Ecuador ist das zweite Land auf meiner Südamerika Reise. Nach sechs Wochen alleine Reisen freue ich mich in Quito auf den Ankunft einer Freundin, sie begleitet mich drei Wochen.

Quito
Ecuadors Hauptstadt liegt auf 2850 Meter und gilt als Stadt des ewigen Frühlings, mit rund 20 Grad sind die Temperaturen sehr angenehm. Ich bin bereits eine Woche vor der Ankunft meiner Reisebegleitung in der Stadt und geniesse es, mal ein paar Tage am gleichen Ort zu bleiben. Im casa Helbling fühle ich mich wohl und finde immer nette Begleitung für Ausflüge.

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Toll ist eine Wanderung auf den Pichincha (4680 Meter). Zuerst fahren wir mit dem TelefériQo zum Cruz Loma auf 4100 Meter. Die Aussicht auf Quito ist gigantisch. Von da geht es zu Fuss weiter, leider wird es neblig, der Wanderweg ist kaum beschildert und teilweise müssen wir auch etwas kraxeln. Aber es macht Spass und irgendwann sind wir oben, glauben wir wenigstens, die Sicht ist gleich null.

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Ein weiterer Ausflug geht nach Mitad del Mundo zum Äquatordenkmal. Allerdings beruht das Monument anscheinend auf einem Fehler, der echte Äquator befindet sich 240 Meter nördlich, kann aber auch besucht werden.

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Weiter buche ich eine Biketour mit „Biking Dutchman„. Zuerst gibt es einen Schlammschlacht-Downhill. Wir starten auf 4100 Meter und nach den 16 km sind wir von oben bis unten mit Dreck bespritzt, haben aber einen Riesenspass. Anschliessend ist der Besuch der Termas de Papallacta genau das Richtige.

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Liana Lodge
Nun sind wir zu zweit unterwegs und nach einer Übernachtung in Tena fahren wir mit dem Bus weiter bis Puerto Barantillo und von da bringt uns ein Kanu in die Liana Lodge. Diese befindet sich auf dem Gelände von SelvaViva, einem Regenwaldschutzprojekt. Angeschlossen ist auch das AmaZOOnico (eine Tierauffangstation, eindrücklich was hier für Arbeit geleistet wird) und eine Schule. Das Ganze wurde von einer Schweizerin aufgebaut die leider vor einiger Zeit tödlich verunfallt ist.

Zwei Tage verbringen wir im Dschungel und lassen uns Flora und Fauna erklären. Es ist auch schön an der gemütlichen Bar zu sitzen und die Affen zu beobachten oder in der Hängematte liegend ein Buch zu lesen oder im Fluss zu schwimmen. In der ersten Nacht hält uns ein unglaubliches Gewitter wach, so etwas habe ich noch selten erlebt. Sehr verwöhnt werden wir kulinarisch, endlich mal wieder Gemüse. Unvergesslich die Nachtessen im Kerzenschein und auch duschen mit Kerzenlicht ist mal was anderes. Mühsam sind einzig die Moskitos – aber die gehören wohl einfach dazu.

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Baños
Die Thermalbäder sind ein Erlebnis der besonderen Art. Wir trauen unseren Augen kaum, schon vor der Kasse bildet sich eine Schlange, in den Umkleidekabinen ein einziges Chaos und vor lauter Leuten sieht man das Wasser kaum. Relativ schnell ergreifen wir die Flucht, amüsieren uns aber köstlich.

Baños ist landschaftlich wunderschön, umgeben von grünen Hügeln und am Fusse des aktiven Vulkans Tungurahua. Irgendwie fühlt man sich hier gleich wohl. Das in unserer Unterkunft kein Frühstück inbegriffen ist erweist sich als Glücksfall, so entdecken wir das Rico Pan. In diesem Cafė gibt es super leckeres Frühstück mit super netter Bedienung.

Wir nehmen uns Zeit um die gemütlichen Cafés zu besuchen, durch die Markthalle zu schlendern, die knusprigen Meerschweinchen auf dem Grill zu bewundern, mit einem Zuckerrohrverkäufer zu flirten, Souvenirläden abzuklappern, die Basilika anzuschauen, die für Baños typischen Süssigkeiten zu probieren und einen Ponche Suizo zu schlürfen (keine Ahnung was das ist – aber es schmeckt).

