Mensch bist du mutig, das höre ich immer wieder wenn ich von meinem Plan erzähle sechs Monate (meistens) alleine mit dem Rucksack durch Südamerika zu reisen. Mut braucht es eigentlich nicht, aber etwas nervös bin ich natürlich schon. Ob meine Sprachkenntnissee ausreichen? Ob ich mit meinen Ü40 Anschluss finde an andere Rucksack Reisende? Ob mir das alleine Reisen überhaupt Spass macht? Viele Fragen aber vor allem viel Vorfreude. Mit dieser Reise erfülle ich mir einen lang gehegten Traum.

Die ersten drei Wochen begleitet mich eine Freundin und wir haben gleich ein paar Herausforderungen zu meistern.

Lima
In Miraflores lässt es sich gut ein paar Tage aushalten und die Steilküste mit der langen Strandpromenade und den kleinen Parks ist genau mein Ding. Wir sind allerdings damit beschäftigt den Rucksack von meiner Begleiterin aufzuspüren, dieser ist wegen einem technischen Problem in Amsterdam hängen geblieben lässt auf sich warten. Da wir nicht die gleiche Kleidergrösse tragen heisst es shoppen und improvisieren und den Ärger mit Cerveza und Pisco Sour runter spülen.

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Huacachina
Der Ort liegt in einer Oase und die Dünen zählen mit einer Höhe von ca. 100 m zu den größten des Landes. Sandboarding ist hier angesagt und das macht Spass.

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Islas Ballestas
Die Inseln werden auch „Klein Galapagos“ genannt. Während der zweistündigen Boot Tour sehen wir tatsächlich viele Seelöwen, Pinguine, Pelikane und andere Seevögel.

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Nazca
Angeblich einer der heissesten Orte der Welt und bekannt für seine Erdzeichnungen. Auch wenn wir auf einen Flug verzichten sehen wir einige der Bilder. Uns fasziniert das Maria Reiche Museum, da wird die Lebensgeschichte der deutschen Wissenschaftlerin erzählt, sie hat die Nazca Linien erforscht.

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Arequipa
Die weisse Stadt liegt auf 2300 Meter und bezaubert auf Anhieb mit den kolonialen Prachtbauten und lauschigen Innenhöfen. Auf der Plaza Principal wimmelt es von Tauben und man findet Männer mit Schreibmaschinen die gegen Bezahlung offizielle Dokumente schreiben.

Spannend ist der grosse Markt, vom Frosch-Saft über Lamaföten bis zur Schafkopf-Suppe inkl. Augen gibt es da alles. Natürlich aber auch viele schöne Sachen wie die Frucht- und Gemüseabteilung, ein kleines Paradies mit allerlei uns Unbekanntem. Absolut sehenswert auch Santa Catalina, das Kloster ist mit mehr als 20’000 Quadratmeter eine Stadt in der Stadt.

In Arequipa wird endlich das vermisste Gepäck geliefert – nach genau einer Woche. Allerdings haben wir gleich ein neues Problem, meine Begleiterin braucht den Notarzt und verbringt einen Tag in der Klinik. Zum Glück erholt sie sich rasch, wir bleiben aber länger als geplant in Arequipa.

Dadurch haben wir Zeit für einen Besuch bei „Juanita“, der Eisprinzessin. Eine unglaublich faszinierende Geschichte von einem 13 Jahre alten Mädchen das von Inka Priestern dem Berggott geopfert wurde und später als Mumie im Gletscher auf 6310 Meter gefunden wurde. Sie wurde in einem Ritual eingeschläfert und mit einem Schlag auf den Kopf getötet. Nun ist sie in einem gläsernen Tiefkühlkasten in einem kleinen Museum ausgestellt.

