Wir sitzen in Manila in der Hotel Lobby und halten Ausschau nach dem Fahrer, in unserer Vorstellung ein kleiner, dunkelhaariger schmächtiger Philippine. Doch dann kommt Klaus, ein Deutscher Auswanderer, immerhin mit philippinischer Ehefrau.

Luzon

Bei der Fahrt aus Manila können wir erahnen wie gross die Stadt ist, die Häuserschluchten und Shopping-Malls nehmen kein Ende. Endlich wird es ländlicher und wir besuchen die Kirche in Bacolor, die 1995 von einer Schlammlawine verschüttet wurde. Da wo heute die Türe ist waren früher die Fenster. Weiter geht die Fahrt über den Dalton Pass und am späten Nachmittag erreichen wir Banaue, auf 1200 Meter Höhe und bekannt für seine Reis-Terrassen. Am nächsten Morgen erkunden wir zu Fuss die Gegend, spazieren durch die Reisfelder (UNESCO Weltkulturerbe) und treffen bei einem Aussichtspunkt auf Ifuago-Greise die für Fotos posieren und sich so ihre Rente aufbessern.

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Die Fahrt von Banaue nach Sagada ist abenteuerlich und eine einzige grosse Baustelle, immer wieder verschütten Erdrutsche die Strasse, wir werden zünftig durchgeschüttelt. Die Attraktion in Sagada sind die hängenden Särge, ansonsten ist hier absolut nichts los. Mit unserem Driver und seiner Frau haben wir es gut getroffen. Jennie, die Philippinin, hält uns bei Laune, versorgt uns mit Snacks, ist immer fröhlich und organisiert alles. Klaus ist ein guter Fahrer, checkt in jeder Pause die Börse, weiss viel zu erzählen über Land und Leute und man spürt dass er sich wohl fühlt in seiner Wahlheimat.

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Die Fahrt über die Halsema Road ist landschaftlich sehr reizvoll. Am Nachmittag erreichen wir Baguio, ein Urlaubsort auf 1500 Meter Höhe. Hier hin flüchten die Reichen aus Manila in den Sommermonaten. Uns gefällt es irgendwie nicht so besonders, es hat unheimlich viele Leute, ist laut und stinkig. Unser Hotelzimmer geht direkt auf die Strasse, da ist Ohropax vonnöten.

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Am Morgen schauen wir die Umgebung von Baguio an, da gibt es doch noch ein paar hübsche Flecken, zudem süsse Erdbeeren und skurrile Attraktionen. Beim Aussichtspunkt kann man zum Beispiel Fotos machen mit Bernhardinerhunden mit Sonnenbrille oder Pferden mit rosa Mähne. Die Rückfahrt nach Manila zieht sich, es hat viel Verkehr und die vielen Busse und Mopeds machen es auch nicht besser. Dann heisst es Abschied nehmen von Klaus und Jennie, die beiden sind ein tolles Team und haben einen super Job gemacht.

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Kaum zu glauben, nach einer Woche auf den Philippinen (einer Insel!) habe ich noch nie das Meer gesehen – das muss sich jetzt aber blitzartig ändern.


Bohol

Ein kurzer Inlandflug bringt uns nach Tagbilaran. Nach der feudalen Privattour mutieren wir zu Rucksacktouristen. Vom Flughafen geht es mit einem Tricycle (Motorrad mit überdachtem Beiwagen) in die Stadt, da wird unser Gepäck auf das Dach eines überfüllten Jeepeneys (buntes Sammeltaxi) geladen, wir werden rein gequetscht in das Fahrzeug und los geht es Richtung Alona Beach. Problemlos findet sich ein nettes Bungalow am Strand für CHF 20 pro Nacht und nur Minuten später plantsche ich glückselig im warmen Meer und wir geniessen anschliessend ein tolles Seafood-Nachtessen in einem gemütlichen Restaurant direkt am Strand. Was für ein Paradies, das schreit geradezu nach einem Ruhetag am Strand.

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Erholt machen wir uns auf den Weg in den Dschungel und kommen erstaunlich schell voran. Mit Jeepeney nach Tagbilaran und weiter nach Loboc und von da – nach einer kurzen Mittagsrast – mit einem Boot weiter zur Lodge. Die Nuts Huts liegen wunderschön und auch für die sportliche Herausforderung ist gesorgt, zwischen Bungalow und Reception/Restaurant liegen 120 Treppenstufen. Gut haben wir am Morgen telefonisch reserviert, die Nuts Huts sind beliebt und daher oft ausgebucht. Wunderbar ist es im Fluss zu schwimmen. Am Abend geniessen wir unseren Balkon und lauschen den Geräuschen aus dem Dschungel.

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Als Tagesausflug fahren wir mit dem öffentlichen Bus zu den Chocolat Hills. Die Hügel sind zwar im Moment eher grün als chocolatbraun aber trotzdem schön anzusehen. Anschliessend nimmt uns ein Handwerker auf der Ladefläche seines Pick-Up mit bis Carmen. Da bummeln wir über den Markt und essen etwas. Auf dem Heimweg, beim aussteigen aus dem Bus, werden wir verfolgt. Ein Mann läuft uns nach bis ins Hotel, kommt zwar nicht näher, passt sich aber immer unserem Tempo an, irgendwie unheimlich. In unserer Unterkunft ist der Typ bekannt, anscheinend treiben sich ein paar „verwirrte“ Menschen in der Gegend herum. Was für ein Tag, am Abend kracht auf dem Balkon sozusagen als Krönung auch noch ein morscher Stuhl unter meiner Kollegin zusammen.