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Riobamba
Nun sind wir auf einer Höhe von 2750 Meter und umgeben von hohen Bergen. Wir buchen eine Fahrradtour. Zuerst geht es mit dem Auto auf 4800 Meter zu der ersten Chimborazo Schutzhütte. Von da erklimmen wir noch 200 Höhenmeter zu Fuss zum Refugio Edward Whymper – es schneit (Whymper war Erstbesteiger vom Chimborazo und auch vom Matterhorn). Es ist ein tolles Gefühl auf 5000 Meter zu sein. Nach einem Coca Tee geht es zurück zur ersten Hütte und nach einem leckeren Lunch startet die Biketour runter auf 2600 Meter auf einer kaum befahrenen Strasse durch abgelegene Indianerdörfer weit weg von den Touristenpfaden. Eine unglaubliche Landschaft mit grünen Tälern, gigantischen Felsformationen und kleinen Wasserfällen. Immerhin legen wir 54 km auf dem Bike zurück!

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Cuenca
Es ist keine Liebe auf den ersten Blick aber zum Glück ist in der Eucalyptus Bar Ladies Night – nach zwei Gratis Cuba libre sind wir ziemlich happy.

Auf den zweiten Blick funkt es dann doch noch. Für 5$ machen wir eine super schöne Stadtrundfahrt im Bus panoramico mit live Kommentar, blauem Himmel und es gibt einen Canelazo (heißes Getränk mit Zimttee und Schnaps). Cuenca liegt auf 2530 m Höhe und hat viele Relikte aus der Kolonialzeit, unheimlich viele Kirchen, Museen und Cafés. Wir lernen das der Panama Hut tatsächlich aus Ecuador kommt und besuchen das Prohibido Museum, sehr skurril.

Wir buchen einen Tagesausflug in die umliegenden Dörfer San Bartolomé, Chordeleg und Gualaceo und bekommen Einblick in restaurierte Adobehäuser, sehen wie Gitarren, Schmuck und Schals hergestellt werden, probieren Spanferkel un trinken einen Tee aus 16 Heilkräuter. Zudem schlendern wir über verschiedene Märkte und Dorfplätze und alles mit interessanten Erklärungen von Guide Patricia.

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Galapagos
Von Guayaquil fliegen wir 1,5 Stunden nach Baltra und somit nach Galapagos. Zuerst einmal dürfen wir 100 $ Nationalparkgebühr abliefern und bekommen einen Stempel in den Pass.

Schon nach ein paar Stunden ist die Kreuzfahrt auf der Aida Maria jeden Franken wert. Bereits beim ersten Landgang sehen wir Leguane, Flamingos, Krebse, Pelikane und weitere Vögel. Die Tiere lassen sich aus nächster Nähe beobachten, sie sind an Besucher gewöhnt. Unser Guide Felipe achtet aber darauf dass wir genügend Distanz und Respekt haben. Auch die Landschaft ist ein Traum, wunderschöne Buchten, Strände, Kakteen. Es bleibt Zeit zum baden und schnorcheln. An einem Abend bleibt uns fast die Spucke weg, Pelikane lassen sich auf der Reling nieder und Seelöwen und Haie umkreisen unser Schiff – dazu ein unglaublicher Sternenhimmel.

Es ist absolut unglaublich, auf Galapagos muss man aufpassen nicht versehentlich über ein Tier zu stolpern und auf jeder Insel gibt es wieder Neues zu bestaunen. Die zweite Nacht ist ungemütlich, es schaukelt heftig und ich schaff es weder mich auszuziehen noch die Zähne zu putzen, ich kann mich nur noch hinlegen und schlafen. Ansonsten ist das Leben an Bord ganz angenehm, es gibt ständig was zum Essen und wir schlafen viel (was vielleicht an unserem Tablettenkonsum wegen der Übelkeit liegt). Unsere Kabine misst etwa 2×2 Meter, hat aber alles was man braucht. In unsere Gruppe hat es drei Jungs im schulpflichtigen Alter und es ist erstaunlich wie interessiert alle drei sind.  Überhaupt haben wir es gut getroffen mit unseren Reisegefährten.  Galapagos ist definitiv ein Paradies!

