Ich lande am Morgen um 3 Uhr in Mumbai, versuche noch etwas Zeit tot zu schlagen und fahre dann mit einem Prepaid-Taxi ins Hotel wo meine Kollegin schon ein paar Tage wohnt. Zu ihr ins Zimmer darf ich nicht, erst als ich 20 Franken bezahle lässt mit der Typ an der Réception vorbei, dafür vergisst er dann mein Frühstück zu berechnen.

Hampi

Am Nachmittag reisen wir gleich weiter, mit einem Propellerflugzeug nach Hubli und von dort nochmals gut 3 Stunden mit einem Taxi bis Hampi.

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Nach ein paar Stunden Schlaf in einem knallharten Bett bin ich bereit mich dem indischen Alltag zu stellen. Mit einem Scooter (Tuk-Tuk) fahren wir ins Zentrum nach Hampi Basar. Der Ort ist cool, Ruinen liegen verstreut in einer wunderschönen Gegend, speziell sind die riesigen Granitbrocken. Wir schlendern barfuss durch Tempel und verbrennen uns in der Hitze fast die Fusssohlen. Auf den Strassen versperren Kühe den Weg, wir sehen Affen, Wasserbüffel, Schweine, Ziegen, Hunde und Katzen. Wir werden auch schon wieder fleissig fotografiert, angestarrt und ausgefragt. Das Hotel hat Probleme mit der Stromversorgung, immer wieder fällt der Strom aus und das Wasser in der Dusche ist kochend heiss und lässt sich nicht regulieren. Ich bin definitiv in Indien!

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Mysore 

Nach dem Frühstück und der üblichen Diskussion mit dem Kellner (er hat auch nach drei Tagen noch nicht begriffen dass wir Zimmer mit Frühstück gebucht haben) machen wir uns auf den langen Weg nach Mysore, mit Bus, Zug und wieder Bus. Am Bahnhof spaziert tatsächlich eine Kuh gemütlich durch die Halle. Fast pünktllich startet der Hampi-Express, schnell fährt er aber nicht, brauchen wir doch für 567 km über 12 Std.

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Toll ist der Maharaja’s Palace, er zählt zu den grandiosesten königlichen Bauten Indiens. Um die Innenräume zu besichtigen muss man die Kamera (und die Schuhe) abgeben, mit dem Handy darf man aber ganz offiziell fotografieren – indische Logik!

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Kurz nach sechs reisst uns am nächsten Morgen das klingelnde Telefon aus dem Schlaf, unser Driver will wissen um welche Zeit er uns abholen soll, wir einigen uns auf 9.00 Uhr. Zuerst besuchen wir den Keshava-Tempel in Somnathpur und bekommen eine interessante Einführung in die Welt der Hindu-Götter. Der Führer nimmt es sehr ernst und fragt uns anschliessend ab, wohl zur Kontrolle ob wir zugehört haben.

Weiter geht es auf den Chamundi Hill und zum zweitgrössten Nandi-Stier in Indien. Nach dem obligaten Abstecher in ein überteuertes Souvenirgeschäft (wir kaufen natürlich nichts) schlendern wir zum Abschluss unserer Tour über den Devaraja Market.

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Am Abend fahren wir eine Stunde Bus zu den Brindavan-Gardens, da tanzen beleuchtetet Wasserfontänen im Takt von Bollywoodmusik. Als wir da ankommen trifft und fast der Schlag, da sind Hunderte wenn nicht sogar Tausende von Indern, es fühlt sich an wie an einem OpenAir Konzert inklusive Fress- und Marktständen. Besonders aufregend ist das Wasserspektakel nicht aber wir amüsieren uns auf jeden Fall und sind weit und breit die einzigen Touristen.

Nicht so begeistert sind wir von unserem Tagesausflug zu den Tempel Halebid und Belur. Wir verbringen den Tag hauptsächlich im Auto. Die Anlagen sind zwar schön,  aber es ist der absolute Horror ohne Schuhe über den heissen Boden zu laufen.

Am Abend ist unsere Welt wieder in Ordnung, wir finden ein leckeres einfaches Restaurant wo auch die Inder essen, trinken unseren Chai und kämpfen uns durch das Gewühl von Tuk-Tuks, Autos, Bussen, Mopeds und Velos.

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Ooty

Wir vertrauen den Angaben im Lonely Planet und fahren mit dem Tuk-Tuk zum privaten Busbahnhof – obwohl der Fahrer heftig widerspricht. Das ist natürlich genau falsch, der Bus nach Ooty fährt am zentralen Busbahnhof. Kaum sind wir da, nach einer weiteren Tuk-Tuk Fahrt, fährt auch gleich ein Bus. Zuerst sieht es nach Chaos und Gedränge aus, aber schlussendlich finden alle einen Sitzplatz. Nach dem ersten Pausen-Stopp geht die Fahrt durch den Bandipur Nationalpark, wir sehen tatsächlich durchs Fenster einen Elefanten, ein paar Wildschweine und viele Affen, so macht Busfahren Spass. Dann schraubt sich der Bus in die Höhe, manchmal nur im Schritttempo. Die Strecke führt wunderschön durch Teeplantagen und Wälder. Die Fahrt zieht sich in die Länge, schlussendlich brauchen wir sechs Stunden, statt wie im Reiseführer angegeben vier.  Ooty liegt auf 2240 Meter Höhe, es ist merklich kühler und alles teurer. Nach einer kühlen Nacht (mit Bettflasche) in einem abgelegenen Hotel das uns so gar nicht gefällt beschliessen wir einstimmig unsere vorzeitige Abreise aus Ooty. Irgendwie werden wir nicht warm mit dem Ort und zudem können wir so die nächste lange Etappe etwas unterbrechen.