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Reisen ist auf den Philippine sehr einfach. Entlang der Strasse kann man überall den Bus oder die Jeepeneys anhalten. Meistens sind die Fahrzeuge zwar voll, aber irgendwie passen immer alle noch rein. Im Allgemeinen sind die Leute sehr freundlich und hilfsbereit und praktisch alle sprechen sehr gut Englisch.

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Die Nacht ist unruhig, ein Tier knabbert lautstark auf unserem Balkon am kaputten Stuhl. Müde fahren wir mit dem Boot bis Loboc und mit dem Jeepeney nach Tagbilaran. In der Nähe vom Pier checken wir in ein Hotel ein, beim genaueren Hinschauen werden wir etwas stutzig, im Hotel gibt es eine Kapelle und über jeder Zimmertür hängt ein Kreuz, aber Hauptsache wir haben ein Bett für die Nacht. Wir organisieren die Fährentickets für die Weiterreise und ändern aufgrund der Abfahrtzeiten auch gleich unsere Pläne. Am Nachmittag bleibt Zeit für einen Ausflug nach Corella und einen Besuch in der Tarsier Sanctuary. Die winzigen Äffchen mit den Glotzaugen sind einfach süss.

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Negros

Es heisst früh aufstehen, die Fähre legt um 8.00 Uhr ab. Auf dem Schiff läuft die Klimaanlage auf Hochtouren, man kann aber zum Glück auch draussen sitzen. Nach knapp zwei Stunden legen wir in Dumaguete an. Die Taxi- und Tricyclefahrer wimmeln wir erstmal ab, trinken etwas und suchen dann zu Fuss eine Unterkunft. Dumaguete ist eine angenehme Kleinstadt, wir bummeln über den grossen Markt, durch die Grünanlagen und entlang der schönen Promenade.

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Ein Bus bringt uns am nächsten Tag ein Stück in den Norden, allerdings müssen wir kurz vor dem Ziel aussteigen, ein umgekippter Lastwagen blockiert die Strasse und es dauert eine Weile bis die Feuerwehr eine Fahrspur räumen kann. Nun stellt sich die Frage wie wir zu den Twin Lakes hoch kommen. Schlussendlich bleibt uns nur habal-habal (Motorrad-Taxi), ein anderes Verkehrsmittel findet sich nicht und 13 km zu Fuss den Berg hoch in der Mittagshitze ist keine Alternative. So überwinde ich meine Abneigung gegen Motorräder und obwohl wir zu dritt auf so einem Feuerstuhl sitzen geniesse ich die Fahrt durch die wunderbare Landschaft. Die beiden Seen sind unbedingt einen Besuch wert, Natur pur und zu meiner Freude kann ich da auch schwimmen.

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Eigentlich stand die Insel Negros gar nie auf unserem Plan und nun sind wir schon drei Tage hier. Wir fahren mit dem Jeepeney Richtung Süden, viel gibt es da allerdings nicht zu sehen – ausser Palmen und Meer natürlich. Es boomt gerade Karaoke und schon morgens um 10.30 Uhr wird auf dem Markt lauthals und falsch geträllert, wir amüsieren uns köstlich. Später fragt mich ein Filipino ob ich pensioniert sei – ups, sehe ich so alt aus? Da bin ich schon etwas beleidigt. Um mein Selbstwertgefühl wieder etwas aufzumöbeln lasse ich mir am Nachmittag mitten im Stadtpark von Dumaguete eine Manicure und Pedicure verpassen. Anschliessend geniessen wir noch ein Halo-Halo (ähnlich wie Glace), spielen am Strand mit den Kindern und organisieren die Weiterreise.


Cebu

Bereits um 7.00 Uhr verlassen wir das Hotel und spazieren an den Pier, 4 Stunden Schifffahrt erwarten uns. Am Mittag erreichen wir die Insel Cebu und ein weiteres Boot bringt uns nach Lapu-Lapu. Wir irren etwas herum bis wir ein Hotel finden und sind schweissgebadet. Dann bekommen wir auch noch ein Zimmer im 5. Stock – ohne Lift natürlich. Gegen Abend fahren wir ein Stück aus der Stadt hinaus und essen am Meer beim Lapu-Lapu-Denkmal einen Lapu-Lapu-Fisch. Bezahlen muss ich, meiner Kollegin ist das Portemonnaie abhanden gekommen, wir haben keine Ahnung wie das passiert ist.

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Manila

Bei der Ankunft am Flughafen in Manila gleich der nächste Schreck, die Kamera von meiner Kollegin ist auch weg, wahrscheinlich muss ihr diese unbemerkt vom Gürtel gefallen sein auf dem WC. Somit haben wir eine neue Beschäftigung, Lost & Found Büro suchen. In Manila wohnen wir dieses Mal im Stadtteil Ermita, von da aus lassen sich diverse Sehenswürdigkeiten zu Fuss ansteuern. Manila ist nicht gerade Fussgänger freundlich. Trottoirs sind entweder nicht vorhanden, zugeparkt oder man muss alle paar Meter über einen Graben springen oder eine Stufe überwinden. Zudem sind die Abgase und der Verkehr wirklich immens. Nach Rizal Park, Intramuros und Chinatown sind wir ziemlich geschafft, fahren aber noch mit der Hochbahn zum chinesischen Friedhof. So eine Totenstadt habe ich noch nie gesehen, eindrücklich. Dann folgt wohl unsere letzte Jeepeney-Fahrt und wir sind ziemlich stolz dass wir sogar in der Grossstadt mit diesem spottbilligen Transportmittel problemlos ans gewünschte Ziel kommen.

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Nach einem letzten Sonnenuntergang an der Manila Bay heisst es bye bye Philippinen und hoffentlich auf Wiedersehen.

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