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Colca Cañon
Die Fahrt nach Chivay ist landschaftlich wunderschön, wir sehen viele Lamas, Vicuñas und Alpakas und die Strasse führt über einen Pass auf 4910 Meter. Früh am nächsten Morgen fahren wir zum cruz del cóndor, hier nisten die Anden Kondore, beeindruckend die Vögel im Flug zu beobachten. Der Colca Cañon ist einer der tiefsten Canyons der Welt und definitiv eindrücklich.

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Puno / Titicacasee
Nun sind wir auf 3800 Meter. Den See erkunden wir auf einem ganztägigen Bootsausflug. Zuerst besuchen wir die Uro Inseln, hier ist alles aus Schilf. Die Insel, die Häuser, die Boote. Das Ganze ist sehr touristisch und erinnert an ein Museum, bietet aber schöne Foto Sujets. Ganz anders die Isla Taquile, bekannt für die strickenden Männer. Zwar sind auch hier viele Touristenboote aber es wirkt authentischer. Die einzelnen Gruppen bekommen jeweils bei einer Familie im Garten ein Mittagessen, die Forelle aus dem See schmeckt hervorragend. Schön auch der Spaziergang über die Insel, immer wieder treffen wir auf Inselbewohner bei der Arbeit. Ich kann es kaum glauben, auf knapp 4000 Meter läuft man hier in T-Shirt und Sandalen herum.

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Cusco
Cusco (3300 Meter) ist hübsch, besonders das San Blas Quartier. In der Nähe unseres Hotels entdecken wir den Coca Shop – die Coca Brownies sind der Hammer. Massive Inkamauern säumen die steilen, schmalen Pflasterstrassen und Plazas. Frauen mit Lamas laufen durch die Gassen und lassen sich fotografieren – gegen Bezahlung natürlich. Auf einer Stadtrundfahrt besuchen wir einige Inkastätten in den Hügeln.

Einen schönen Ausflug unternehmen wir mit dem öffentlichen Bus nach Pisac. Wieder kraxeln wir in Inka Ruinen herum und schlendern durch den grossen farbigen Markt mit Kunsthandwerk. Bei unserer Rückkehr regnet es und wir schnappen uns ein Taxi zurück ins Hotel – allerdings nützt das auch nicht viel, das Fenster lässt sich nicht schliessen und es regnet hinein.

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Ollantaytambo
Der Ort gilt als schönste immer noch gänzlich bewohnte Inkastadt umgeben von Inkamauern und Wasserkanälen. Es gefällt uns hier gut, abgesehen davon dass es regnet, kalt ist und wir einen Teil unseres Gepäcks in Cusco deponiert haben und nun so ziemlich das Falsche dabei haben. Zum Glück hat unser Hotel einen hübschen Aufenthaltsraum mit Kamin.

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Machu Picchu
Mit dem Zug geht es nach Aguas Caliente und nach einer kurzen Busfahrt stehe ich endlich in dieser berühmten Ruinenstadt, ein wahrlich magischer Moment. Es ist später Nachmittag, die Massen lichten sich langsam und nach einer Führung sitzen wir an der Sonne, lassen die Gedanken schweifen und plötzlich besuchen uns zwei Lamas, ein zauberhafter Moment, schon fast mystisch.

Am nächsten Morgen folgt der zweite Besuch in der Inkastätte, ich habe ein Permit für die Wanderung auf den Wayna Picchu, den Berg den man auf jedem Macchu Picchu Bild im Hintergrund sieht. Es ist anstrengend, etwa eine Stunde steil hinauf über unzählige Stufen. Aber die Mühe lohnt sich, die Aussicht ist fantastisch.

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Salkantay Trek
Auf meiner „Bucket List“ steht schon länger ein Trekking, warum also nicht hier, ich bin inzwischen alleine unterwegs und habe Zeit. Allerdings graust mir vor den kalten Nächten im Zelt.