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Combaitore

So steigen wir in den Bus und geniessen die Fahrt nach Combaitore, es gibt immer so viel zu sehen, in Indien spielt sich das Leben auf der Strasse ab. Wir wundern uns dann allerdings als in Combaitore die Tuk-Tuk so teuer sind, soll doch das Hotel gemäss Lonely Planet ganz in der Nähe vom Busbahnhof sein. Einmal mehr sind wir an einem anderen Busbahnhof als wir denken. In Combaitore gefällt es uns wieder, eine typische indische Stadt.

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Madurai

Im Bus haben wir meistens zwei Möglichkeiten, entweder sitzen wir ganz vorne, dann haben wir einen Hörschaden von der ständigen Huperei oder wir sitzen ganz hinten, dann werden wir bei jeder Bodenwelle hochgespickt. Busfahren in Indien ist wirklich nur etwas für gesunde Leute ohne Rückenprobleme. Gemäss Reiseführer ist Madurai die südindische Stadt schlechthin, faszinierend, wild, hektisch, genau unser Ding.

Wir sind in der „Temple City“. Der Sri-Meenakshi-Tempel ist einer der bekanntesten, schönsten und grössten Tempel in Südindien. Es ist total faszinierend die uns so fremden Rituale und Zeremonien zu beobachten.

Immer interessant ist ein Kinobesuch, wir erwarten eine kitschige Bollywood-Schnulze, bekommen aber ein indisch-tamilisches Action-Drama mit viel Schlägerei und Schiesserei geboten.

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Thanjavour

Nach einer rasanten Tuk-Tuk-Fahrt geht es weiter in einem ziemlich vollen Bus mit einem ekelhaften Billet-Verkäufer. Er spielt sich auf als ob ihm der Bus gehört, schreit alle Leute an und sagt wo man sitzen darf und wo nicht. Wir sind ganz froh ihn nicht zu verstehen und zudem hab ich mir WC-Papier in die Ohren gestopft gegen den indischen Verkehrslärm. Thanjavour ist eine schmutzige und extrem laute Stadt, doch daran sind wir uns gewöhnt. Zum Glück gibt es auch in der lautesten Stadt Oasen der Ruhe, eine solche finden wir im Brihadishwara-Tempel. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich all die Tempel sind, wir haben inzwischen doch einige gesehen und jeder ist einzigartig. Heute ist wohl der heisseste Tag, über die Mittagszeit flüchten wir ins kühle Hotelzimmer. Als wir nach 15 Uhr wieder  auf die Strasse treten fühlt es sich an wie in einem Backofen, trotzdem laufen wir zum Königspalast. Auch hier ist es wunderbar friedlich und es gibt viel zu sehen und zu entdecken wie eine alte Bibliothek, Bronze- Statuen, verblichene Wandbilder, ein verwilderter Garten und vieles mehr.

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Trichy

Busfahren haben wir inzwischen gut im Griff, da sind auch zweimal umsteigen bis Trichy kein Problem. Erstes  Ziel ist der Rock-Fort-Tempel, 437 Stufen führen hinauf und es lohnt sich, ein wunderbarer Ausblick auf die  Stadt erwartet uns. Auch der Sri Ranganathaswamy-Tempel, einer der grössten  Tempel in Indien, ist einen Besuch wert.  Für 10 Rupies kommt jemand mit einem Schlüssel und durch einen Hinterhof kann man auf ein Dach steigen und den schönen Blick über die Tempelanlage geniessen.

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Pondycherry

Endlich am Meer!  Viel Zeit bleibt uns nicht aber wir geniessen den Spaziergang an der Strandpromenade.

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Mamallapuram

Die letzte Busfahrt, dieses Mal mit einem Fahrer der genüsslich zwei Zigaretten raucht. Nach zwei Stunden werden wir in buchstäblich aus dem Bus geworfen, am liebsten würde der Fahrer wegen zwei Touristinnen wohl gar nicht anhalten. Das ehemalige Fischerdorf hat sich zu einem Traveller Spot entwickelt mit entsprechend guter Infrastruktur, allerdings haben viele Läden zu, die Saison ist vorbei und es ist auch hier einfach viel zu heiss. Zum ersten Mal legen wir uns für eine Weile an den Swimmingpool.  Unser Nachtessen ist typisch indisch, wir haben noch nicht einmal das Essen erhalten fragt der Kellner schon ob wir Kaffee oder Tee möchten und noch bevor der Teller leer ist kommt er mit der Rechnung.

Trotz der Hitze schauen wir uns in Mammalapuram natürlich auch etwas um: der Ufertempel, das Relief, Krishnas Butterball, der Leuchtturm, es gibt wirklich viel zu sehen.

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Auf dem Weg an den Flughafen passiert das Unglaubliche, an einer Kreuzung knallt es und ein Lastwagen fährt von hinten in unser Taxi rein. Abgesehen vom Schrecken passiert uns zum Glück nichts, aber der Fahrer ist beschäftigt mit Papierkram und wir werden kurzerhand in ein anderes Fahrzeug verfrachtet, keine Ahnung ob  es ein Taxi oder ein Privatauto ist. Was für ein Abschied von incredible India.

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