Ich fliege tatsächlich nach Indien! Das Land steht schon lange auf meiner Wunschliste aber selten war ich so nervös vor einer Reise. Wird mich das Land überfordern und an meine Grenzen bringen? Die vielen Menschen, die Gerüche, die Sauberkeit, die Armut? Ich bin froh über meine Reisebegleitung die schon Indien Erfahrung hat.



Delhi

 Nachts um 1.00 Uhr landen wir in Delhi und eigentlich sollen wir abgeholt werden – doch da ist niemand, fängt ja gut an. Wir trinken mal eine Cola, und dann noch eine und siehe da, plötzlich entdecken wir einen Inder mit einem Schild auf dem unser Namen steht. Er hat zwei Deutsche Frauen mit Lufthansa erwartet. Wir zwei Schweizer Girls sind jedoch mit Swiss angereist. Um 4.00 Uhr fallen wir todmüde in unser Hotelbett.

Am nächsten Morgen, nach einem Frühstück auf der Dachterrasse, treffen wir unseren Fahrer für eine Stadtrundfahrt. Es ist fürchterlich laut, es herrscht ein totales Verkehrschaos aber so schlimm wie erwartet ist es lange nicht. Irgendwie fühle ich mich gleich wohl in Indien. Wir geniessen das erste indische Essen und einen köstlichen Chai (Tee).

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Pushkar

Mit Zug uns Bus reisen wir nach Pushkar, schön gelegen an einem See und richtig friedlich, ein Hippie-Dorf mit vielen Rucksack-Touristen und Aussteiger. Indien ist herrlich chaotisch, wunderbar bunt und unglaublich laut, das wichtigste Teil an jedem Verkehrsmittel ist die Hupe und von dieser wird rege Gebrauch gemacht. Wir ziehen uns zwischendurch zurück in unser Hotel und geniessen Momente der Ruhe im Garten.

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Der Aufstieg zum Saraswati-Tempel ist schweisstreibend und die vielen Affen sind amüsant. Was für ein Blick auf die Stadt.

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Jaipur

Die „pink city“ erreichen wir mit dem Bus. Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist der Palast der Winde und auch dem Fort in Amber statten wir einen Besuch ab. Unser persönliches Highlight ist ein Kinobesuch, drei Stunden lang  lassen wir uns berieseln und geniessen die neuste Bollywood-Schnulze mit Sharuk Khan, dem Star in dieser Szene.

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Mit einem Fahrer geht die Reise weiter, wir besuchen Galta , eine wunderschöne Tempelanlage in einer Schlucht mit unzähligen Affen.

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Am Nachmittag erreichen wir den Keoladeo Nationalpark in Bharatpur, ein Vogelschutzgebiet. Gemäss Programm sollen wir den Park mit einem Velo erkunden doch aus unerfindlichen (indischen) Gründen stehen gerade keine Velos zur Verfügung. Wir werden in eine Velo-Rikscha gesteckt und natürlich gibt es heftige Diskussionen um den Preis. Beim Nachtessen am Abend in einem Restaurant bringt uns der Kellner Block und Stift, wir schreiben unsere Rechnung selber.

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Agra

Die Fahrt geht weiter nach Fatepur Sikri und dann ist es soweit, das Taj Mahal erwartet uns.  Es ist einer dieser magischen Orte die sich kaum beschreiben lassen, man steht da mit offenem Mund und staunt nur noch. Ich könnte stundenlang da sitzen und einfach schauen. Auf den Strassen in Agra streiten wir mit einem Verkäufer, er will einen Geldschein mit einem winzig kleinen Riss nicht akzeptieren.

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Khajuraho

Wir kommen zufällig pünktlich zu einem Festival zu Ehren von Gott Shiva. Es hat Tausende von Leuten, ist aber total friedlich und sehr bunt. Wie überall werden wir hier öfters mal fotografiert – und fotografieren zurück. Indien ist anstrengend, ständig werden wir angesprochen, man will wissen woher wir kommen, wie wir heissen, ob wir verheiratet sind , wie viele Kinder wir haben und vieles mehr. Laufen wir davon kommt die fragende Person einfach mit und manchmal kann das ganz schön nerven.

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Dank dem Festival ist der Eintritt in die Tempelanlage gratis, bekannt sind die erotischen Abbildungen aus dem Kamasutra.

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Varanasi

Kingfisher Airlines bringt uns in den heiligen Ort. Varanasi gilt als spirituelle Hauptstadt Indiens und zieht unzählige Hindu-Pilger an, die hier im heiligen Wasser des Ganges baden und Bestattungsrituale vornehmen.  Unser Guesthouse ist etwas speziell, in der Eingangshalle thront der übergewichtige Chef an einem Pult und überwacht alles und jeden, wir versuchen immer an ihm vorbei zu schleichen.