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Guayaquil
Nach der engen Kabine auf dem Schiff schätzen wir das grosse Hotelzimmer. Wirklich schön sind der 2,5 km lange Malecón (Uferpromenade am Rio Guayas) sowie der Cerro de Santa Ana, ein Hügel mit 444 Treppenstufen, farbigen Häuser, einem Leuchtturm und schöner Aussicht. Einen Besuch wert sind auch der Parque Seminario mit den vielen Leguanen sowie „Las Pinturas“ (an einer Hausfassade hängende grosse Replikas von zeitgenössischen ecuadorianischen Malern). Die restliche Stadt ist abgesehen von einigen Kolonialbauten eher hässlich, laut und stinkig.

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Olón
Nun bin ich wieder alleine unterwegs. Olón ist ein nettes verschlafenes Kaff, es ist Samstagabend und absolut nichts los. In einem einfachen Restaurant bekomme ich für 5 Dollar immerhin ein super Nachtessen. Am Sonntag fahre ich nach Montañita, das Eldorado der Surfer und Hippies. An einem Sonntagmorgen wirkt der Ort jedoch ziemlich trostlos und verkatert, überall liegen Abfallberge und es riecht nach Hasch und Räucherstäbchen. Ich kann mir aber vorstellen dass Montañita unter der Woche und mit Sonnenschein durchaus seinen Reiz hat.

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Puerto Lopez
Auf den ersten Blick ein hässlicher Ort. Sobald man aber am Strand steht und die farbigen Fischerboote sieht ist alles gut.

Die Wäscherei ist mal wieder ein Erlebnis. Da nimmt ein rüstiger Senior meinen Wäschesack entgegen, kippt den Inhalt auf die Theke und wühlt in meiner schmutzigen Unterwäsche – irgendwie etwas peinlich. Der Laden wirbt mit einem 3 Stunden Service und tatsächlich ist meine Wäsche pünktlich fertig – nur leider bekomme ich völlig fremde Kleider in die Hand gedrückt. Irgendwo in einem Korb suche ich dann meine Wäsche selber zusammen.

Puerto Lopez hat seinen touristischen Aufschwung nicht zuletzt wegen des nahe liegenden Machalilla Nationalparks erlebt. Bisher zahlte man $20.- Eintritt, nun hat aber anscheinend die Regierung kürzlich beschlossen keine Eintrittsgelder mehr zu verlangen – nicht immer wird alles teurer! Teil des Parks ist die Isla de la Plata, diese wird wegen der ähnlichen Tierwelt auch „Galapagos für Arme“genannt. Mein Hostal hat ein eigenes Boot und bietet Ausflüge auf die Insel an. So werde ich am Morgen mit dem Motorrad abgeholt und zum Hafen gefahren. Die Strecke hätte ich auch locker zu Fuss machen können doch Abholen gehört nun mal zum Service. Zurzeit ist auch noch Saison der Buckel Wale und die ziehen eine Show ab. Auf der Insel sehen wir Wasserschildkröten, Seelöwen, Blaufuss Tölpel und viele andere Vögel. Ich treffe eine Engländerin und wir essen am Abend zusammen Ceviche.

Am nächsten Tag ergibt sich – wie so oft – alles irgendwie von selbst. Ich will in den Nationalpark an die schönen Strände (Los Frailes) und ins Hinterland nach Agua Blanca wo man in einem Vulkan-Kratersee mit schwefelhaltigem Wasser ein Schlammbad nehmen kann. Zufällig treffe ich auf der Strasse die Engländerin von gestern und sie hat genau eine solche Tour gebucht und wartet auf den Guide. Ich kann mich einfach anschliessen und ein Mototaxi bringt uns an die gewünschten Orte. Der Fahrer muss zwar zwischendurch sein Gefährt flicken und will uns immer mehr Geld abknöpfen aber alles in allem ein toller Tag.