Los geht es morgens um fünf mit einer Busfahrt nach Mollepata. Die erste Etappe ist einfach, die 20 km ziehen sich aber ganz schön und es geht immer bergauf. Das erste Lager liegt auf 3800 Meter und ich bekomme ein kleines Zelt für mich alleine. Unser Koch ist fantastisch, unglaublich was er alles auf den Tisch zaubert. Sobald die Sonne weg ist wird es richtig kalt und um acht Uhr verziehen sich alle in ihre Schlafsäcke.

Die Nacht überstehe ich besser als erwartet, der gemietete Schlafsack wärmt ganz gut und am Morgen bringt der Koch Coca Tee ans „Bett“. Als ich aufstehe ist mir übel und ich muss die leckeren Pancakes stehen lassen, ich bringe keinen Bissen runter. Wie soll ich bloss die zweite Etappe mit 25 km und dem Pass auf 4600 Meter schaffen? Zähne zusammen beissen und los, unser Guide geht es zum Glück sehr gemütlich an und macht immer wieder Pause. Mir geht es von Schritt zu Schritt besser, Coca Tee und ein Energy-Gel helfen. Die Landschaft ist spektakulär und wir sind alle stolz als wir etwas ausser Atem oben auf dem Pass stehen. Unser Gepäck (erlaubt sind 5 kg) und die ganze Camping- und Küchenausrüstung muss natürlich ebenfalls über den Pass , diesen Job erledigen die Pferde. Dann folgt der Abstieg auf 2850 Meter ins zweite Camp, ein Gewitter sitzt uns im Nacken doch wir schaffen es trocken zu den Zelten. Die Nacht wird nochmals kalt und alles ist feucht. Ich ziehe alles an was ich an Kleider dabei habe und schlafe mit Mütze, Handschuhen, Schal und Softshelljacke.

Die dritte Etappe ist mit 16 km schon fast erholsam und die Landschaft nun völlig anders, rauschende Bäche, Wasserfälle, Vogelgezwitscher, Regenwald und immer wieder der Blick auf die Schneeberge. Wir erreichen am Mittag das Camp auf 1650 Meter und verbringen den Nachmittag in den heissen Quellen in Santa Teresa, was für eine Wohltat. Am Abend sitzen wir im T-Shirt am Lagerfeuer, es läuft Musik und wir kippen ein paar Bierchen.

Am vierten Tag wird das Laufen langsam beschwerlich, meine Fussgelenke sind geschwollen, die Beine voller Mückenstiche und ich habe einen blauen Zehennagel vom vielen abwärts laufen, aber die letzten 22 km schaffe ich auch noch. Wir erreichen Aguas Caliente nach dem Mittag und heute schlafen wir in einem Hostal. Abendessen gibt es im Restaurant, wieder mal eine leckere Forelle mit Knoblauchsauce. Für den Rest der Gruppe folgt am nächsten Tag das Highlight – Machu Picchu. Da ich da schon war fahre ich alleine zurück nach Cusco.

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Iquitos (Amazonas)
Die Stadt liegt mitten im Urwald und ist nur per Schiff oder auf dem Luftweg erreichbar. Ich komme mit Peruvian Air angeflogen. Die Stadt empfängt seine Besucher mit feucht heisser Luft und dem morbiden Charme halb verfallener Häuser, deren bunter Putz langsam abbröckelt. Die Stimmung ist fröhlich, quirlig, überall ertönt Musik und auf den Strassen sind neben klapprigen bunten Bussen fast ausschliesslich dreirädrige Motorradtaxis zu sehen. Am Abend erwacht die Uferpromenade zu Leben, es gibt Popcornverkäufer, Clowns und Strassenkünstler. Irgendwie gefällt es mir hier. Gerade als ich anfange mich einsam zu fühlen treffe ich einen Kanadier, er kommt von einem Ayahuasca Selbstfindungstrip bei einem Schamanen. Zwar verstehe ich sein Englisch kaum, aber wir verbringen einen unterhaltsamen Tag zusammen und am Abend stossen beim Pizza essen zwei Australier dazu die ich noch schlechter verstehe.

