Flughafen Chiang Mai, Socken aus und Sonnenbrille an. Die Reise nach Laos beginnt also in Thailand. Leider sind die Liegestühle am Hotel-Pool alle kaputt, so trotzen wir dem Jetlag und machen uns auf zu einem Spaziergang durch die Stadt, das ist ja auch viel spannender. Dann noch eine Pedicure und schon sind auch meine Füsse in Ferien Laune.

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Wir teilen uns mit zwei Franzosen ein Sammeltaxi zum Wat Doi Sutheb, der Tempel liegt ausserhalb der Stadt auf einem Hügel und ist beeindruckend.

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Mit einem Minibus geht es Richtung Norden, unterwegs besuchen wir den weissen Tempel und sind überwältigt, ein strahlend weisses modernes Gebäude, völlig verschnörkelt, es sieht aus wie ein Eispalast und nicht einmal Eintritt muss man bezahlen.

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In Chiang Khong angekommen spazieren wir an den Mekong und werfen voller Vorfreude einen ersten Blick rüber nach Laos. Um acht Uhr sind alle Bürgersteige hochgeklappt und auch wir gehen früh schlafen.

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Nach einer kühlen Nacht beginnt um halb neun das Abenteuer Grenzübertritt. Der Hotelbus fährt uns an den Fluss und wir reisen aus Thailand aus. Dann setzen wir mit einer Fähre über den Fluss auf die laotische Seite. Da dauert dann alles seine Zeit bis wir (und alle anderen) den Stempel im Pass und Geld gewechselt haben. Schlussendlich fährt das Slowboat um 12.30 Uhr endlich ab. Die Fahrt ist herrlich, die Landschaft und das Leben ziehen an uns vorbei und wir trinken das erste Beerlao. Störend sind einzig der laute Motor und eine Gruppe durchgeknallter alkoholisierter Franzosen. Kurz nach sechs legen wir an und lassen uns von einer Lady in ihr Guesthouse fahren. Pak Beng lebt davon, täglich eine Heeresschar von Mekong Touristen routiniert durchzuschleusen.

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Ein wunderschöner Morgen in Pak Beng mit einer mystischen Stimmung am Mekong. Wir wissen nicht so genau wann das Boot abfährt, die Angaben variieren zwischen 8.00 und 9.30 Uhr. Aber es lohnt sich früh da zu sein, natürlich hat es mehr Passagiere als Sitzplätze. Irgendwann ist das Gepäck verstaut, alle Passagiere sitzen irgendwo und wir legen um 9.45 ab. Ein älterer Engländer meint besorgt „there are too many people on this boat“, aber das interessiert natürlich niemanden. Die Fahrt auf dem Mekong wirkt entschleunigend, man sitzt einfach da, versinkt in Gedanken, döst oder trinkt ein Bier.

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Mit der untergehenden Sonne erreichen wir Luang Prabang. Wir wohnen mitten im Zentrum und abends verwandelt sich die Stadt in einen grossen Strassen-Markt mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten.

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Luang Prabang hat Charme, bezaubert mit schöner Landschaft, verschlafenen Tempeln und Gebäuden im französischen Kolonialstil. Wir besuchen Wat Xieng Thong, den ältesten Tempel der Stadt,  erklimmen die 300 Stufen zum Phou Si und geniessen den herrlichen Ausblick. Den steilen Weg säumen verschiedene Buddha-Statuen und in den Bäumen zirpt es um die Wette, eine wunderbare Geräuschkulisse.

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Am Abend probieren wir Fondue auf laotische Art. In einer Aussparung in der Tischmitte wird ein Behälter mit glühenden Kohlen eingelassen und darauf kommt ein spezieller Topf. In der Brühe köcheln Salat, Gemüse, Glasnudeln und Eier. Auf der Erhebung in der Mitte brutzelt Fleisch und Fisch, die fertigen Häppchen werden in Knoblauch-Erdnusssauce getunkt und der Spass kostet ganze CHF 5 für zwei Personen.