Puerto Lopez ist grossartig, es hat irgendwie seine Ursprünglichkeit bewahrt. Selbst am Malecón finden sich neben Restaurants, Shops, Touranbieter und Hostals noch ganz normale Wohnhäuser wo die Leute auch mal draussen sitzen, Karten spielen und einem ein freundliches Lächeln und ein Buenos dias schenken. Überhaupt sind die Leute an der Küste lockerer und es gibt nun vermehrt wieder Küsschen hier und Küsschen da.

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Canoa
Hier ist es richtig nett, noch nicht überlaufen, ein paar Fischer, Surfer, viele ecuadorianische Familien, Hippies und Rastas die Schmuck verkaufen und Gitarre spielen, Srassen aus Sand. Canoa zwingt mich zum Nichts tun, alle Aktivitäten die mich interessieren sind gerade nicht verfügbar. Dann halt Hängematte, Buch und Strand – sozusagen Ferien von den Ferien.

Am zweiten Tag taucht plötzlich mein Zimmernachbar aus dem letzten Hostal auf, ein netter Brasilianer. Von da an laufen wir uns immer wieder über den Weg (was in Canoa auch gar nicht zu vermeiden ist), mal trinken wir ein Bier zusammen, mal essen wir Bananenbrot, manchmal sitzen wir auch einfach irgendwo, beobachten die Leute und lachen viel. Wieder einmal verbringe ich Zeit mit einem interessanten Menschen den ich  nie wiedersehen werde und von dem ich nicht einmal den Namen weiss.

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Otavalo
Nach den faulen Tagen am Strand bin ich bereit für ein nächstes Bus Abenteuer. Ich will nach Otavalo (nördlich von Quito) bin aber nicht sicher ob das in einem Tag zu schaffen ist. Zwölf Stunden später, im vierten Bus, wird mir klar dass wir soeben an Otavalo vorbeigefahren sind. Egal, fahr ich halt weiter bis Ibarra. Ziemlich erschöpft schleppe ich mich noch kurz in den Fast Food Schuppen um die Ecke und dann ab ins Bett.

Die Ciudad Blanca (so genannt wegen der weissgetünchten kleinen Häuschen) liegt auf 2200 Meter und ist mit den Parkanlagen und kolonialen Gebäuden wirklich schön. Morgens um zehn beim Frühstück kommt ein Musiker ins Café, spielt Gitarre und singt herzzerreissende Lieder. Was für ein Start in den Tag.

Im zweiten Anlauf schaffe ich es nach Otavalo. Berühmt ist der grosse Samstagsmarkt der jede Woche viele tausend Touristen anlockt. Unter der Woche ist der Markt kleiner und ruhiger. Schön anzusehen sind die Otavaleños in ihrer traditionellen Kleidung. Am Abend esse ich mit einem Hippie aus California Pizza, allerdings finden wir kaum Gesprächsstoff.

Die Gegend um Otavalo ist wunderschön zum wandern. Ich laufe hoch zum Parque Cóndor, einer Auffangstation für Greifvögel, und komme gerade pünktlich zur Flugshow. Wen trifft man beim wandern? Natürlich Schweizer. Die beiden Herren habe ich vor ein paar Tagen schon mal an der Küste gesehen. Ich bin ganz froh um die Begleitung beim Rückweg, es gibt keine markierten Wege dafür aber viele Hunde. Am Abend essen wir zusammen auf dem Markt und trinken ein Glas Wein.

Die Wanderung zur Laguna Cuicocha mache ich organisiert, zusammen mit einem französischen Ehepaar und Guide Cristina. Der Kratersee kann auf dem Kraterrand in 4-5 Stunden umwandert werden, wir brauchen eher 5 Stunden, der Franzose ist Biologe und schaut jedes Pflänzchen ganz genau an. Der Ausblick auf die Lagune, die umliegenden Berge, Dörfer und Vulkane ist fantastisch. Ein wunderschöner Tag.

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Von Otovalo ist es nicht weit zurück nach Quito und da heisst es nach 45 Tagen Abschied nehmen von Ecuador.

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