Ist man einmal in Iquitos ist der Dschungel das Ziel. Allerdings ist es nicht ganz einfach eine gute Tour zu finden. Es gibt unzählige Angebote, man wird alle paar Meter angequatscht und jeder behauptet natürlich der Beste zu sein. Wem soll man da glauben wem kann man vertrauen? Schlussendlich entscheide ich mich für eine Tour und lande für die nächsten paar Tage in einem Camp im Dschungel, ohne Strom und Dusche und habe mit Randy meinen persönlichen Guide. Wir schwimmen im Amazonas inmitten von Delfinen (und Piranhas!), wandern durch den Dschungel, beobachten Tiere und ich verbringe Stunden auf einem kleinen Boot um zu fischen – wer hätte gedacht dass mir das Spass macht. Die Fische sind dann gleich unser Mittagessen, auf dem Feuer gebraten und mit Händen gegessen.

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Huaraz
Die Busfahrt ab Lima ist eindrücklich, vom Stadtverkehr in die Vororte, entlang der Küste, dann schlängelt sich die Strasse hoch bis auf 4000 Meter und plötzlich sieht man die Schneeberge, wunderschön.

Huaraz liegt auf 3090 Meter. 1958 von einer Eislawine verschüttet und 1970 von einem Erdbeben zerstört wurde die Stadt zweimal neu aufgebaut. In der Nähe liegt der Nationalpark Huascaran, dieser lockt Bergsteiger aus der ganzen Welt an. Die Gegend wird auch als „Schweiz Perus“ bezeichnet. Mein Hostal ist genial. Die holen einem an der Busstation ab, servieren für die Wanderer um halb sechs Frühstück mit Spiegelei und organisieren Touren zu einem fairen Preis.

Ich mache zwei Tagesausflüge, zur Laguna 69 und nach Pastoruri. Die Wanderungen sind anstrengend (Höhe), aber traumhaft schön.

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Huanchaco
Leider gibt es ab Huaraz nur Nachtbusse und so komme ich am Morgen um 04.15 Uhr in Trujillo an, na toll. Bis um sieben hänge ich im Busterminal herum, lese mein Buch zu Ende und warte bis es hell wird. Dann nehme ich ein Taxi nach Huanchaco und klingle die Leute im Hostal aus dem Bett.

Der Fischerort ist ein Surfspot und bekannt für die „caballitos de totora“, die aus Schilf gefertigten Boote mit denen die Fischer heute noch aufs Meer hinaus reiten. Es ist etwas kühl, die Sonne versteckt sich hinter dem Nebel. Das war zu erwarten, ist halt Winter in Südamerika, dementsprechend ist auch nicht viel los hier. Das Hostal organisiert mir einen Tagesausflug zu den bekannten Tempel und Ausgrabungen in der Umgebung, Chan Chan und Huacas del Sol y de la Luna sind einen Besuch wert. Ich treffe eine Schweizerin – und wir müssen uns tatsächlich in Englisch verständigen. Mein Französisch und ihr Deutsch sind irgendwie nicht ganz kompatibel. Ein wunderschöner Tag und als Krönung ein toller Sonnenuntergang am Beach.

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Máncora
Ein weiteres Surferdorf, direkt an der Panamerica, das wichtigste Strand Resort Perus und Partytown. Wohnt man etwas abseits vom Trubel ist es richtig nett, kilometerlanger Strand, Palmen, warmes Wasser, Bikini Wetter und jede Menge Fischrestaurants. Ich bin hier unglaublich faul, lese in der Hängematte, spaziere stundenlang am Strand und liege an der Sonne – es ist herrlich!

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Dann investiere ich die letzten Soles in Pisco Sour und nehme Abschied von Peru. Das Land hat mich begeistert mit seiner Vielseitigkeit. Strände, Dschungel, Wüste, Berge, Kultur, Städte. Auch das alleine Reisen fühlt sich gut an. Nun zieht es mich weiter – Ecuador ist mein nächstes Ziel.

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