Zu sehen und zu riechen wie die Verstorbenen im Ganges gebadet und anschliessend verbrannt werden ist ein Erlebnis der besonderen Art und so langsam überfordern mich die vielen Eindrücke. Nach einer wunderschönen Bootsfahrt zum Sonnenaufgang auf dem Ganges rebelliert mein Körper, ich liege fast 24 Stunden mit Schüttelfrost im Bett und brauche wohl einfach eine Auszeit. Zum Glück erhole ich mich rasch, denn schon wartet eine Fahrt im Nachtzug auf uns. Die Taxifahrt zum Bahnhof ist etwas beängstigend, die Fahrt dauert und dauert, wir entfernen uns immer weiter von der Zivilisation, uns beschleicht ein mulmiges Gefühl. Gerade als wir beginnen uns ernsthafte Sorgen zu machen sehen wir Schienen und dann stehen wir vor dem Bahnhof der weit ausserhalb der Stadt liegt.

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Kalkutta

Die Pritsche im Zug ist nicht weniger unbequem als ein durchschnittliches indisches Hotelbett und die Fahrt ein Erlebnis, Privatsphäre gibt es in einem indischen Nachtzug nicht wirklich. Die Abteile sind mit Vorhängen abgeteilt und Inder sind neugierig. Auf die Stadt haben wir eigentlich gar keine Lust, wir stellen uns einen Moloch vor und werden positiv überrascht. Kalkutta macht Spass und dank der U-Bahn kommt man auch gut von Ort zu Ort. Wir besuchen das Grab von Mutter Teresa, den Botanischen Garten und das Universitätsviertel mit dem Büchermarkt. Zudem gehen wir mal wieder ins Kino und essen lecker.

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Darjeeling
Die nächste Zugfahrt führt uns in die Berge und wir frieren auf 2000 MüM. Spannend wie sich Indien hier von einer anderen Seite zeigt. Die Leute sehen anders aus, es gibt  auch mal Teigwaren und nicht immer nur Reis und es ist nicht mehr so laut und hektisch. Am Abend bringt man uns Bettflaschen ins Zimmer und im Aufenthaltsraum brennt ein Feuer im Ofen.

Mit dem Sonnenaufgang auf dem Tiger Hill haben wir kein Glück, das Wetter macht nicht mit und das frühe Aufstehen lohnt sich nicht wirklich. Das grosse Thema in Darjeeling (ausser Tee)  ist Bergsteigen und wir besuchen das Museum welches eine Sammlung von historischer Bergausrüstung, Exemplare der Himalaya-Flora und Fauna und ein Relief des Himalaya enthält.

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Sikkim
Die nächsten paar Tage entdecken wir mit einem Fahrer Sikkim, leider sind wir uns gegenseitig nicht sehr sympathisch. Der Bundesstaat liegt im Nordosten Indiens an der Südabdachung des Himalaja. Grenzt an Nepal im Westen, Tibet im Norden und Nordosten, Bhutan im Südosten und den indischen Bundesstaat Westbengalen im Süden. Man benötigt eine spezielle Einreisebewilligung. Die Landschaft ist abwechslungsreich und die Strassen recht gut wenn auch extrem schmal. Die Seitenspiegel bleiben hier standardmässig eingeklappt da sich sonst nicht kreuzen lässt. Unterwegs besuchen wir einige Ruinen und Kloster aber hier gilt eher das Motto „der Weg ist das Ziel“. Die Nacht in Pelling ist kalt, wir schlafen mit Handschuhen, Schal und Faserpelz. Zum Frühstück serviert man uns Toast, heisse Milch, Cornflakes und – Pommes! Ist doch mal was anderes.

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Sikkim wird nicht zu Unrecht „little Switzerland“ genannt, die Landschaft erinnert tatsächlich etwas an die Heimat. Hübsch ist Gangtok mit seiner Laden-Promenade. Seit wir aus Kalkutta weg sind habe ich das Gefühl in einem anderen Land zu sein, es ist total spannend so verschiedene Seiten von Indien kennen zu lernen.

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Die Berg- und Talfahrt geht weiter nach Kalimpong, wir sehen vielen Affen entlang der Strasse. Die Stadt ist lebhaft und auf dem Markt gibt es viel zu entdecken.

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Mit dem Zug geht es zurück nach Kalkutta und wir stürzen uns nochmals in das Gewühl der Stadt bevor wir uns von Indien verabschieden müssen. Am Flughafen dann ein letztes Mal Chaos, das Check-In-System bricht zusammen, unsere Bordkarten und die Gepäckanhänger werden von Hand angeschrieben. Natürlich ist der Flug dadurch verspätet und wir verpassen fast unseren Anschluss in Bombay. Aber wie immer in Indien – schlussendlich kommt alles gut.

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Man sagt, entweder liebt man Indien oder man hasst es, etwas zwischendurch gibt es selten. Incredible India – ich glaube ich komme wieder.

Organisiert hat unsere Individual Reise Sivali Tour, das hat uns viel Arbeit abgenommen. So mussten wir uns weder um die Route noch Transporte und Tickets kümmern.

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