckend der Ausflug nach Zipaquirá zu der unterirdischen Salzkathedrale. Diese entstand in einer alten Salzmine und im Innern haben 8400 Menschen Platz.

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Nach fünf Wochen nehme ich Abschied von Kolumbien. In Erinnerung bleiben mir vor allem die Traumstrände, die schönen Städte und die freundlichen Menschen.

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