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Wir sind im Land der Elefanten, da wollen wir mehr erfahren über diese faszinierenden Tiere die mir auch etwas Angst einflössen. So buchen wir ein Mahout Training, werden also Elefanten-Trainier. Gekleidet in eine blaue „Uniform“ lernen wir die wichtigsten Kommandos, Verhaltensregeln und erfahren viel Interessantes.  Bald sitzen wir auf einem Grauhäuter und reiten durch den Dschungel, immer zusammen mit einem professionellen Mahout. Es schaukelt ziemlich, besonders bergauf oder bergab. Das Highlight ist das Bad am Nachmittag mit den Elefanten, wir werden tüchtig nass gespritzt. Die Tiere scheinen es im Camp gut zu haben, es gibt keine Shows und keine Kunststücke.

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Bekannt ist in Luang Prabang das Almosensammeln der Möche am frühen Morgen. Obwohl das Ritual etwas zu einer Touristenshow verkommen ist finden wir es eindrücklich am Strassenrand zu sitzen und die Stimmung aufzusaugen.

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Toll auch der Ausflug nach Ban Pak Ou zu den Tham Ting Höhlen am Mekong. Seit Jahrhunderten bringen Pilger und Bootsleute kleine Buddhafiguren als Opfergaben dar.

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Wir befragen das Orakel nach unserer Zukunft und bekommen eine Zettel mit laotischen Schriftzeichen. Später bitten wir die Boys in unserem Hotel um Übersetzung, die kugeln sich vor lauter Lachen, wir verzichten auf weitere Erklärungen.

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Mit dem Tuk Tuk fahren wir hinaus aufs Land zu den Tad Kuang Xi Wasserfällen. Es scheint eine Art „Tuk Tuk Mafia“ zu geben, die Fahrer tragen alle Fahrten in einem Buch ein und liefern an einem Checkpoint Geld ab. Von den Wasserfällen erwarten wir nicht viel, werden aber positiv überrascht, ein wunderschönes Fleckchen Erde.

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Luang Prabang ist definitiv ein Ort um ein paar Tage zu verweilen, man kann Stunden in gemütlichen Restaurants am Fluss verbringen, chillen und mit einem Drink in der Hand den Sonnenuntergang geniessen.

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Die nächsten paar Tage sind wir auf einer privaten Tour. Mit einem Minibus fahren wir zum Oberlauf des Nam Ou, den wir anschließend in mehreren Tagesetappen mit dem Boot wieder hinunterfahren. Wir sitzen bequem auf ausrangierten Autositzen und beobachten wie das Leben der Laoten im und am Fluss stattfindet, der Fluss ist die Verkehrsader und der Mittelpunkt des Lebens: Baden, Waschen, Spielen und natürlich Fischen. Idyllisch die Landschaft mit den Karstfelsen. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Wir stoppen bei einem lokalen Markt, entdecken Sachen wie getrocknete Eichhörnchen und essen immer und überall Nudelsuppe.  Wir kommen in kleine Dörfer, die Kinder posieren hier noch für Fotos ohne eine Gegenleistung zu erwarten.  Die Nächte sind unerwartet kühl und am Morgen hängt der Nebel in der Landschaft. Strom gibt es in den Unterkünften meist nur ein paar Stunden vom Generator. Auf der letzten Etappe entdeckt unser Kapitän ein totes Reh am Ufer und will dieses unbedingt mitnehmen. Wir finden das nicht so lustig, besonders als er einen Stein übersieht und wir mit dem Boot voll drauf knallen. Nach diesem Erlebnis sind wir froh wohlbehalten wieder in Luang Prabang anzukommen.
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Die Weiterfahrt im Mini-Van ist landschaftlich reizvoll, die Strasse kurvig und teilweise ruppig. Wir müssen immer wieder anhalten weil es einem unserer Passagiere furchtbar übel ist – dafür lässt der Fahrer die Mittagspause ausfallen, gut habe ich ein paar Kekse in der Handtasche. Unser Hotel in Vang Vieng ist eine Oase, direkt am Fluss und mit sehr freundlichem Personal. Wir sind im Ballermann von Laos – was für ein Schock. Touristen laufen halb nackt, betrunken und zugedröhnt durch die Gassen, in den Restaurants laufen auf Grossbildschirmen Trickfilme und amerikanische TV-Serien in Endlosschleife. Respekt? Fehlanzeige! Schade, in einer dschungelartigen Karstlandschaft gelegen ist Vang Vieng landschaftlich wunderschön. Ich melde mich spontan zu einem Kayak-Ausflug an und das ist eine gute Idee, die Gruppe ist gut drauf –  auch ohne Alkohol und Drogen – ein sehr lustiger Tag an diesem seltsamen Ort. Wir paddeln 10 km auf dem Fluss und kommen zwangsläufig an der berüchtigten Partyzone vorbei, eine Bar nach der anderen, eine lauter als die andere und der Fluss voll mit betrunkenen Touristen die mit den Tubes im Wasser treiben.

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Kurz nach unserer Reise hat die Regierung aufgrund von diversen Todesfällen dem Treiben anscheinend ein Ende gesetzt. Jährlich fielen fast 120.000 jugendliche Partyfans über das Provinzstädtchen her. Eine Bar reihte sich an die andere. Aus den unzähligen Discos schallte Tag und Nacht Partymusik. Mojitos und Whisky mit Cola oder thailändischen Energydrinks gab es gleich aus Plastikeimern. Gras, halluzinogene Pilze und Opiumpfeifen waren an jeder Ecke zu bekommen.  Höhepunkt der exzessiven Massenparty war das Tubing. Hunderte von völlig betrunkenen Backpackern ließen sich gleichzeitig in alten Lkw-Reifen den Fluss hinabtreiben.

Bis Vientiane sind es 150 km, das schafft ein Mini-Van im Normalfall in 3,5 Stunden – unser Fahrer braucht 5 Stunden und erwischt wohl jedes Schlagloch auf der Strecke. Wir lernen Geduld in Laos und wie heisst es hier? PDR – Please Don’t Rush. Unser Hotel liegt direkt am Mekong, gegenüber liegt Thailand und so schliesst sich der Kreis langsam wieder.

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Am letzten Tag in Laos fühle mich hundeelend aber das passt jetzt gerade nicht, wir wollen unbedingt noch in den skurrilen Buddha Park ausserhalb der Stadt. Ich würge etwas Toast und einen Tee hinunter und schon chartern wir ein TukTuk. Der Park ist total lässig, zahlreiche meterhohe Statuen aus Buddhismus, Hinduismus und laotischer Folklore wollen entdeckt werden.

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Die Rückfahrt schlaucht mich dann wieder ziemlich und unser Mittagessen ist film reif. Ich liege auf zwei Stühlen und schlafe im Restaurant. Dann erwache ich vom Gehuste meiner Kollegin, sie hat einen knallroten Kopf, Schweissausbrüche und schnappt nach Luft,  das Essen ist wohl etwas scharf. Zurück im Hotel wartet unser Chauffeur, über die Friendship Bridge geht es zurück nach Thailand. Anscheinend ist in unserem Arrangement ein „Rundum Sorglos Packet“ inbegriffen, wir müssen uns um nichts kümmern und der Chauffeur stellt sich sogar mit unseren Pässen in die Schlange und holt die Aus-/Einreisestempel, dafür bin ich heute sehr dankbar, mir ist immer noch speiübel. Pünktlich um 18.20 fährt  in Nong Khai der Nachtzug ab Richtung Bangkok.

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Nach einer erstaunlich erholsamen Nacht im Zug erreichen wir am Morgen Bangkok und ich fühle mich wieder pudelwohl. Wir kennen beide die Stadt und lassen uns einfach etwas treiben. Der Gegensatz zwischen der laotischen Hauptstadt gestern und der thailändischen heute könnte kaum grösser sein, plötzlich gibt es wieder Fast-Food, Metros, Bettler, Parkhäuser, Autobahnen und viel zu viele Leute. Wir steigen in ein Boot und besuchen spontan das Wat Pho mit dem riesigen liegenden Buddha – als ob wir nicht schon genügend Buddhas gesehen hätten.

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Nach einem letzten Pad Thai nehmen wir Abschied von Asien und verpassen noch fast den Flieger, die Schlange bei der Immigration zieht sich durch das ganze Flughafengebäude.

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Was für eine wunderschöne Reise. Laos hat uns verzaubert mit atemberaubenden Landschaften, unberührter Natur und herzlichen Begegnungen. Die Uhren ticken hier noch etwas langsamer als anderswo. Überrascht haben uns die kulturellen Schätze und kulinarisch ist Laos definitiv ein Highlight.